Nachdem um 21 Uhr Schicht im Schacht war, ging es am nächsten Morgen fast noch früher los, als die Tage zuvor. Ziel war es, zum Sonnenaufgang an der Vermilion Lakes zu sein, die keine 10 Minuten vom Hotel entfernt waren. Um 5 Uhr war Abfahrt. An alle drei Seen der Vermilion Lakes kann man mit dem Auto gelangen. Bei 7 Grad Außentemperatur wurde zunächst der am weitesten entfernte See angesteuert. Hier war tatsächlich außer ein paar Enten noch niemand unterwegs. Extrem auffällig war die Vielzahl an Vögeln, die um diese Uhrzeit bereits aktiv war.
Nachdem Teile der Reisegruppe mit dem Fotospot unzufrieden waren, ging es weiter an den ersten See. In diesen führte ein langer Steg, hinter dem sich ein wahnsinniges Farbenspektakel abspielte. Viel schöner als der eigentliche Sonnenaufgang um 5.36 Uhr war, wie sich die Berge im See spiegelten und langsam ihre Farbe veränderten. Der aufmerksame Beobachter (der nicht im Auto saß) konnte Weißkopfseeadler beim Jagen beobachten. Der Sonnenaufgang an sich war natürlich auch schön anzusehen, wie sich der Himmel zunehmend rosa verfärbt. Doch das eigentliche Spektakel war da schon längst vorbei.

Zurück im Hotel, wohlgemerkt um 6 Uhr, wurden die letzten Dinge zusammengepackt und noch ein schnelles Frühstück eingeworfen. Wer hätte es gedacht, es gab schon wieder süße Stücke. Pünktlich um 7.30 Uhr war die Abfahrt Richtung Jasper, die über den Icefield Parkway durch den Banff sowie den Jasper Nationalpark führt. Der Weg Richtung Lake Louise war allen noch bekannt. In Lake Louise musste erstmals getankt werden. Ein weiteres Highlight zum Thema Auto. Die kanadischen Tankstellen funktionieren (wie jetzt bekannt ist) anders als in Deutschland. Der Kunde muss erst in Vorleistung gehen und angeben, für welchen Betrag er tanken möchte. Hier geht die Schwierigkeit ja schon los. Woher soll man denn wissen, für wieviel man tankt? Erst wenn die Kreditkarte eingeschoben wurde, wird die Zapfsäule freigeschaltet. Das muss wohl jeder Europäer einmal peinlich berührt feststellen. Auch wenn hinter einem Wohnmobile, Busse und Autos hupen, weil es so lange dauert. Keep cool ist hier das Motto.
Vollgetankt ging es zum Icefield Parkway. Relativ schnell gelangte man zum ersten See auf dieser Strecke, dem Bow Lake. Nur beeindruckend, wie sich die verschiedenen Grün und Blautöne hier spiegeln. Sieht fast schon unecht aus, so cool war das. Nur wenige Kilometer weiter erstreckte sich der Peyto Lake in einem traumhaften gletscherblau. Zum Aussichtspunkt auf den See ging es einige Meter steil bergauf. Dafür wurde man mit einem gigantischen Blick belohnt. Glücklicherweise waren wir so früh unterwegs, dass noch nicht allzu viel los war. Dies änderte sich, als wir zurück Richtung Parkplatz aufbrachen. Es schien, als wären drei Busse mit Asiaten am Lake angekommen. Zeit für uns zu gehen.

Von nun an bot sich eine wahnsinnig tolle landschaftliche Kulisse. Berge über Berge, Nadelwälder über Nadelwälder, und dazwischen zwei breite Spuren für Autos, Radfahrer und Wohnmobilfahrer. Ewigkeiten schlängelte man sich so durch die Rocky Mountains (natürlich immer noch ohne Bärensichtung). Zwischendurch gab es auf dem höchsten Rasthof einen schnellen Tee, ehe es weiter zu den Gletscherfeldern ging. Da nicht alle Reiseteilnehmer im abrupten Abbremsen bei stehenden Fahrzeugen geübt sind, verpasste die Gruppe einen gigantisch großen Hirsch am Wegesrand. Kurz nachdem der Jasper Nationalpark befahren wurde, gelangte man zum Athabasca Gletscher. Ein Stück Gletscher, das die Schmelze gerade noch so überlebt hat, das jedoch der touristische Spot schlechthin zu sein scheint. Hunderte von Touriautos standen auf dem Parkplatz. Die Touristen wurden mit Bussen zum Gletscher gekarrt, damit sie dort mit einem großen Schneetruck über die Fläche gefahren werden konnten. Richtiger Quatsch.

Gegen 15 Uhr wurde der 4000 Seelen Ort Jasper erreicht. Da in der Lobstick Lodge erst um 16 Uhr (wo gibts denn sowas) Check In möglich ist, wurde der kleine Ort erstmals erkundet. Fazit: Banff war cooler. Nichts desto trotz ging es nach erfolgtem Check In in einem sehr düsteren, alten und Teppichboden liebenden Hotel zum Abendessen. Das schmeckte mal wieder vorzüglich. Dort sprach uns ein einheimisches Paar an, woher wir kämen und was wir vor hätten. Sie hatten uns sogar noch Tipps, wo wir Bären sehen könnten. Let’s see…
