Wer dachte, um 21 Uhr ins Bett zu gehen sei schon früh, der sollte jetzt nicht weiterlesen. Der gestrige Tag endete um 20.30 Uhr mit sofortigem Einschlafen. Umso erstaunlicher, dass die ersten Reiseteilnehmer “erst” um 6.30 Uhr aufstanden. Gemächlich startete der Tag in Coco’s Café, in dem es endlich auch mal ein normaleres Frühstück als nur süße Stücke gab. Ein herrliches homemade Granola mit Joghurt war schon mal ein super Anfang. Dass der Tag nur noch besser werden konnte, ahnte zu dem Zeitpunkt noch niemand.
Der Tagesplan sah vor, zunächst den Maligne Lake im Jasper Nationalpark zu besuchen, der ungefähr 40 Kilometer entfernt war. Dieser war auch eine Empfehlung des am Vorabend getroffenen kanadischen Paares aus Jasper. Auf dem Rückweg sollten zuerst der Medicine Lake und anschließend der Annette Lake auf dem Programm stehen.
Die Route führte recht schnell inmitten eines Tannenwaldes bergauf. Erstaunlich war, dass nur sehr wenige andere Autos auf der Strecke waren. Das war man auf der bisherigen Reise so nicht gewohnt. Nach einigen Kurven war in der Ferne ein haltendes Auto auf der Straße zu erkennen und, wenn man genau hinsah, auch ein Tier. Langsam darauf zu fahrend, konnte man einen kleinen Schwarzbären erkennen, der auf der Straße lief. Das andere Auto fuhr weiter und überließ den Bären, der bereits in den grasigen Seitestreifen abgebogen war, den nächsten. Fleißig wurde versucht, Fotos aus dem Auto heraus zu machen, auf denen man auch einen Bär erkennen konnte. Da der Fahrer bisher gleichzeitig der Kameramann und auch Wildlife-Ausschauhalter war, mussten die Jobs neu vergeben werden. Daher wurde kurzerhand ein Fahrerwechsel vollzogen.

Mit der Kamera in der Hand bewaffnet ging es weiter. Keine fünf Minuten später sah man erneut ein Auto auf der Straße anhalten. Einige hundert Meter entfernt wurde die Geschwindigkeit im Auto gedrosselt. In diesem Moment kam von rechts, etwas erhöht, wieder ein Schwarzbär aus dem Wald. Dieses Mal ein deutlich größeres Tier als noch zuvor. Der Warnblinker wurde gesetzt und fotografiert. Es dauerte nicht lange, da hatte sich eine “Bärenschlange” gebildet, die sich der Beobachtung anschließen wollte. Zunächst war er auf 6 Meter entfernt vom Auto. Dies war für den ein oder anderen Insassen schon “zu nah” und “zu gefährlich”, sodass er meinte, das Beifahrerfenster hochzufahren. Es blieb beim Versuch. Einige Zeit verbrachte der Bär am Straßenrand und kam dem Auto dann bis auf 3 Meter nahe. Und ehe man sich versah, schlenderte er ganz gemütlich zwischen den inzwischen zahlreichen Autos über die Straße auf die andere Seite des Waldes.

Überglücklich konnte die Reisegruppe ihre Fahrt fortsetzen. Auf dem Beifahrersitz machte sich die “Bärengier” breit, dass ja noch gar kein Grizzly dabei war. Doch auch dieser Wunsch sollte nicht unerfüllt bleiben. Nur zehn Minuten später war wieder ein Auto mit Warnblinker zu sehen. Dieses Mal beobachtete es einen riesigen, braunen Grizzly, der auf einer Böschung entlang ging. Und wieder einmal war das Glück bei der Reisegruppe, denn der Bär bewegte sich genau auf Höhe des Autos. Wahnsinnig mächtig trottete der große Kerl auf der Anhöhe, ehe er im Wald verschwand. Das wird wohl das Foto des Urlaubs gewesen sein.
Noch glücklicher als sowieso schon ging es als weiter Richtung Maligne Lake. Auf dem Weg dorthin konnte man sogar nochmal einen Weiskopfseeadler über einem See kreisen sehen. Am Maligne Lake angekommen, wurde das Auto geparkt. Ein kleines Restaurant sowie ein Souveniershop waren direkt am See. Außerdem konnte man eine Tour mit dem Boot machen. Zumindest wenn man Lust darauf hat. Der Maligne Lake ist mit 22 Kilometern der längste See in den Rocky Mountains. Da die Sonne inzwischen auch mal raus kam, einfach schön. Manch ein Reiseteilnehmer traute sich jedoch kaum, ein paar Schritte um den See zu machen, vor lauter Angst, einem Bären zu begegnen. Da gab es schon Fata Morganas in Bärengestalt. Bei einem Kaffee konnte dann auf der bärengeschützten Terrasse die Sonne genossen werden.
Kurz vor einem Sonnenbrand wurde die Rückfahrt angetreten. Die Reisegruppe entschied sich einstimmig, erstmals in diesem Urlaub unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit zu bleiben, um so einen besseren Blick abseits der Straße zu haben. Schließlich waren drei Bären noch nicht genug. Einige Zeit später war es dann auch soweit. “Stoooooop, Bär”, war das Signal. Nochmal ein eigens entdeckter Schwarzbär, der sich seinen Weg durch das Gras bahnte. Leider verschwand er relativ schnell wieder. Nach einem kurzen Halt am Medicine Lake sollte eine Toilettenrast eingelegt werden. Kurz vorher hieß es erneut “Stoooooop, Tier”. Dieses Mal handelte es sich um einen riesigen Elch, der im Dickicht stand und frass. Leider konnte man nicht so wahnsinnig viel sehen, da der gute Kerl sich entschied, im Liegen weiterzufressen.
Der Toilettenstop wurde am Maligne Canyon eingelegt. Dabei stellte sich heraus, dass qder Canyon ziemlich cool und interessant war. Also wurden auch hier noch ein paar Erinnerungsfotos geschossen, ehe es weiter ging. Kurz vor dem Ausgang aus dem abgelegenen Teil des Nationalparks kam es zu einem erneuten und damit auch letzten Highlight des Tages. Wieder stand ein haltendes Auto auf der Straße und beobachtete. Man musste Geduld haben und abwarten, bis sich ein kleinerer Grizzly auf einer Böschung zeigte. Und kurze Zeit später folgte ihm ein kleinerer Grizzly. Eine Mutter mit ihrem Jungen spazierte hier umher. Leider sah man auch hier nicht wahnsinnig viel von den beiden, da das Gras so hoch war und die beiden nicht unbedingt Lust auf Zuschauer hatten. Während der Beobachtung reihten sich immer mehr Autos und sogar Busse in die Traube ein. Ein absolutes Spektakel für alle. Immer wieder sah man die beiden, wenn auch weit weg, hintereinander her laufen. Das absolute Highlight. Zwischendurch hüpfte noch eine Elchkuh vor die Linse – das sollte es dann an Wildlfe für diesen Tag gewesen sein.

Ein Abstecher ging noch zum Lake Annette, der ebenfalls gestern empfohlen wurde. Dort badeten die Einheimischen sogar, während andere in ihren dicken Jacken umher liefen. Damit ging ein wahnsinnig toller und tierreicher Tag zu Ende.
