Da sind wir nun. Im Bako Nationalpark, dem ältesten und kleinsten Nationalpark Sarawak. Inmitten von Affen, Bartschweinen, Krokodilen und Insekten. Eine wahnsinnige Geräuschkulisse. Wie im Urwald eben.
Die Anreise verlief schon typisch asiatisch. Um 7 Uhr sollte der Bus am Busbahnhof abfahren. Da wir etwas Verspätung hatten kamen wir ganz abgehetzt am Bahnhof an. Außer einer weiteren Deutschen war niemand, erst recht kein Bus in Sicht. Zwischenzeitlich bot sich ein Minivanfahrer an, uns zum Nationalpark zu fahren. Schließlich komme der Bus erst um 9. Wir lehnten dankend ab und nahmen den Linienbus um 8 Uhr. Die Einheimischen drängelten sich an uns vorbei in den Bus und schnappten sich die Plätze in der ersten Reihe. Scheinbar sitzen die coolen Leute auf Borneo vorne statt hinten im Bus. Einheimische müssen auch weniger zahlen als Ausländer, Sauerei.
Nach 45minütiger Fahrt erreichten wir Bako Kampung, den Hafen, von dem aus es mit einem Speedboot weiterging. Kaum aus dem Bus ausgestiegen schleusten einen die gerissenen Einheimischen direkt zum Ticketschalter. Schließlich möchte ja jeder täglich so viele Touris wie nur möglich befördern. Also schrieben wir uns auf eine Liste und mussten nochmals für das Ticket zum Nationalpark anstehen. Die restliche Besatzung unseres Boots war bereits mit dieser Prozedur fertig und warf uns Todesblicke zu, weil es bei uns so lang dauerte. Nach ungefähr einer halben Stunde hatte es der entspannte Ticketverkäufer geschafft und wir konnten mit dem Kapitän Richtung Boot laufen. Die Übernachtung im Nationalpark hatten wir schon vor Wochen gebucht, da die wenigen Unterkünfte sehr schnell ausgebucht sind. Auf dem Weg zum Boot fragten uns die anderen ernsthaft, ob wir hier am Schalter erst unsere Unterkunft gebucht hätten (scheinbar hatte sie die Warterei ziemlich genervt).

Unser Boot legte nicht wie alle anderen am Hafen direkt ab, sondern über einen Hinterhof gelangten wir zu einem Sondereinstieg, an dem es deutlich schneller ging. Mit Rettungswesten ausgerüstet (im Wasser soll es Krokodile geben) düsten wir los Richtung Nationalpark. Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Einstieg in den Nationalpark. Unser Kapitän sagte uns, er hole uns am nächsten Nachmittag wieder ab. Gut, dass hier alle Einheimischen sehr ähnlich aussehen und wir keine Ahnung haben, wie wir ihn je wieder finden sollen.

So touristisch wie heute habe ich mich noch nie gefühlt. Wanderhose mit Zip, Wanderstiefel, Sonnenhut, Sonnencreme, Moskitospray und Wanderrucksack. Richtiger Knaller. Da wir erst um 14 Uhr einchecken durften, wir unsere erste Wanderung allerdings direkt nach Ankunft um 10 Uhr starten wollten, musste das Gepäck wohl oder übel durch den Urwald getragen werden. Bei gefühlten 45 Grad gar kein Problem. Am Headquarter des Nationalparks musste man sich zunächst registrieren und anschließend in ein Buch eintragen, welchen Weg man nimmt und um wieviel Uhr die Route angetreten wird. Bei der Rückkehr muss man sich dann wieder austragen. Das erste Dschungeltier entdeckten wir direkt am Headquarter: ganz gemütlich bewegte sich ein Bartschwein auf und ab. Es ist in etwa vergleichbar mit einem Wildschwein, aber schätzungsweise nicht halb so gefährlich.


Bei brütender Hitze und mit reichlich Gepäck auf dem Rücken entschieden wir uns für eine 1,5 stündige Strecke, bei der die Chancen gut stehen sollten, Nasenaffen zu entdecken. Da dies sowieso unser großer Wunsch war, ging es direkt auf diese Route. Steil bergauf über Wurzeln, Steine und Baumstämme ging es durch den Dschungel. Innerhalb kürzester Zeit war alles nass, so sehr lief der Schweiß. Man kann gar nicht so viel trinken, wie wieder ausgeschwitzt wird.


Zunächst entdeckten wir nicht viel Tierisches. Bis auf einen riesigen Tausendfüßler war nichts zu sehen. Doch dann hatten wir Glück. Ganz hoch in den Bäumen waren Affen zu sehen. Nur mit dem Objektiv der Kamera war die riesige Nase zu erkennen. Jackpot, ein Nasenaffe. Immer wieder bewegten sie sich und die fotografierende Menschenmasse unter ihnen mit.
Während wir uns vor dieser Entdeckung immer nur mit Blick nach unten fort bewegt haben, schaute der Kopf fortan nur noch nach oben, um nach großen Nasen Ausschau zu halten. Doch so richtig aus nächster Nähe war die Entdeckung nun auch nicht. Unser Weg führte uns weiter bis an einen Strand. Hier war der Endpunkt unserer Wanderung. Nach kurzer Pause ging es denselben Weg wieder zurück.

Völlig durchnässt erreichten wir das Headquarter und stürzten uns aufs Büfett. Das Headquarter ist der einzige Ort, an dem es Essen und Getränke im Park gibt. Entsprechend zentrieren sich die Touris dort. Das Büfett war für meinen Geschmack nichts, außer trockenem Reis und etwas Gemüse war nichts Brauchbares dabei. Bei 40 Grad sieht aber wohl jedes Essen irgendwann nicht mehr gut aus…
Um 14 Uhr konnten wir endlich unser Zimmer beziehen. Vier einfache Betten, eher Pritsche, und ein Schrank waren im Raum. Nicht zu vergessen der Ventilator. Im Nebenzimmer war das Bad, ganz untypisch nicht in Duschklobadvariante, sondern Dusche und Klo sogar getrennt. Problem an der Sache: Das Bad ist nach Außen hin offen. Macht man bei Dunkelheit also Licht im Bad, fühlen sich sämtliche Dschungelinsekten eingeladen. Doch mit diesem Problem sollten wir uns erst später auseinandersetzen.

Zunächst wollten wir einen zweiten Weg ablaufen. Dieser war deutlich kürzer ausgeschildert, hatte es aber um einiges mehr in sich. Wir liefen permanent bergauf, kletterten über abgestüzte Bäume und stiegen auf Leitern. Bei den Temperaturen natürlich wieder sehr schweißtreibend. Über den Tag verteilt hatten wir jeder gut 6 Liter Wasser getrunken. Am Ende des Weges kam man auf einer Aussichtsplattform raus, die einen schönen Blick über den Strand bot. Da sich jedoch ein Unwetter anbahnte, drehten wir schnell wieder um. Fehlalarm.

Am Headquarter angekommen sahen wir zahlreiche Besucher wild mit Kameras um einen Baum rennen. Scheinbar hatte sich ein Nasenaffe in der Baumkronen niedergelassen. Also betrieben wir das „Such den Affe“ – Spiel mit. Und siehe da, wir entdeckten mehrere Affen im Baum. Glücklich, endlich einen Nasenaffen in näherer Entfernung entdeckt zu haben, ging es zum Abendessen. Siehe da, es gab Reis mit Gemüse. Um 20 Uhr startete der Night Walk für alle Interessierten. Mit langer Hose und langem Oberteil sowie Taschenlampe sollte man ausgerüstet sein. Der Gag an der Sache: die Ranger hatten kurze Hosen, T-Shirts und Sandalen an. Und auch das Moskitospray durfte natürlich nicht fehlen. Schließlich werden die Viecher erst abends so richtig aktiv.
Begleitet wurde unsere Gruppe von vier Rangern. Gleich neben den Schlafräumen zeigten sie uns eine giftige Bambusotter. Sehr beruhigend, wenn man weiß, dass das Badezimmer offen ist. Weiter ging es rund um das Camp, einem flachen Wanderwege entlang. Wie wild leuchteten sie mit ihren Taschenlampen ins Dunkle. Am Wasser zeigten sie uns die Glühwürmchen – die aber lange nicht so beeindruckend waren wie der wahnsinnig tolle Sternenhimmel über uns. Wir bekamen ziemlich viele große Spinnen zu sehen (auch sehr beruhigend), Frösche, Leuchtfische und sonstige Insekten. Leider konnten keine Gleitflieger, ähnlich wie Fledermäuse nur deutlich größer, gefunden werden. Mit dem Wissen, dass ziemlich viele giftige Tiere in nächster Nähe zum Badezimmer wohnen ging es Richtung Zimmer.


Mit der Taschenlampe begutachtete ich die Sauberkeit meines Bettes: es lässt sich darüber diskutieren, ob es eine gute Idee war. Auf jedem der vier Betten liefen Miniameisen. Und da hört der Spaß definitiv auf. Nachdem ich das Bett mit den wenigsten Krabbeltieren ausfindig gemacht und alle sichtbaren vernichtet hatte, baute ich mir einen Thron aus Handtüchern, zog mir mein Gesichtsmoskitonetz über und verstopfte mit Ohrstöpseln den Ameisen den Zugang in mein Ohr. Perfekt gerüstet für die Nacht musste ich jetzt nur noch den Gang ins Bad hinter mich bringen. Mit Stirnlampe bewaffnet schlichen wir uns zu zweit ins Bad, auf der Suche nach Schlangen, Spinnen oder sonstigem. Doch die Luft war rein und der Abendroutine stand nichts mehr im Wege. Die Nacht war heiß, kurz und von Angst über Insekten geprägt. Wir wollten am nächsten Morgen früh starten, um vor den Touristenbooten und der glühenden Hitze im Wald zu sein. Leider gab es erst ab 7.30 Uhr Frühstück, weshalb es schon wieder relativ schnell warm wurde. Inzwischen zeigte sich auch die Ausbeute der letzten Nacht: der ganze Körper juckte vor Dutzenden von Moskito Stichen. Das „Frühstück“ war absolut nicht nach meinem Geschmack. Es gab quasi dasselbe wie zu jeder Mahlzeit. Ein Teller trockener Reis am Morgen sorgt natürlich nicht unbedingt für gute Laune. Doch die sollte schon schnell zurückkehren.
Auf dem Weg zurück zum Bungalow hörten wir laute Schläge und Rascheln in den Bäumen. Ein Blick nach oben genügte – Affen! Eine Nasenaffen Familie aus fünf Affen saß gemütlich in den Bäumen und snackte Blätter. Immer wieder schwangen sie sich von Baum zu Baum und fielen manchmal auch einfach runter. Immer wieder hüpfen sie auf das Wellblechdach der Bungalows und hatten offensichtlich riesigen Spaß. Unsere Chance, sie endlich hautnah zu erleben. Interessant war, dass sie sich immer im Rudel fortbewegen und auch immer die gleiche Strecke. Daher mussten wir nur schauen, wohin der erste Affe kletterte, um die Route aller zu kennen. So verfolgten wir das Spektakel über mehrere Bäume hinweg und hatten das Riesenglück, dass sich die Herde kurzzeitig vom Baum löste und ein paar Meter am Strand entlang rannte. Wir brachten uns in Position und siehe da, der Obernasenaffe rannte uns direkt vor die Linse. Absolut beeindruckend.



Überglücklich, wenn auch später als geplant, legten wir mit einem weiteren Wanderweg los. Dieser sollte 1,5h dauern und 2,6km lang sein, alles Oneway. Es ging natürlich wieder nur bergauf. Innerhalb fünf Minuten waren wir komplett nass. Duschen lohnt sich hier wirklich nicht. Oben angekommen ging es ein langes Stück in der prallen Sonne. Kaum aushaltbar. Immer wieder legten wir Pausen ein. Schließlich ging es wieder bergab. Das Ziel sollte ein Strand sein. Doch wo es bergab geht geht es später wieder bergauf. Und die Sonne brannte wie verrückt. Nach kurzer Diskussion fassten 50 Prozent der Reisegruppe den Entschluss, umkehren zu wollen. Die anderen 50 Prozent schlossen sich etwas enttäuscht an. Auch auf dem Rückweg begegnete uns nochmals eine Herde Nasenaffen, allerdings zu schnell für unsere Linse. Am Headquarter angekommen mussten die Tanks erstmal aufgefüllt und der Elektrolyhaushalt aufgepeppt werden. Zum Mittagessen: Reis mit Gemüse, juhu.
Eine absolute Wohltat, endlich aus den warmen Wanderstiefeln zu kommen. Die geschwollenen Fersen dankten es ebenfalls. Um 14 Uhr wollten wir das Boot zurück nehmen. Da zu diesem Zeitpunkt Ebbe war, konnten die Speedboote nicht an der Anlegestation anhalten. Im seichten Wasser warteten sie auf die Passagiere. Leider war das Boot, mit dem wir gekommen waren, nicht vor Ort. Genauer gesagt waren wir die Einzigen, die kein Boot hatten. Freundlicherweise nahm uns ein anderes Boot etwas widerwillig mit.
Am Hafen angekommen ging es nach langem Warten mit dem Bus zurück nach Kuching. Dort bezogen wir direkt ein neues Hotel, das uns deutlich besser gefällt als das zuvor. Zwar ist das Zimmer winzig (beide Koffer können nicht gleichzeitig geöffnet werden) und ein Fenster gibt es auch nicht, dennoch hat es deutlich mehr Flair als das andere. Und das Wichtigste: Frühstück inbegriffen.