Mitten im Nirgendwo

Weil die ersten Reiseteilnehmer gestern bereits um 20.45 Uhr erschöpft ins Bett fielen, während andere sich mit einem Wein noch die Sterne ansahen, konnte es heute auch entsprechend früh losgehen. Schließlich stand die längste Etappe der Reise bevor. Noch vor Sonnenaufgang klingelte der Wecker und es ging auf 6.30 Uhr zum Frühstück. Bei einem herrlichen Sonnenaufgang über dem Canyon schmeckten die Spiegeleier und Pancakes besonders gut.

Nachdem das Auto geladen, das Zimmer ausgecheckt und das Lunchpaket übergeben wurde, konnte es um 7.50 Uhr los gehen. Die ganze holprige „40km/h-Strecke“ und die darauffolgende Schotterpiste zurück. Und ab dann nochmal ein kurzes Stück Teer, bis es wieder auf die Schotterpiste geht. In Summe dann ca. 350 km. Klingt wenig, ist bei den Straßenverhältnissen allerdings sehr viel. Angepeilt waren 7-8 Stunden Fahrt. Der bewährte 40kmh-Experte nahm hinter dem Steuer Platz und steuerte das kleine Gefährt sicher durch die steinigen, kurvigen und holprigen Straßen. Die Rückfahrt verlief deutlich schneller als die Hinfahrt. Bloß nicht übermütig werden, würde der Beifahrer sagen. Der Endgegner der 40km/h-Strecke war ein Berg mit gefühlt 80%-Steigung ohne vernünftigen Untergrund. Auf zwei Steinplatten musste man ausbalancieren, ohne dabei den Abhang hinunter zu rutschen. Ob der kleine Wagen das wohl packt? Long Story Short: es hat geklappt.

Auch die darauffolgenden Schotterpiste konnte schneller als noch vor zwei Tagen bewältigt werden. Immer wieder sah man Ziegenherden am Wegrand, oftmals mit einem Ziegenhirte. Wo auch immer die hingehen und vor allem, was auch immer die da essen? Wenn man nicht gerade an einer Ziegenherde oder Kühe vorbeifährt, liegen immer wieder kaputte Reifen am Wegesrand. Scheint wohl keine Seltenheit zu sein, dass da mal was kaputt geht. Kein Wunder, bei den Straßen. Deshalb ist auch maximal 80km/h erlaubt. Ein kluger Mensch gab uns einmal den Rat, einfach möglichst schnell zu fahren, um über die Schlaglöcher zu gleiten. Da scheint was dran zu sein.

Erstmals hatte sich die Reisegruppe ein Lunchpaket aus der Unterkunft geben lassen. Sehr zur Freude aller.

Da der Tank seit Keetmans nicht mehr gefüllt wurde, war es ein großes Anliegen, das nun nachzuholen. Frei nach der Devise: immer tanken, wenns geht. Denn es ist nicht sicher, dass jede der raren Tankstellen auch was zu verkaufen hat. So verwies die erste angepeilte Tankstelle in Bethanie darauf, dass sie kein Benzin habe und heute auch keines mehr bekomme. Was auch immer die ganzen Angestellten dann heute den ganzen Tag machen.

Deshalb ging es weiter auf der Fahrt in der Hoffnung, dass die zweite Tankstelle in Helmeringhausen was zu bieten hatte. Und siehe da, der Ort war auch deutlich angenehmer als Bethanie. Niemand, der herumlungerte und bettelte, sondern ein gepflegter 4-Häuser-Ort. Und Benzin gabs sogar auch noch. Also all in.

Ab dann ging es auf die berühmt berüchtigte „C27“ Richtung Sesriem. Die Landschaft veränderte sich gefühlt alle 10 Minuten. Von Büschen und Steinen über Bäume, Felsen und Sand. Alles dabei. Besonders gut war die Straße zeitweise nicht, allerdings hatten wir bereits bei unserer Anfahrt zur Bagatelle Lodge ähnliche Verhältnisse, ebenso wie zur Fish River Lodge.

Nun wurde es deutlich sandiger und windiger. Bereits vor ein paar Tagen sagte uns ein Touri, dass es Richtung Sesriem starke Sandstürme gegeben habe und auch weiter geben werde. Als Sturm würden wir es nicht bezeichnen, aber es ging schon gut ab. Immer wieder bildeten sich kleine Sandwirbelstürme, die über die Landschaft jagten. Fenster aufmachen ist da eher keine so gute Idee. Ein Glück gibt es hier so gute Sanifair-Einrichtungen. Wäre schlimm, wenn man sich unter den Bedingungen ein stilles Örtchen suchen müsste. Kurzzeitig herrschte helle Aufregung im Auto: hatte einer der Reiseteilnehmer einen Löwen entdeckt. Ganz aufgeregt steuerte der Fahrer besagten Löwe an. Dieser entpuppte sich jedoch als großes Vogelnest auf einem Baum. Absolute Fake News. Verlassen kann man sich bei diesem Reiseteilnehmer nur auf das Spotten von Vogelstraußen. Darin ist er Experte.

Um 15 Uhr war es dann endlich soweit. Kein Rutschen mehr auf Sand, kein holpriges Rillenüberfahren und keine Sandstürme vor der Windschutzscheibe. Willkommen in der Green Fire Desert Lodge.

Nach 7 Kilometern Sand driften stand man endlich vor der Lodge. Auch wenn sich erst keiner so sicher war, ob man hier richtig war. Sah es doch eher wie ein Wohnhaus als eine Lodge aus. Doch das Schild bestätigte die Annahme. Ein freundliches älteres Paar begrüßte die Reisegruppe im Office und erzählte, dass sie die einzige Gruppe für die heutige Übernachtung sei. Von einem Ranger wurde man zur Lodge gebracht. Einige Sandhügel weiter entfernt, abgelegen mitten im Nichts. Mit Pool, Aufenthaltsraum, 6 Zimmern – und das alles nur für uns. Am Wasserloch vor unserer Lodge tankten sogar noch drei Clipspringer Wasser.

Um 17 Uhr ging es mit unserem Ranger Eric auf Safari – diese war scheinbar schon bei der Übernachtung inbegriffen. Da wir die einzige Reisegruppe des heutigen Tages waren, ging es auch exklusiv mit dem Guide alleine los. In einem offenen Van ging es über Sand bis zum Music Mountain – einem aus großen Steinen bestehenden Berg, der sich dadurch auszeichnet, dass jeder Stein musikalische Geräusche von sich gibt, wenn man dagegen schlägt. Unser Guide demonstrierte dies direkt, kletterte auf den Hügel und schlug mit einem zweiten Stein gegen die Brocken. Vom Plateau aus hatte man eine gigantische Sicht auf die Namib Wüste.

Weiter ging es vorbei am Schokoladenberg (einem Berg aus schwarzem Stein) hin zum Sundowner Spot. Dieser lag mitten auf einer Sanddüne. Eric hatte extra einen Stab dabei, sollte sich eine Schlange der Reisegruppe nähern. Und dann gab es das allabendliche Getränk zum Sonnenuntergang. Hier in der Wüste nochmal ganz anders und besonderer. Was alle Sonnenuntergänge hier gemeinsam haben: sie sind traumhaft schön. Nirgendwo geht die Sonne so schön auf und unter wie in Afrika.

Sobald die Sonne weg war kühlte es schnell ab. Auf dem Rückweg lief dann noch ein Kudu im Sand herum.

Zurück an der Lodge stellte die Reisegruppe fest, dass extra zwei Köchinnen für sie kochen. In einem großen Gemeinschaftsraum, in dem sonst alle Besucher zusammen essen, gab es nur zwei Platzgedecke. Die beiden Damen werkelten fleißig in der Küche umher. Und der Zeitplan war straff. Manch einer sprach von Druckbetankung:

18.30 Uhr: Begrüßung und Salatplatte
18.35 Uhr: Tomatensuppe (aus der Tüte)
18.40 Uhr: Hauptgang (Fisch oder Fleisch mit Kartoffel, Karotten und Kraut)
18.55 Uhr: Nachtisch (Schokoberg)
18.59 Uhr: Die Crew verlässt mit heißem Reifen die Lodge

Da die Reisegruppe extrem müde von der langen Fahrt war, gönnte sie sich erst noch eine kalte Dusche, ehe es ins Bett ging.