Das Meer trifft die Wüste

Die Nacht in der von uns liebevoll getauften „Ranzbude“ wurde sehr unterschiedlich bewertet. Die einen schliefen wie ein Stein während die anderen über den schnarchenden Nachbar (Achtung, nicht aus dem selben Zimmer!) schimpften. Dabei war das Schnarchen gar nicht so das Problem, sondern eher der Schlafkomfort mit den Ohrenstöpsel. Lag man auf der linken Seite, so drückte der Ohrenstöpsel des linken Ohrs, sodass an Schlaf nicht mehr zu denken war. Abhilfe schaffte hier eine ruckartige Wende auf die rechte Seite. Doch nun drückte auf einmal der Ohrstöpsel des rechten Ohres. Eine erneute Wende löste hier das Problem. Ein nicht endendes Spiel, welches den Einschlafprozess extrem verzögerte.

Aber wir wollen der Ranzbude auch kein Unrecht antun, schließlich war sie im Vergleich zu unseren anderen Unterkünften in zwei Kategorien unschlagbar. Namentlich „Internet“ und „warmes Wasser“.

Entsprechend des Komforts der Ranzbude war auch das gebuchte Frühstück. Dieses gab es einfach nicht. Gu, dass der Oberfuchs der Gruppe auf eine zweite Einkaufsrunde am Vortag gepocht hatte. Wir waren vorbereitet und ein bescheidenes Frühstück im Stehen bereitete uns auf den anstehenden Ausflug vor. In einer guten halben Stunde fuhren wir von Swakopmund nach Walvis Bay. Dort trafen wir uns auf einem Parkplatz mit unserem Guide Leon. Neben Leon trafen wir auf dem Parkplatz auch das erste mal auf einen sogenannten namibischen „Car Guard“, einen Fahrzeug Wächter, ein recht ausgeklügeltes Sicherheitskonzept. Der Fahrzeugwächter ist so freundlich und passt während unserer Abwesenheit auf unserer Fahrzeug auf. Natürlich auf Spendenbasis und vollkommen freiwillig. Da uns unser Landcruiser lieb ist, spendete wir gerne 20 namibische Dollar. Recht schnell bekamen wir den freundlichen Hinweis, dass bei einer längeren Abwesenheit üblicherweise 50 Dollar gespendet werden. Wir einigten uns darauf, den Restbetrag bei unser Rückkehr zu begleichen.

Wie so oft ging unser Plan auf. Wir waren so überpünktlich am Parkplatz, sodass wir in aller Ruhe den besten Reiseplatz reservieren konnten. Nach der Erfahrung im Restaurant gestern, wollten wir uns eine zweite Seekrankheit einfach nicht leisten.

Vor dem Ausflug wurden die Wanderschuhe noch einmal festgebunden.                      
Nur der frühe Vogel fängt den Wurm. Die besten Plätze waren schon lange vor Abfahrt besetzt.

Mit insgesamt vier Autos fuhren wir los. Bei uns im Auto saß noch eine Reisegruppe aus Kenia, welche mit dem Bus über Tanzania, Sambia und Botswana angereist war. In etwas über knapp zwei Wochen versteht sich. Entsprechend groß war die Verwirrung, dass wir in zwei Wochen lediglich Namibia besichtigen. Kaum losgefahren konnte unser Panini Sammelalbum direkt um zwei weitere Karten erweitert werden.

Robby, die Robbe.
Der Pelikan.

Aufgrund seiner strategischen Lage war Walvis Bay selbst nach der Unabhängigkeit Namibias im Jahr 1990 noch einige Zeit besetztes Gebiet von Südafrika. An der ehemaligen Grenze hielten wir für einen kurzen Fotostop an.

Der Eingang vom Namib Naukluft Park.
Neben der Grenze konnte auch unsere erste offizielle Buschtoilette besichtigt werden.

Kaum im Park angekommen erschloss es sich uns auch, weshalb eine Besichtigung ohne lokalen Fahrer nicht erlaubt ist. Wir fuhren zwischen Dünen, Fels und Meer, teilweise in ordentlich Schräglage die „Straße“ entlang. Der Weg ist auch nur bei Ebbe passierbar, da er bei Flut schlichtweg nicht existiert.

Sandwich Harbour Panorma Straße.

Etwas verschätzt hatten wir uns mit dem Wetter. Bis jetzt dachten wir: „Wüste nachts = kalt“ und „Wüste tagsüber = heiß“. Aber scheinbar sind die Regeln nicht ganz so einfach, es war verdammt kalt. Deswegen wurde alles, was wir bisher in unserem Tagesrucksack spazieren getragen hatten, auch angezogen.

Die kurze Hose war für die Wüste nicht die beste Wahl.

Ziel des heutigen Ausflugs war Sandwich Harbour, eine ca. 10km lange Lagune südlich von Walvis Bay. Hier treffen die Sanddünen der Namib Wüste auf die Wellen des atlantischen Ozeans. Es ist eine atemberaubende Landschaft, die wohl sonst nirgends zu finden ist.

Der erste Aussichtspunkt verschlug uns die Sprache.

Nach der Küstenpassage ging es mit sehr viel Schwung die Dünen hinauf. Immer wieder hielten wir an und durften aussteigen, um die extrem beeindruckende und gegensätzliche Landschaft zu bestaunen. Die Fahrt auf den Dünen stellte sich als Harakiri Achterbahnfahrt heraus. Auch hier prallten bei den Gesichtsausdrücken von Fahrer und Beifahrer die Gegensätze aufeinander. Einer von beiden bekam sein Dauergrinsen gar nicht mehr abgeschaltet.

Jetzt nahmen wir tatsächlich ungewollt an einer Ralley teil.
Auf den rießigen Sanddünen wirkten die Fahrzeuge wie Spielzeugautos.
Der Kodak Point bei Sandwich Harbour.

Nach dem letzten Aussichtspunkt bauten unsere vier Guides noch ein kleines Picknick für die ganze Gruppe auf. Hier zeichnete sich schon ein kleines Drama ab. Scheinbar wurde nur ein vegetarisches Essen angemeldet, vor Ort waren auf einmal aber vier Vegetarier anwesend. Und das, wo es Vegetarier bei der namibischen Küche doch sowieso schon so schwer haben…

Die Guides bauen das Essen auf, die erste hungrige Hyäne ist schon in Lauerstellung.
Jahrelange Drängelübung bei der U-Bahn zahlt sich schließlich aus, die vegetarische Platte konnte ergattert werden.
Neben Essen wurde natürlich auch für kalte Getränke gesorgt.

Pünktlich zum Essen kam dann endlich auch die Sonne raus. Alle Teilnehmer freuten sich und wärmten sich etwas auf.

Ausgeklügelte Technik, durch die ausgespreizten Handflächen kann mehr Wärme aufgenommen werden.

Nach ca. 5 Stunden wurden wir wieder am Parkplatz in Walvis Bay abgeliefert. Wir waren sehr begeistert, der Ausflug hat sich mehr als gelohnt. Kaum hatten wir unser Auto erreicht, erkundigte sich auch prompt der Fahrzeugwächter wie der Ausflug war. Er hatte uns natürlich nicht vergessen.

Zurück in der Ranzbude in Swakopmund bzw. „Swakop“, wie die Einheimischen sagen, wurden bei Teilen der Gruppe erst einmal ein paar Kleiderschichten nachgelegt. Was andere zum Skifahren anziehen, wurde nun für Afrika getragen.

Danach stapften wir los, und schauten uns die Stadt an. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges war Swakopmund der wichtigste Hafen der deutschen Kolonie Deutsch-Südwestafrika. Die deutsche Geschichte der Stadt ist an nahezu jeder Straßenecke immernoch sichtbar.

Besonders gut gefallen hat uns die Promenade rund um den Leuchtturm. Nette Restaurants, Palmen und ein Strand laden zum Flanieren ein.

Unterhemd, Funktionsoberteil, T-Shirt, Pulli und Jacke.

Zurück in der Unterkunft galt es noch ein paar organisatorische Dinge zu erledigen: Die T-Shirt- und Socken-Inspektion. Ein Reiseteilnehmer hat scheinbar nicht ausreichend Socken eingepackt. Für die restlichen Tage muss nun improvisiert werden.

Aus der kleinen Inspektion wurde eine komplette Bestandsaufnahme.

Nach getaner Arbeit ging es dann zum Abendessen. Die Gourmets der Gruppe hatten sich schon vor Tagen ein Gericht aus der Karte herausgesucht, entsprechend groß war die Vorfreude. Die namibische Vorliebe für süße Speisen machten dem Gast hier aber einen Strich durch die Rechnung.

Das Restaurant des Abends, „The Tug“.
Mangels Oryx gab es heute mal Fisch.

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