Der heutige Morgen sollte mit einem extrem guten Frühstück starten. Da die Ranzbude ja kein Frühstück anbot, ging es für die Reisegruppe ins Café Village. Und sie sollte nicht enttäuscht werden. Während die einen „For the Birds“ aßen, gab es für die anderen „Obelix“. Jeder, wie er es mag. Nicht nur das Frühstück war dort gut, sondern auch die Laune der Mitarbeiter. Sie tanzten und sangen zu den Liedern aus dem Radio mit — richtig cool anzusehen.


Anschließend ging es heißen Reifens weg aus der Ranzbude in Richtung Damaraland. Die Fahrt war auf 300 Kilometer ausgelegt. Lange Zeit fuhr man auf der Teerstraße entlang des Meeres. An einem Schiffswrack wurde ein kurzer Halt eingelegt. Und direkt kamen die Einheimischen und wollten irgendwelche komischen Edelsteine verkaufen. Der ein oder andere kann mit dieser Art des Bequatschens nicht so gut umgehen und lässt sich gerne in Gespräche verwickeln. Sehr zur Aufregung der restlichen Reisegruppe.

Mit der Zeit wurde die Straße wieder schlechter. Obwohl man den Namibiern lassen muss, dass sie sich um ihr Straßenverhältnisse bemühen. Entweder sind Planierbagger unterwegs oder, wie im Fall der C35, auch eine neue Teerstraße. Diese durfte man zeitweise auch entlang fetzen. Bis es eine Umleitung auf die „alte C35“ gab. Man fuhr parallel zur frisch geteerten Straße auf holprigem Schotter, ziemlich gemein.
Da ab Swakopmund jede nur mögliche Tankstelle mitgenommen werden sollte, mangels Verfügbarkeiten, wurden zwei Tankstellen während der Fahrt angesteuert. Zwar immer nur mit kleinen Auffüllmengen, aber lieber so, als später auf dem Trockenen zu sitzen. Als besonders vertrauenswürdig im Verlauf der Reise haben sich Shell-Tankstellen herausgestellt. Seriös und ohne großes Belabern.
Zunehmend wurden die Straßenverhältnisse wieder schlechter. Und nicht nur die. Auch die Kulisse, und damit ist nicht die landschaftliche gemeint, veränderte sich. Immer wieder fand man am Straßenrand kleine „Verkaufsstände“ vor, die durch wild winkendes Personal auf sich aufmerksam machen wollten. Soweit noch okay. Skurriler wurde es, als immer wieder Kinder auf die holprigen Staubstraßen liefen und mit leeren Wasserkanistern wedelten. Ein extrem mulmiges Gefühl kam auf. Ist man sich zu schade, durstigen Kindern Wasser auszuhändigen? Oder ist das nur ein Trick, um die Touriautos zum Stehen zu bringen und anschließend um Geld anzubetteln oder mehr? Hier bitte bloß keine Autopanne. Weil im Vorfeld der Reise die Devise war, nie anzuhalten, egal ob bei einem Anhalter oder bei winkenden Kindern, hielten wir uns schweren Herzens daran. Ein extrem ungutes Gefühl bleibt zurück – egal, was die Absicht war.



Im weiteren Verlauf kamen dann auch noch afrikanische Ureinwohner hinzu, die nackt am Straßenrand standen und ebenfalls wild winkend auf sich aufmerksam machen wollten. Und ganz skurril waren die Frauen, die in bunten Kleidern tanzend herbeiwinkten. Da hoffte jeder Reiseteilnehmer, lieber auf einen Wüstenelefanten zu treffen als auf einen winkenden Afrikaner.
Nach 5 Stunden Fahrt war es dann soweit. Die Abzweigung zum Malansrus Tented Camp stand an. Mitten im Nichts tauchten einige Zelte auf. Zeit zu campen! Und das sogenannte Glamping läuft dem ein oder anderen ziemlich gut rein. Auch hier wieder, mitten im Nichts, ein Pool, eine schicke Aufenthaltsarea und eine grandiose Unterkunft.



Zur Begrüßung gab es wieder einmal ein Willkommensgetränk und ein kaltes Handtuch. Herrliche Sache. Mit einem Bollerwagen wurde das Gepäck ins Zelt gefahren. Und darin ist echt alles vorhanden: Dusche, Klo und ein Bett.
Der Besitzer erklärte, dass es im Zimmer eine Notfalltröte gibt, die man dreimal betätigen soll, falls man eine Spinne oder ein Skorpion im Zelt vorfindet. Und bei Nacht dann ebenfalls das Licht anmachen, dass das Hilfe bedürftige Zelt auch identifiziert werden kann. Das lässt ja hoffen.

Mit dieser mega Unterkunft hier sind die beiden Nächte in der Ranzbude schon wieder fast vergessen. Zur Abkühlung ging es noch kurz an den Pool. Dieser sollte „wärmer als alle anderen bisherigen Pools sein“. Fand allerdings nicht jeder.
Um 18.30 Uhr konnte man sich dann vor dem Hauptgebäude einfinden und zum Aperitif am Feuer Platz nehmen. Das ließ sich die Reisegruppe nicht zweimal sagen. Bei zwei herrlichen Kaltgetränken und einem offenen Feuer ging die Sonne hinter dem Berg unter.



Die restlichen Campbesucher sind alle aus Italien. Scheint eine Reisegruppe zu sein. Gute Sache, wenn sich alle kennen. Dann muss man selbst keinen Smalltalk machen.
Um 19.30 Uhr gab es dann Abendessen. Nicht wie angekündigt ein BBQ, sondern wieder drei Gänge. Die beiden Kellnerinnen erklärten das Menü einmal auf Englisch und direkt danach in der namibischen „Klick-Sprache.“ Dafür schnalzen sie mit ihrer Zunge und hängen an verschiedene Wörter eines der vier Klicks an. Hört sich ziemlich witzig an, wenn man zuhört. Als Vorspeise gab es griechischen Salat mit Pesto-Focaccia – extrem lecker. Dann ging es weiter mit Hähnchen und Lamm für die einen und dem absoluten Wüstentier, Fisch, für die anderen. Den Nachtisch musste der ein oder andere leider wieder einmal ausfallen lassen – waren die Essensmengen für die kleineren Mägen immer wieder viel zu groß.

Um 21 Uhr war dann Schicht im Schacht. Mit Handybeleuchtung ging es zurück zum Zelt, wo direkt zwei Spinnen zur Begrüßung auf der Türe saßen. Die professionellen Schädlingsbekämpfer der Reisegruppe nahmen sich dem Problem fachmännisch an und verschafften der Reisegruppe einen spinnenfreien Eintritt. Kaum im Zelt angekommen raschelte es – hat sich ein Tier hinein verirrt? Nein, scheinbar war es nur ein Vogel, der auf dem Zeltdach saß. Gruselig war es trotzdem für manch eine. Das Moskitonetz über dem Bett und die Vorhänge am Zelt waren bereits heruntergelassen worden. Somit sollte einer ruhigen Nacht nichts im Wege stehen. Hoffen wir, dass keiner die Notfalltröte benutzt.
