Dem Urlaubsgefühl entgegen

Die erste Nacht im Camper war so, wie man sie sich wünscht. Mit Platzregen, der genüsslich von außen auf das Camperdach pratzelt. Der Gemütlichkeitsmodus springt dadurch direkt von 0 auf 100. Natürlich erst, nachdem die Schießscharten des Gefährts zugekurbelt wurden. Aber, keine Sorge, die Reisegruppe blieb trocken. Entgegen der vorabendlichen Prognosen konnte sich die Reisegruppe länger in den Federn festtackern als erwartet. So rückte der Trupp erst nach 9 Uhr aus, um in der Kemptener Innenstadt ein Frühstück zu konsumieren. Keine zehn Gehminuten (Profis schaffen es in 5) später fand man sich im nahegelegenen „Dido“ ein, um Panini, Eggs & Bacon sowie ein Croissant zu frühstücken.

Da nicht jeder Teilnehmer der Reisegruppe auch wirklich satt wurde, musste ein kurzer Shoppingstopp im benachbarten Café eingelegt werden. Schließlich sollte ja jeder auf seine Kosten kommen.

Nach einem kleinen, vorhergesagten Kulturbeutelzwischenfall konnte die Reisegruppe ihre Fahrt gen Süden aufnehmen.

Heutiges Etappenziel: Irgendwo Richtung Meran. Den Wünschen mancher Reiseteilnehmer nachkommmend, führte die Route erst über den Fernpass, dann durchs Ötztal und schließlich über Sölden über das Timmelsjoch. Freunde dürfen ihn auch den „Timmel“ nennen. Der Grenzpass zwischen Österreich und Italien liegt auf 2.500m Höhe und liebt ziemlich enge Serpentien. Auf der österreichischen Seite ist die Breite der Straße noch akzeptabel, auf der italienischen grenzwertig. Besonders beliebt scheint die Strecke bei Fahrradfahrern zu sein. Hut ab vor Denjenigen, die sich hier einen Abstrampeln. Und Hut ab vor allen Autofahrern, die die Strampler nicht umfahren.

Immer wieder wird unterwegs vor zaunlosen Kühen gewarnt. Wer dachte, das sei ein Spaß, der täuschte sich. Manch ein Duell hieß Mann gegen Kuh.

Je höher man kam, umso kälter wurde es. Oben angekommmen schälte sich manch ein Teilnehmer der Reisegruppe erstmal aus seinem Sommeroutfit ins Wind- und Wetteroutfit. Schließlich wollte man das Gipfelkreuz des Timmel erklimmen.

Nach einem schnellen Espresso – Kenner sind sich uneinig, ob er österreichisch oder italienisch zu verbuchen war – ging es auf der anderen Seite des Berges wieder hinab.

Die abfahrende Giro d’Italia war hier noch gefährlicher für den Autoverkehr als noch bergauf. Wer sich nicht umsah, wurde in der Kurve von einem Radler geschnitten und überholt. Ebenso sehr beliebt auf der Strecke: Baustellen. Es gibt wohl kaum eine schönere Aussicht für einen Bauarbeiter als hier.

Obwohl der heutige Busfahrer sehr umsichtig in die Serpentienen bremste, blieb eine gewisse Grundanspannung im Camper nicht aus. Manch einer kämpfte mit feuchten Händen und Füßen, da eine gewisse Todesangst nicht ausgeschlossen blieb.

Das inzwischen konkreter ausgerufene Ziel sollte der Campingplatz „Camping Passeier“ nahe Meran sein. Ob man hier allerdings ein Plätzchen bekommmt, sollte sich erst vor Ort entscheiden. Nach insgesamt knapp 4 Stunden wilder Fahrt erreichte der Roadsurfer den auserwählten Campingplatz.

Unter großer Anspannnung versuchte der Busfahrer, in den Campingplatz zu navigieren. Vor lauter Aufregung wurde zunächst der falsche Campingplatz angesteuert. Aber kein Problem: nach einigen Rangiermanövern rutschte der Roadsurfer dann doch noch vor die richtige Rezeption. Ganz glücklich über die Aussage der Rezeptionistin, dass noch Plätze frei waren, musste die Reisegruppe jedoch erstmals eine Begehung der noch verfügbaren Plätze vornehmen. Dazu markierte die Dame alle verfügbaren Plätze mit dem Hinweis: „Lassen Sie sich nicht zu viel Zeit, andere sind gerade auch schon am Besichtigen.“

Also wurde natürlich der schwäbische Turbo eingeschaltet und der Platz in Windeseile gescannt. Ende vom Lied: ein schöner Platz auf der obersten Terrasse des Campingplatzes, umgeben von Apfelplantagen und Weinreben. Hätte schlimmer laufen können. Einziger Wermutstropfen: da einer der letzten freien Plätze bezogen wurde, glänzt dieser dadurch, dass er gefühlt auf der Durchfahrtsstraße der obersten Straße liegt. Alle anderen Nachbarn konnten sich etwas besser an der Seite platzieren. Naja, egal, dann sitzen wir eben halb auf der Straße.

Nachdem das Gefährt gut platziert wurde, gab es erstmal ein Willkommensgetränk. Ein Hoch auf den Kühlschrank, der, obwohl er der Reisegruppe überhaupt nicht gefällt, seinen Job erfüllt und unsere Getränke kühlt. Hipp Hipp Hurra.

Wie schon erwähnt entspricht die diesjährige Ausstattung des Campers nicht der bisher bekannten Roadsurfer Qualität. So lassen auch die Campingstühle in diesem etwas zu wünschen übrig. Als Kriterien wurden von der Reisegruppe sowohl Bequemlichkeit als auch eine fehlende Halterung für Kaltgetränke genannt.

Ein besonderes Highlight des Campingplatzes ist, dass direkt über ihm die Seilbahn auf den Berg hoch führt. Da auf dem Berg eine Hütte an der anderen zu finden ist, wurde bereits der Wunsch von Teilen der Reisegruppe geäußert, eine Hüttentour anzupeilen. Wir werden sehen, ob dies einstimmig beschlossen werden kann.

Im Campingplatz eigenen Restaurant testete die Reisegruppe als Tagesabschluss die ersten Pfifferlinge und Trüffel.

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