Bled sind wir nicht

Sehr zu Beruhigung aller Reiseteilnehmer ist die Nacht trotz starken Gewittern mit Blitz, Donner und ergiebigem Regen sicher von statten gegangen. Kein Camper wurde aufgebrochen, keine zwielichtige Person wurde gesichtet. Alles sehr ruhig. Und das für kleines Geld. In unserer Campingplatz App wurde der Platz damit angepriesen, dass man morgens Brötchen an seinem Camper hängen hätte, die der Geldeintreiber vorbeibringen würde. Teile der Reisegruppe wollten darauf pokern, andere gingen auf Nummer sicher und besorgten in der ljubljanischen Resterampe noch ein Baguette. „Ich schau morgen, was ich esse“, behaupteten einige. Die anderen wussten bereits, wie das Frühstück aussehen würde.

Nach einer erneut kühlen Nacht musste die Reisegruppe erneut mit dem Wecker aufstehen. Schließlich stand einiges auf der Tagesordnung. Doch zunächst ging es ans Frühstück. Ein kurzer Blick vor die Campertür offenbarte, dass die Bewertungen an diesem Morgen nicht zutreffen sollten. Kein Typ auf dem Mofa, keine Brötchen zum Frühstück. Der Königsmoment manch eines Reiseteilnehmers. „Kann ich was vom Baguette ab haben?“. Nach dem Frühstück wurde zusammengepackt und die Abreise vorbereitet.

Durch das sehr verschlafene Ljubljana ging es wieder ein Stück der gestrigen Strecke zurück. Heutiges Zwischenziel: der Bleder See in Bled. Warum der See so bekannt ist? Weil sich mitten im See eine kleine Insel befindet auf der eine Kirche steht. Und, Funfact: das ist die einzige Insel Sloveniens. Der See soll malerisch liegen und in unter 2 Stunden umrundbar sein. Um den Touristenmassen etwas zu entgehen, war eine frühe Anreise nach Bled angepeilt. Um 10 Uhr rollte der Roadsurfer in Bled ein. Was noch nicht ganz geklärt war: wo konnte man das Geschoss parken? Jeder Parkplatz, der angesteuert wurde, wollte keine Wohnmobile beherbergen. Fast schon verzweifelt wurde daher ein verhältnismäßig abgelegener Parkplatz gewählt. Und siehe da: Wohnmobile erlaubt. Für 3 Euro pro Stunde immer noch güngstiger als in Stuttgart. Da die Reisegruppe nicht bled ist, wird dieser Platz genommen. Noch kurz die Schuhfrage geklärt, ehe es in Richtung See losgeht.

Der Einstieg der Reisegruppe war auf Höhe der Burg von Bled. In einem strammen Fußmarsch ging es um den See. Immer wieder gab es kleine Schwimmbuchten, in denen trotz der frühen Tageszeit schon sehr viel los war.

Ungefähr auf der Hälfte der Strecke sollte das Café Belvedere sein, von dem aus man einen herrlichen Blick über den See und die Insel haben sollte. Natürlich wollte man diesen Spot nicht verpassen. Daher war die Reisegruppe sehr fuchsig, um die hinaufführenden Treppen ja nicht zu verpassen.
Oben angekommen – mal wieder sehr anstregend, aber schließlich muss man sich hier ja alles erstmal verdienen, sah es zunächst so aus, als gäbe es keinen Platz mehr. Zumindest keinen Coolen. Doch wer lange genug wartet, wird auch belohnt. In erster Reihe auf der Terrasse ließ es sich gut aushalten.

Die Karte war leider sehr überschaubar. Da einige Teilnehmer der Reisegruppe schon Hunger angemeldet hatten, blieb nur einer der drei Nachtische auf der Karte – mehr gab es nicht. Das am wenigsten Eklige davon war der Bleder Kuchen, eine absolute Spezialität der Region. Ein Vanillepudding-/Sahnekuchen. Es war alternativlos. Und einen Espresso für 4,50 Euro gab es noch dazu. Andere entschieden sich für ein fancy Spaßgetränk, das ihnen natürlich wieder mal nicht schmeckte.

Schnell wurde aus dem Bleder Kuchen allerdings eine kleine Schlachtplatte. Sahne mag keiner. Vanillepudding ist irgendwann zu viel. Eigentlich schmeckte nur der Blätterteig. Aber dafür, dass das Ding nichts konnte, war es zu viel und zu massiv. Daher ging wieder ein kleiner Haufen auf dem Teller zurück. Nach der königlichen Mahlzeit für 20 Euro ging es weiter um den See.

Und schon gab es ein neues Bedürfnis eines Reiseteilnehmers: Hunger. Da das Süßgetränk keine Mahlzeit war, ging die Jagd erneut los, ehe es wieder einmal in den Unterzucker ging.

Die Suche gestaltete sich wieder einmal schwierig. Kein Schuppen war gut genug, keine Speisekarte appetitlich. Daher ging es immer weiter. Bis Bled. Dort erblickte die Reisegruppe einen Italiener. Und sehr zur Verwunderung aller entschied Mann sich für dieses Etablisement. Da nicht alle Teilnehmer der Reisegruppe so großen Hunger hatten, wollte sich der Trupp eine Pizza teilen. Der Besteller hatte absolut freie Hand, was auf den Teller kam. Der einzige Wunsch der restlichen Gruppe: bitte mit Tomatensoße.

Einige Zeit später stellte der Kellner die bestellte Pizza auf den Tisch. Während sich die einen noch wunderten, dass er sie verwechselt haben musste. machten die anderen große Augen. Auf dem Teller lag eine Pizza ohne Tomatensoße, dafür mit umso mehr Käse, fettigem Öl und Knoblauch, der für eine ganze Reisegruppe gereicht hätte. Daher ging die gesamte Pizza an den hungrigen Teil der Reisegruppe.

Da die Pizzen auf den Tellern der anderen Gäste so unverschämt gut aussahen (außer die auf dem eigenen Tisch), entschied sich der noch mit Kuchen vollgestopfte Teil der Gruppe, sich eine Pizza to go mitzunehmen.

Nach bezahlter Rechnung ging es zackig zurück zum Parkplatz. Schließlich wollte man keine Strafe zahlen fürs Zuspätkommen. Von dort aus ging es weiter in Richtung Österreich. Das finale Ziel sollte der Weißensee in Kärnten sein. Er ist der höchstgelegene Badesee der Alpen und eigentlich eher ein Zufallsziel, da der Campingplatz hier sehr cool aussah. Mit großer Anspannung machte man sich auf nach Österreich – nicht wissend, ob es wohl noch einen freien Platz für den Roadsurfer gibt.

Auf dem Weg dorthin bemerkten spitzfindige Teilnehmer der Reisegruppe, dass man auf slovenischen Autobahnen Maut bezahlen musste. Dies war nicht wie in Österreich, dass man groß darauf hingewiesen wird und die Möglichkeit hat, die Vignette an der Raststätte zu kaufen. Vielmehr kauft man sie online. Auf der Autobahn gibt es immer wieder Kameras, die das überwachen. Kann also gut sein, dass die Reisegruppe schon abgelichtet wurde, während sie ohne Vignette unterwegs war. Das Zittern beginnt.

Also kaufte man noch schnell eine Vignette, ehe es erneut ans Blechen ging. Der Tunnel zwischen Slovenien und Österreich kostet geschmeidige 10 Euro – einfach nur fürs Durchfahren. Und danach wird man in Österreich gemolken. Auf österreichischem Boden war es noch eine Stunde bis zum Weißensee. Da man abends eigentlich einen leichten Salat essen wollte, suchte die Gruppe vergebens nach einem offenen Supermarkt. Richtige Füchse fanden nach langer Suche einen. DIeser wurde als Zwischenstopp angesteuert. Long Story short: es stellte sich heraus, dass der „Supermarkt“ ein „Billa Shop & Go“ war – eine etwas ausgebautere Tankstelle. Mit Salat war hier aber nix.

Also ging es weiter, imemr tiefer ins Grüne. Und da war er dann auch: der Weißensee. Man redete sich schon ein, dass es sicherlich keinen freien Platz mehr geben würde, so schön wie es hier war. An der Rezeption standen einige, die einchecken wollten. Auf die Frage, ob noch ein Platz frei war, entgegnete der Kärntner „ha freilich“. Nach einer schnellen Begehung war ein geeigneter Platz gefunden. Das Coole an dem Platz: man kann nicht vorreservieren und es gibt freie Platzwahl ohne Parzellen. Herrlich!

Daher entschied man sich (aus Sicht der Reisegruppe) für den besten Standort auf dem Platz. Nicht am See, sondern eher Richtung Wald. Mit Blick auf die Berge. Hier wird nun für 2 Nächte geankert, um endlich den wohlverdienten Campingplatztag zu bekommen.

Bei einer kleinen Portion Pasta mit Pesto ging der Tag zu Ende.