Es ist 4.30 Uhr. Und das lässt der Muezzin auch alle wissen. Ohrenbetäubender Lärm lässt wohl auch den tiefschlafendsten Bewohner Bogors im Bett aufspringen. Zeit fürs Gebet. Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, konnte die Nacht fortgesetzt werden. Doch nur für kurze Zeit. Um 6.30 Uhr beschloss unser gesamter Hotelflur, mit der Großfamilie inklusive schreienden Kindern das Frühstücksbuffet zu stürmen. Eine leichte Panik überkam mich, ob für uns überhaupt noch etwas übrig bleiben würde, bei der Menschenmasse, die sich da gerade in Bewegung setzte. Doch die Angst war unbegründet. Auch um 9 Uhr, als wir wie alle anderen gemütlich in unseren Hotelhausschuhen zum Frühstück schlurften, gab es noch sämtliches: Reis, Fleisch, Fisch, Gemüse, Spiegeleier, Hühnerbrei und die Schokocroissant und Donutabteilung. Ein Glück. Bei einem gemütlichen Frühstück auf dem Balkon wollten wir in den Tag starten. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich bereits zahlreiche muslimische Familien in Burkinis und mit mindestens drei Kindern pro Familie am naheliegenden Pool eingefunden. Sie waren kaum zu überhören.

Unser Tagesziel sollte der Botanische Garten sein, der quasi vor unserer Haustüre liegt. Beim Verlassen des Hotels sprach uns ein Angesteller, beziehungsweise den männlichen Teil der Reisegruppe, an. Wir hatten ihn für den nächsten Tag für einen Ausflug angeheuert. Leider schenkte der dem weiblichen Teil der Reisegruppe keinerlei Beachtung. Da zeigte sich mal wieder, wie die Geschlechterverhältnisse hier geklärt sind.
Viele Menschen aus Jakarta und ganze Reisegruppen besuchen Bogor extra wegen des Botanischen Gartens. Er soll die schönste Sehenswürdigkeit der Stadt sein. Mit eher niedrigen Erwartungen machten wir uns auf in Richtung Botanischer Garten. Dass Touristen mehr Eintritt als Einheimische zahlen müssen überrascht uns nicht mehr. Wir waren keine fünf Meter weit in der Anlage, schon saßen die ersten Großfamilien auf dem Boden zum Picknicken. Man bahnte sich quasi fast seinen Weg durch Reis, Burkas und Kinder. Auf dem normalen Weg angekommen kam man an Seen, alten Bäumen und Blumen vorbei. Doch wirklich idyllisch empfanden wir es hier nicht. Überall Menschengruppen, die irgendwo saßen und aßen oder sich selbst fotografierten. Man fragt sich wirklich, ob sie sich die tausende von Bildern, die sie von sich selbst machen, auch irgendwann wieder anschauen werden.



Während der ersten paar Minuten wurden wir schon sehr beäugt, viel mehr, als außerhalb des Gartens. Immer wieder kamen „Hey Mister“ oder „Hey Misses“-Rufe. An einer Bank machten wir kurz Pause – ein Fehler. Oberste Regel: niemals anhalten, sonst bist du ein leichtes Opfer. Wie wir da also so gemütlich saßen, kamen direkt die ersten auf uns zu, um sich mit uns fotografieren zu lassen. Man wird gar nicht wirklich gefragt, ob man das auch möchte. Auf einmal stehen sie neben einem und jemand anderes fuchtelt mit seinem Smartphone vor einem herum. Es sollte nicht das einzige Foto bleiben. Die Gartenanlage ist nicht unbedingt im besten Zustand. Für einen botanischen Garten doch sehr vermüllt. Und was der Oberknaller ist: viele der Einheimischen „flüchten“ aus der Großstadt Jakarta hier her, in die „Wohlfühloase“. Witzig allerdings, dass sich viele einfach mit dem Auto oder dem Roller durch den Park kutschieren lassen. Das nimmt deutlich an Wohlfühlfaktor.



Da es heute deutlich heißer als die letzten Tage war, sehnten wir uns nach einem Kaltgetränk. Da kam das Gartenrestaurant gerade richtig. Kurz vor dem Ziel wurden wir jedoch erneut überfallen. Und wieder einmal eine Gruppe Mädchen, die uns ansprach. Ob wir Lust auf ein kurzes Interview hätten. Dieses Mal hatte niemand sie dazu beauftragt, sie hatten einfach nur Lust, sich mit „Mister“ und „Misses“ auszutauschen. Die Standardfragen: woher wir kommen, wie uns Bogor gefällt, wie uns Indonesien gefällt und wie wir den Botanischen Garten finden. Nach zahlreichen Lobeshymnen packte doch tatsächlich wieder eine der Mädchen deutsche Sätze aus. Angeblich interessiert sie sich für die Sprache und lernt sie selbstständig. Natürlich durften jetzt die Beweisbilder für die Facebookgemeinde nicht fehlen. Jeder wurde mit jedem einmal einzeln abgelichtet.



Im Restaurant angekommen, gönnten wir uns erstmal eine kühle Erfrischung, ehe es weiter ging. Erneut wurde der weibliche Teil der Reisegruppe aufs Übelste degradiert – kein Blickkontakt, keine Begrüßung, keine Bestellungsaufnahme und kein Smalltalk. Danke für Nichts. Auch auf dem Rückweg tappten wir erneut in die Bilderfalle. Wir wollten uns nur kurz ausruhen, da kamen sie schon wieder ohne groß zu fragen an, um ein Foto zu schießen. Mangels Lust auf weitere dieser Situationen flüchteten wir aus dem Botanischen Garten. Auf dem Heimweg deckten wir uns an Straßenständen mit etwas Obst ein – wahrscheinlich zu horenten Preisen.


Zurück im Hotel wollten wir es uns gemütlich am Pool bequem machen. Pustekuchen. Mal wieder war der gesamte Bereich, inklusive Liegen, von Burkinis besetzt. Also nahmen wir ganz gesittet am Tisch Platz, um endlich mal ein bisschen lesen zu können. Der Teil der Reisegruppe, der nicht mangels Burkini zu einem Schwimmverbot gezwungen war, drehte seine Runden im Pool. Abendessen gab es erneut im Hotel. Obwohl man schon sagen muss, dass die Auswahl für solch ein gutes Hotel sehr beschränkt ist. Neben ein paar westlichen Gerichten wie Pizza oder Burger gibt es zehn einheimische Gerichte auf der Karte. Ein typisches Gericht ist „Laksa“, eine Art Nudelsuppe mit Huhn und Ei. Bei der Bestellung versicherte mir die Bedienung, dass Laksa definitiv nicht scharf zubereitet werde. Komisch, dass sich in meiner Suppe eine rote Chillidecke befand, die das sehr leckere Gericht so scharf machte, dass ich beinahe erstickt wäre. Merke erneut: wenn Einheimische sagen es ist nicht scharf,…
Jaja – der Apfel fällt nicht weit vom …🐎 😎
Was jetzt genau? 😊
🐎