Bitte kein Herzinfarkt

Nach den aufregenden Erlebnissen auf den Straßen rund um Bogor gönnten wir uns für die nächsten beiden Tagen erst einmal etwas Pause im Hotel. Freitagmorgen wurden wir wie üblich um 04:30 Uhr von unseren 50 benachbarten Moscheen geweckt. Nach dem sich dann auch irgendwann der letzte Muezzin beruhigt hat, konnten wir schließlich weiter schlafen. In guter Urlaubsmanier ging es nach einem sehr ausgiebigen und späten Frühstück direkt an den Hotelpool. In der Poolrushour wird eine Badegästeanzahl erreicht, von der so manch ein Aquapark in Deutschland nur träumen kann. Erstaunlich, da in dem doch so winzigen 1.20m tiefen Becken keine besondere Attraktion geboten wird. Hauptbadegäste sind überwiegend asiatische Kinder in Taucheranzügen, welche bevorzugt immer wieder schreiend ins Wasser springen. Wer keinen Taucheranzug hat, nutzt einfach seine normalen Klamotten, Hauptsache Nichts, das wie eine Badehose oder ein Badeanzug aussieht. Die Rushhour ist von 06:05 Uhr (Sonnenaufgang) bis 12:00 Uhr Mittags und von ca. 13:30 bis 17:50 Uhr (Sonnenuntergang). In der Mittagspause sind dann alle Badegäste schlagartig verschwunden. Wohin, weiß niemand so genau und mit allen sind tatsächlich auch alle gemeint. Der komplette Poolbereich war wie ausgestorben. Sehr zur Freude aller Teilnehmer der Reisegruppe, welche angemessene Badekleidung dabei hatten. Schnell ging es in das erfrischende Nass ein paar Bahnen schwimmen. Ansonsten verbrachten wir den ganzen Tag gemütlich am Poolrand und beobachteten fasziniert das Treiben rund um das Becken.

Da wir die Hotelspeisekarte schon zu Genüge kannten, gönnten wir uns abends wieder eine Taxifahrt zu einem ausgewählten Restaurant. Komplettes Abendessen für zwei (natürlich wie immer, Reis mit Beilage) inklusive Getränke und Taxifahrten 7€. Man muss schon sagen, die Preise hier sind echt unschlagbar. Wenn nur nicht immer dieser Reis wäre… Da wir nicht besonders scharf darauf waren, nach Jakarta zurückzukehren, versuchten wir unseren Bogor Aufenthalt um eine weitere Nacht zu verlängern. Leider ohne Erfolg, das Hotel ist restlos ausgebucht. Schade.

Am nächsten Morgen überraschten uns die beiden Damen der Rezeption nach dem Frühstück mit einer leckeren Spezialität des Hauses: Lilakuchen im Quarkmantel, garniert mit Pizzakäse. Ein Geschenk zum Abschied bzw. eine kleine Entschädigung, da wir nicht länger bleiben konnten. Gut, dass wir uns genau aus diesem Grund noch nie ein indonesischen Dessert bestellt haben. Gut, dass wir schon proppevoll waren und gut, dass es wahrscheinlich wahnsinnig unhöflich ist, das Geschenk unberührt zurück zu geben. Wir hatten uns echt rießig gefreut! Zuerst gab es natürlich ein Selfi mit den beiden Damen. Beim Foto machen lernten wir zusätzlich noch das indonesische Zeichen für „Liebe“. Daumen und Zeigefinger werden dabei übereinander gelegt, ähnlich der europäischen Zeichensprache für „Geld“. Ich glaube wir haben uns hier schon bei dem ein oder anderen Kellner als Touristen geoutet. Nach dem Foto haben wir dann tapfer unseren Kuchen gegessen….

Eine Stunde später checkten wir dann aus. Beim Warten auf unser Taxi nach Jakarta, unterhielten wir uns noch etwas mit dem Portier „Dani“. Ganz stolz zeigte er uns auf seinem Smartphone das frisch geschossene Foto vom Frühstück. Das Foto hat scheinbar schon die Runde bei der kompletten Hotelbelegschaft gemacht.

Auf der Fahrt nach Jakarta gab es anfänglich leichte Spannungen zwischen dem Beifahrer und dem Fahrer. Kritikpunkte waren unter anderem seltsame Geräusche des Fahrers, ein zu hohes Ausfahren der Gänge sowie eine kopfnickende Fahrweise. Weiterhin wurde ein drohender Herzinfarkt befürchtet. Wie so oft im Leben, Musik verbindet und half letztendlich auch bei uns im Auto das Eis zu durchbrechen. Auf einmal unterhielten sich Beifahrer und Fahrer sehr angeregt. Der eine auf Indonesisch, der andere auf Englisch. Ob die beiden sich aber immer über das selbe Thema unterhalten haben, kann nicht vollständig bewertet werden.

In Jakarta angekommen, bezogen wir direkt unser Hotel. Nächster Tagespunkt: Wäsche waschen. Laut Insiderinformationen ist das in Asien äußerst günstig und komfortabel. Waschen, trocknen und bügeln wird kiloweise berechnet, „in der Regel nur ein zwei Euro“. Also machten wir uns mal wieder mit Plastiktüten voller Klamotten und in der prallen Hitze auf den Weg. Die Suche nach einem Waschsalon gestaltet sich aber am Wochenende gar nicht so einfach. Nach 2 Wasser und einer 1 Cola erreichten wir völlig erschöpft dann endlich einen geöffneten Salon. 2,50€ pro Teil erschien uns dann aber doch etwas zu teuer. Also wurde die Wäscheaktion abgebrochen und wir gingen wieder zurück ins Hotel. Immerhin hatten unsere Unterhosen eine kleine Sightseeing Tour in Jakarta gehabt. Nach einer kurzen Pause im Hotel ging es dann auf zu unserem Lieblingsort in Jakarta, die Grand Indonesia Mall. Noch etwas platt von der Waschsalon Odysee bewältigten wir die 2km mit dem Taxi: 45 Minuten Fahrtzeit. Ein Hoch auf den Verkehr in Jakarta. Immerhin gab es eine tolle Unterhaltung mit dem Fahrer. Wir konnten einfach alles fragen, was wir schon immer über Indonesien wissen wollten. In unserer Lieblingsmall ging es dann auch noch in unser Lieblingsrestaurant „Remboelan“ essen. 11 Leute waren auf der Warteliste vor uns. Die Warterei stellte aber erstaunlicherweise gar kein Problem für unsere hungrige Reisegruppe da: Schließlich wussen wir ja schon von unserem letzten Besuch, was für ein tolles Essen uns erwartet. Und wir wurden auch dieses mal nicht enttäuscht.

Auf dem anschließenden Heimweg, dieses mal zu Fuß, entdeckten wir dann auf einmal und vollkommen unerwartet eine wirklich schöne Facette von Jakarta. In unserer Straße stolperte man von einem Essenstand in den nächsten. Wie aus dem Nichts war der komplette Bürgersteig plötzlich mit Stühlen und Tischen übersäht. Unzählige Leute genossen ein gemütliches Abendessen auf der Straße, begleitet von zahlreichen Straßenmusikern. Wer auf dem Bürgersteig lief, musste sich zwangsläufig durch die zahlreichen, spontan entstandenen Küchen schlängeln.

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