Yepi Yepi Yeah, es geht auf’s Klotok!

Aufgrund der Flugvorverlegung klingelte der Wecker schon um 2 Uhr. Gar nicht mal so schlimm, so kamen wir schon schneller aus der ranzigen Bude raus. Mit dem Shuttlebus ging es zum Terminal. Glücklicherweise konnte ein Teil der Reisegruppe schnell die zwei vorderen Sitzplätze klar machen, ehe die rüpelhaften Asiaten den Bus stürmen konnten. Blöd nur, dass der kleine Shuttelbus mangels fehlender Kapazität gegen ein größeres Gefährt ausgetauscht werden musste. Also wieder schnell raus aus dem Bus und ab ins Getümmel. Aber auch in Runde zwei setzte sich der beste Drängler der Reisegruppe gegen die eigentlichen Drängelweltmeister durch. Die Poleposition war gesichert!

Am Flughafen angekommen stand unser Flug noch mit der veralteten Flugzeit an: 6.10 Uhr. Tatsächlich ging er aber um 5 Uhr. Am Flughafen war es extrem voll. Mit unseren Koffern fielen wir zwischen all den Asiaten ganz schön auf. Scheinbar nutzt hier kein Mensch Koffer, sondern viel mehr Reisekartons. Das sind einfach Pappkartons, die zugeklebt und als Gepäckstück aufgegeben werden.

Auch am Flughafen gilt natürlich die goldene asiatische Regel: „Nutze jede Lücke“. Konkret bedeutet dies beim Security Check: Drängeln was das Zeug hält. Drängel-Tipp: Sobald der Vordermann sein Gepäck durch den Scanner fahren lässt und sich auf den Weg zum Personenscanner macht, kann man noch schnell seinen Rucksack vor dessen Gepäck schmeißen, damit er schneller durch fährt. Es gib am Flughafen mehrere Sicherheits-Checks. Einer, bevor man den Flughafen überhaupt erst mal betreten darf und einen direkt vor dem Gate. Ist man durch diesen erst einmal durch, gibt es auch keine Möglichkeit mehr, das stille Örtchen aufzusuchen. Kein Wunder, dass die Asiaten alle immer erstmal aufs Klo gehen, sobald sie im Flieger sind. Scheinbar hatten sämtliche Fluggäste die frühere Abflugszeit mitbekommen, denn der Flieger war wieder mal richtig voll. Der Anflug über Pangkalan Bun war richtig schön. Überall nur grün. Allerdings hat man von oben schon sehr gut gesehen, dass weite Teile des Dschungels durch die Palmölplantagen bereits abgerohdet wurden.

Der Flughafen von Pangkalan Bun ist ein Knaller. Wir waren der einzige Flieger weit und breit. Gemütlich konnte man übers Rollfeld zum Flughafen schlendern. Hier drängelten sich bereits die Asiaten um das einzige Gepäckband. Wie die Deutschen das mit den Handtüchern am Pool machen, so reservieren sich die Asiaten mit ihren Gepäckwägen den beseten Platz am Abholband. Witzigerweise fuhren dann erstmal sämtliche Reisekartons übers Band. Ein Wunder, dass jeder seinen eigenen wieder findet. Bevor man den Flughafen verlassen darf, wird aber erst noch kontrolliert, ob das richtige Gepäck mitgenommen wird.

Direkt am Ausgang trafen wir auf unseren Guide Yepi. Er holte uns ab, um uns direkt zum Boot zu bringen. Der Teil der Reisegruppe, der im Auto immer vorne sitzen muss, nahm direkt auf dem Beifahrersitz Platz. Auch auf Yepis Hinweis, wir könnten beide hinten sitzen, blieb der Beifahrer bei seiner Position. Was zu diesem Zeitpunkt nicht klar war: wir hatten noch einen vierten Mitfahrer, genauer gesagt den Fahrer. Daher fand sich Yepi auf den billigen Plätzen hinten ein und wir fuhren unter Gelächter los. Die Fahrt nach Kumai, wo unser Boot stand, dauerte 20 Minuten.

Im Hafen von Kumai, bzw. eher im Hinterhof eines Wohnhauses, erblickten wir erstmals unser zu Hause für die nächsten drei Tage: das Klotok, zu deutsch Boot. Äußerst skeptisch wurde alles unter die Lupe genommen. Auf dem unteren Deck befanden sich die Kojen der Crew, die Kombüse und hinten am Heck zwei Duschklobads mit westlicher Toilette. Gott sei Dank, die Boardtoilette war im Vorfeld ein sehr kritischer Punkt und konnte nun wohlwollend abgenickt werden. Wie sich im Laufe der Reise herausstellte, nutzt man die Toilette am besten während der Fahrt, dann läuft man keine Gefahr, dass plötzlich ein „Toilettenüberbleibsel“ vorbeitreibt. Auf dem oberen Deck befand sich unser Esszimmer, das Steuerhaus, unser offener Schlafbereich sowie unser ganz persönlicher „Ausguck“, auf welchem wir die kommenden Tage die meiste Zeit verbrachten.

Unser Führer Yepi ist zugleich auch der Kapitän für die anstehende Reise. Vor seinem Job als Touristenführer arbeitete er jahrelang selbst als Ranger im Park und kennt sich folglich bestens aus. Gut für uns, denn sein immenses Dschungelwissen lässt er immer wieder aufblitzen. Zwischenzeitlich war er auch Hochseekapitän auf einem Frachtschiff. Englisch hat er sich übrigens komplett eigenständig durch Bücher lesen beigebracht. Nach dem Kennenlernen stellte uns Yepi noch die Praktikantin „Diane“ vor. Sie macht ein Schulpraktikum und wird uns den kompletten Ausflug begleiten. Vor lauter Nervosität hat es ihr bei der Begrüßung doch glatt das Kopftuch vom Kopf geweht. Ein Rießenspass für die Reisegruppe.

Nun hieß es zwei Stunden warten bis unser Klotok seeklar war. Die Köchin besorgte noch die letzten Lebensmittel für die Reise, während Yepi uns und die Kamera im Büro des Nationalparkes anmeldete. Der Tanjung Puting National Park, das Ziel unserer Reise, ist eine 4150 qkm große Halbinsel im Südwesten von Borneo. Die Sümpfe und Wälder beherbergen rund 6000 Orang Utans. Außerdem ist der Park nur mit dem Boot zugänglich.

Während wir warteten, beobachteten wir die benachbarten Hochseefischer beim Entladen ihrer Fracht. Auch hier handelte es sich bei der Anlegestation wieder nur um einen Hinterhof eines Wohnhauses. Die Fischer schienen einen guten Fang gemacht zu haben. Etliche Kisten mit Fisch wurden vom Boot gehievt und mit einer äußert nostalgischen Gewichtswaage gewogen. Leider entdeckten wir auch einige abgetrennte Haifischflossen auf einem Tisch liegen. Für die Fischer ein sehr lukratives Geschäft, gilt Haifischflossensuppe im asiatischen Raum als exquisite Delikatesse, für uns aber ein äußerst moralisch verwerfliches Unterfangen.

Äußerst skeptisch nahmen Teile der Reisegruppe beim Warten große Schwankungen des Klotoks war. Es ist nicht abzusehen bei einem solch wilden Seegang überhaupt ein Auge zu zu bekommen. Es bahnen sich wohl lange Nächte für die komplette Gruppe an.

Endlich ging es los und wir legten ab. Sofort nahmen wir unsere Posten auf den Liegen am Bug des Bootes ein und genossen den frischen Fahrtwind der See. Von Kumai steuerten wir direkt den Fluss Sungai Sehonyer an. Der Fluss selbst bildet die Grenze zum National Park. Die linke Seite ist öffentliches Gebiet, rechts von uns befindet sich der Nationalpark. Von unserem Ausguck haben wir einen wahnsinnig tollen Blick auf die Kulisse des Dschungels. Das Ufer ist gesäumt von kleinen Wasserpalmen, dahinter wächst dichter Dschungel. Sehr gemütlich schlängeln wir uns auf diese Weise durch den Dschungel. Unser erster geplanter Stop ist das 2 1/2 Stunden entfernte Camp Tanjung Harapan, der ersten Auswilderungsstation für aufgepäppelte Orang Utans.

Auf dem Weg dorthin haben wir auch einige weitere Touristen Klotoks gesehen. Auf der ganzen Reise zählten wir insgesamt ca. ein Dutzend weitere Boote, der Touristenansturm hält sich somit in Grenzen. Sehr zur Freude unserer Gruppe. Üblicherweise war auf den meisten Klotoks ebenfalls nur ein Touristenpärchen anwesend, obwohl die Klotoks auch bis zu 8 Personen beherbegen können. Ganz gewievte Reiseteilnemer entdeckten auf den anderen Booten im Schlafbereich bezogene Matratzen mit Decken, einmal sogar ein komplettes Himmelbett. Es wurde befürchtet, dass wir das schäbigste aller Klotoks erwischt haben, schließlich besaßen wir zwei ranzige, komplett plattgelegene Ledermatratzen. Ohne Bettbezug versteht sich.

Nach ca. 90 Minuten Fahrt machten wir Pause. Ein für die Reisegruppe sehr wichtiger und heikler Punkt für die weitere Stimmung an Bord stand bevor: die erste Mahlzeit! Können wir bei der ganzen Schaukelei überhaupt was essen? Ist das mit den doch recht einfachen Bordmitteln zubereitete Essen für uns überhaupt genieß- und verdaubar? Unsere Erwartungen waren nicht besonders hoch. Vorsichtshalber sind unsere Koffer mit Toast, Nutella und Müsliriegel vollgestopft. Und wir wurden überrascht. Das Essen war richtig richtig lecker, nicht zu vergleichen mit unserer 4-Sterne-Hotelküche in Bogor. Es gab natürlich Reis mit Gemüse, Tempe und Huhn, als Dessert Wassermelone. Das Essen hat uns so gut geschmeckt, dass wir sogar eines unserer Reisemottos „Peel it or leave it“ (Schäle es, oder lass die Finger weg) über Bord warfen und die komplette Melone verputzten. Um die Spannung vorwegzunehmen, es gab keine bösen Überraschungen.

Um uns weitere tolle Essen nicht zu versauen, gab es innerhalb der Reisegruppe eine neue Abmachung. Sollte einer der Teilnehmer ausversehen ein Crewmitglied beim Spülen beobachten, so ist diese Beobachtung als streng vertraulich einzustufen und wird nicht mit den übrigen Teilnehmer geteilt. Aus selbigem Grund können an dieser Stelle auch keine weiteren Beobachtungen aus der Kombüse beschrieben werden.

Um kurz nach zwei Uhr legten wir am ersten von drei geplanten Camps an. Das Camp Tanjung Harapan ist eine Ansammlung von vier sehr spartanischen Holzhütten, in denen die Ranger in drei Wochen Schichten leben und sich um die Orang Utans kümmern. Noch bevor wir die eigentliche Fütterungsstation erreichten, entdeckten wir unseren ersten Orang Utan in den Bäumen. Und direkt der große Häuptling der ansässigen Orang Utan Familie. Dieser war genau wie wir auf dem Weg zur Fütterungsstation. Die Fütterungsstation ist im wesentlich eine leicht erhöhte Plattform, auf welcher die Ranger Bananen verteilen. Den Rest erledigen die Affen selber. Die ganz hungrigen Kollegen stopfen sich dabei gerne auch mal die ein odere andere Banane zu viel in den Mund. Ebenfalls beliebt ist das Klettern mit den Händen voller Bananen. Auch hier gilt, lieber mal eine Banane mehr mitnehmen, unterwegs verliert man auch immer mal wieder etwas. Mit lauten Affenrufen durch die Ranger werden weitere Orang Utans angelockt. Eine Garantie, Affen zu sehen, gibt es nicht, schließlich ist das ganze ja kein “Ausflug in den Zoo“. Doch wir hatten Glück, innerhalb einer Stunde zählten wir ca. 20 Orang Utans.

Einzig die vielen Moskitos trübten etwas den Spaß, teilweise wurde man regelrecht aufgefressen. Gut, dass wir an dieser Stelle eine der Entdeckungen des Urlaubs machten. Ein in Singapur erworbenes lokales Tiger Balsam entpuppte sich als ein wahres Wundermittel gegen Moskitos, gar nicht zu vergleichen mit dem vollkommen überteuerten Antibrumm aus Deutschland. Es kühlt nicht nur wunderbar vorhandene Moskitobisse, sondern vertreibt auch äußerst effektiv die anwesenden Plagegeister. Teile der Gruppe waren so begeistert, dass schon kurz nach dieser Entdeckung das Tiger Balsam den bisherigen Spitzenreiter des meistgenutzten Reiseutensils, das Desinfektionsmittel, ablöste. Um so bemerkenswerter, da genau diese Fraktion den Tiger Balsam Kauf damals in die Kategorie „mal wieder vollkommen unnötig“ stopfte.

Zurück auf dem Boot wurden wir prompt mit einem Gruß aus der Kombüse begrüßt. Frittierte Süßkartoffel als Snack zwischendurch. Äußerst lecker. Danach ging es weiter in Richtung des zweiten Camps. Auf dem Weg dorthin erwartete uns direkt ein weiteres Highlight dieser Reise. In den Baumwipfeln am Rande des Flusses tummelten sich zahlreiche Nasenaffen. Schnell legten wir für einen kurzen Stopp an und beobachteten das tolle Treiben. Für uns sind diese wahnsinnig schöne Tiere mit ihrer witzigen Art der Fortbewegung die Könige des Dschungels. Leider mussten wir recht bald weiter, um noch vor Anbruch der Dunkelheit unseren Haltepunkt für die Nacht zu erreichen.

Um 17:30 Uhr beginnt es zu dämmern, um kurz nach 18:00 Uhr ist es komplett dunkel. Erste Glühwürmchen lassen sich am Ufer blicken, erleuchtet von einem tollen Sternenhimmel. Ein wunderschöner Anblick. Um 18:30 gibt es dann Abendessen bei Kerzenschein. Hühnersuppe, Reis mit Gemüße, Sojabratling, Scampi und Honigmelone. Wie schon beim Mittagessen isst die Crew in der Kombüse auf dem Boden, wir alleine oben am Tisch. Und wie schon beim Mittagessen schmeckte das Essen vorzüglich. Nach dem Essen bekamen wir noch eine kleine Lektion in indonesischer Gastfreundschaft: Selber Tisch abräumen kommt hier nicht so gut an.

Kurz darauf der mit großer (An)Spannung erwartete Moment: unser Bett wird vorbereitet. Gott sei Dank, es gibt ein Leintuch!! Wir sind alle sehr erleichtert, schließlich steht einer erholsamen Nacht nun nichts mehr im Wege. Neben dem Leintuch gibt es auch noch einen Überzug und ein großes Handtuch zum Zudecken. Umhüllt werden unsere Matratzen mit einem großen Moskitonetz.

Den Rest des Abends verbrachte die Crew mit angeln und wir mit lesen. Um 9 Uhr ging es dann völlig erschöpft in die Kojen, schließlich wollen wir am nächsten Morgen um 05:30 den Sonnenaufgang erleben.

Glücklicherweise bahnte sich der nächtliche Toilettengang erst kurz vor unserem Weckerklingeln an. Eine Toilette auf dem Boot mit offenem Fenster nach draußen hat ziemlich viele krabbelige Besucher, weshalb man besser die Helligkeit abwarten sollte. Schnell wurde die ganze Reisegruppe geweckt um sich gesammelt auf den Weg zum stillen, wuseligen Örtchen zu machen. Eine halbe Stunde später klingelte der Wecker dann schon wieder. Schließlich wollten wir uns den Sonnenaufgang und die Stimmung dabei nicht entgehen lassen. Aus unserem Bett konnten wir direkt sehen, wie die Sonne langsam aufging. Besonderes Highlight dieser morgendlichen Stimmung war das Erwachen des Dschungels. Außer ein paar Makaken war nichts zu sehen, dafür umso mehr zu hören. Affen, die sich einen Kampf gönnen, Vögel, die wie der Spotttölpel die schönsten Melodien pfiffen und Insekten jeglicher Art. Je heller es wurde, umso lauter wurde der Dschungel. Ein schöneres Erwachen kann man sich kaum vorstellen. Der nächste Programmpunkt sollte das Frühstück sein. Dieser lag einem Teil der Reisegruppe bereits jetzt schwer im Magen, kommt das asiatische Frühstück doch nicht bei jedem so gut an. Daher tigerte ein Teil der Reisegruppe mehrmals durchs Boot, um Yepi mitzuteilen, dass die Köchin nur ein Frühstück zubereiten solle, schließlich hatten wir ja Toast und Nutella am Start. Leider war Yepi nicht auffindbar, weshalb der indonesisch sprechenden Köchin mit Händen und Füßen mitgeteilt wurde, dass sie nur ein Frühstück zubereiten solle. Kurzerhand geriet die restliche Reisegruppe in Panik, dass sie nun gar kein Frühstück vorbereite. Wenig später tauchte Yepi auf. Er wies uns darauf hin, dass für die Touris kein asiatisches Frühstück, sondern Toast und Pancakes zubereitet würden – ob dies recht sei. Daraufhin rannte er zur Köchin, damit sie genug Frühstück für alle machte – peinlich.

Es gab Tee, Filterkaffee ohne Filter, O-Saft, Toast mit salziger Butter, Pancakes und Rührei. Richtig gut. Kaum hatten wir gefrühstückt schon räumte die Crew unser Schlafquartier wieder zusammen. Auf die Frage hin, ob wir hier duschen könnten – nach Sonnencreme, Moskitospray und viel Schweiß kann man sich selbst irgendwann nicht mehr riechen – wurde extra der Generator angeworfen. Im berühmt berüchtigten Duschklobad konnte man dann also duschen. Was gibt es schöneres, als eine richtig schöne kalte Dusche am Morgen. Dabei war man noch ganz durchgefroren von der Nacht – tatsächlich hatte es ziemlich abgekühlt. Nur wenig später starteten wir zu einer weiteren Orang Utan Fütterung. Auch unsere Praktikantin war am Start. Sie hatte die Nacht wohl gut überstanden.

Gemeinsam mit Yepi ging es zur Fütterungsstelle Pondok Tanggui im Dschungel. Um 9 Uhr sollte gefüttert werden. Doch weder ein Ranger mit Bananen noch ein Affe waren zu sehen. Dabei saßen die Touris schon brav auf den Holzbänken und richteten die Kamera gespannt auf die Fütterungsplattform. Nach guter alter asiatischer Pünktlichkeit trafen die Ranger 20 Minuten später mit Bananen und Milch ein. Während der Trockenzeit finden die Orang Utans nicht so viel zu Trinken, daher die Milch. Die Milch wurde in silbernen Schalen angerichtet. Der ein oder andere konnte es kaum erwarten, diese zu köpfen.

Unser Guide hatte uns bereits im Vorfeld gefragt, ob wir Lust hätten, etwas früher als alle anderen Touriboote aufzubrechen. Unser Ziel war es, Krokodile aufzufinden, die sich im Fluss oder zumindest in Flussnähe befinden. Natürlich waren wir sofort dabei und machten uns früher als alle anderen auf den Rückweg. Es sei wichtig, dass wir als erste aufbrechen, da die anderen Boote sonst zu viel Lärm machen und die Tiere vertreiben. Wir fuhren also auf niedrigster Stufe und bogen in einen weiteren Flussarm ab. Hier änderte sich die Wasserfarbe von dunklem braun zu schwarz. Eigentlich eher zu klarem Wasser, was allerdings schwarz aussah und somit gleich deutlich bedrohlicher. Kaum hatten wir den Fluss erreicht, brachte sich die gesamte Besatzung in Position (inklusive Praktikantin, von der man sonst nicht so viel zu sehen bekommt), um ein Krokodil aufzuspüren. Vermutlich hat jeder eine andere Vorstellung davon, wo man die Salzwasserkrokodile finden kann und wie genau sie aussehen. Jedenfalls sahen wir keines und legten schließlich an der nächst besten Wasserpalme an, um Mittagzuessen.

Es gab Fisch, also richtigen Fisch mit allem drum und dran, der mit Löffel und Gabel filetiert werden musste, Reis, Gemüse, Tempe und Ananas. Schon während dem Essen konnten wir in den gegenüberliegenden Bäumen beobachten, dass Affen im Anmarsch sein mussten. Die Bäume bogen sich mal wieder und wenn man genau hin hörte war schnell klar, dass es sich um große Affen handeln musste. Auf einmal hatten wir eine Gruppe Nasenaffen vor uns, die sich gemütlich von Baum zu Baum schwangen, dabei alles mitnahmen, was nicht niet und nagelfest war und sichtlich Spaß hatten. Sie springen bis zu 10 Meter von Baum zu Baum, verfehlen das Ziel dabei immer mal wieder und müssen eben von unten nochmal hoch klettern, ehe es weiter gehen kann. Besonderes Highlight: sämtliche Affen nutzen einen schmalen langen Stamm, um vom einen zum anderen Baum zu gelangen. Dabei kletterten sie so weit nach oben, bis sich das Teil einmal bog, nutzten es als Brücke und ließen es wieder nach hinten schnalzen. Ein absolutes Spektakel.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter Richtung Camp Leakey, dem ältesten Orang Utan-Rehabilitationszentrum im Nationalpark. Auf dem Weg dorthin schaffte es Yepi doch tatsächlich noch, ein Krokodil aufzuspüren. Kurz im Vorbeifahren entdeckte er es unter einer Wasserpalme. Sofort hieß es Rückwärtsgang einlegen und nochmal nachschauen. Man brauchte echt lange, um das Fritzle zu sehen, denn es glich einem im Wasser liegenden Baumstamm. Doch wenn man lange genug hinsah, konnte man die gelben Augen entdecken.

Das dritte Camp, das wir besuchten, war früher Yepis Arbeitsplatz. Hier war er Ranger und hat die Fütterungen durchgeführt. Auf dem Weg von der Anlegestation zum Camp erwartete uns das Highlight unserer Reise: Thomas. Thomas ist ein alter Freund von Yepi und lebt in Camp Leaky. Weil Thomas sich im Wald bestens auskennt, zeigte er uns den Weg zur Fütterung und nahm uns mit. Da er aber gelegentlich die Fäuste schwingen lässt, sollten wir ihn immer auf zwei Meter Abstand halten. Immer wieder legter der alte Knabe eine kleine Snackpause ein. Sehr zur Bespaßung der Reisegruppe. Irgendwann hieß es dann leider Abschied nehmen. Da Thomas auf dem Weg zuviel nebenher gesnackt hatte, ist ihm wohl der Appetit auf Bananen vergangen.

Die folgende Fütterung war mit Abstand die aktivste Affenparty. Ein regelrechtes Kommen und Gehen. Das Herannahen der Orang Utans erkennt man an den sich biegenden Baumkronen und vielen raschenden Blätter (nicht zu verwechseln mit Wind). Affen sehen wird man erst einmal nicht. Stück für Stück schwingen sie sich von Ast zu Ast, nutzen Lianen oder seilen sich am Baum ab. Dabei wird regelmäßig ein kleines Päusle eingelegt. Es ist ratsam sich nicht unter den Kletterbaum eines Orang Utans zu stellen. Nicht selten brechen ganze Baumbrocken herunter. Da sagt mal noch einer, der Mensch holzt den Regenwald ab. Interessanter Fact: Orang Utans bauen sich jeden Abend ein Nest hoch oben in den Bäumen. Hier verbringen sie die Nacht und suchen sich für die nächste wieder eine neue Stelle – safety first. Die Weibchen wird man deutlich höher in den Bäumen finden als die Männchen, schließlich haben sie die Kinder bei sich. Bei dieser Fütterung war erstmals ein Nicht-Orang Utan-Gast anwesend. Ein sogenannter Gibbon. Dieser kleine Affe hangelte sich so flink durch den Dschungel, dass die Orang Utans mit ihrer Gelassenheit nur doof gucken konnten. Der Gibbon sprang in einem günstigen Moment zur Futterstelle und schnappte sich einen Bund Bananen. Und schon war er wieder weg. Wenig später hangelte er sich an ein Orang Utan Junges heran und klaute ihm das Futter.

Nach der Fütterung ging es zurück Richtung Boot. Unsere Praktikantin war sichtlich erleichtert, dass es zurück ging. Scheinbar mag sie keine Affen, was allerdings etwas merkwürdig ist, denn sie wird diesen Monat noch sechs weitere Male die Tour mitfahren. Warum, das kann uns kein Mensch so recht erklären. Scheinbar, um den Umgang mit Touristen kennenzulernen. Da hat sie sich einiges vorgenommen. Sie spricht zwar kein schlechtes Englisch, allerdings ist ihre Reaktion manchmal etwas verstörend. Fragt man sie beispielsweise nach ihrem Alter, hat sie keine Antwort darauf (keine Ahnung ob sie es nicht versteht oder ob sie einfach nur nicht antworten will) jedenfalls sagt sie dann einfach gar nichts mehr und sitzt die Frage aus.

Nachdem wir aufs Boot zurückgekehrt sind, wurde kurzerhand ein geeigneter Platz für die Nacht gesucht. Wieder einmal wurde das Boot an zwei wirklich brüchigen Wasserpalmen befestigt. Ein Wunder, dass die Teile morgens noch im Grund verwurzelt sind. Und schon saß die Crew wieder am Eingang des Bootes und angelte. Wir hingegen genossen die restlichen Sonnenstrahlen mit Lesen. Das ging allerdings nur, wenn sich der Rest des Bootes einigermaßen ruhig verhielt. Ansonsten wurden so starke Schwankungen ausgelöst, dass lesen nicht möglich war. Pünktlich ging um kurz nach 18 Uhr die Sonne unter und das Insektensammelsorium machte sich auf den Weg Richtung Boot. Kein Problem, können gerne alle rein kommen: Motten, Moskitos, Käfer, Gottesanbeterinnen und was es halt sonst noch so gibt. Zeitnah gab es wieder mal was zu essen. Dieses Mal im Angebot: Gebratene Nudeln, Reis, Chicken Curry und für die dann immer noch nicht satten Gäste ein Bund mit 20 Bananen.

Wieder mal wurde unser Bett vorbereitet und die abendliche Routine ging los. Um 21 Uhr war es still auf dem Boot und jeder ging in die Kajüte. Auch dieses Mal schützte das Moskitonetz wieder hervorragend. Wer früh ins Bett geht kann auch früh aufstehen. Entsprechend waren Teile der Reisegruppe bereits um 5 Uhr wach, um gemeinsam mit den Dschungelbewohnern in den Tag zu starten. Die Geräusche wurden wieder zunehmend lauter, ehe alle dann mal wach waren. Um 7.30 Uhr wurden wir zum Frühstück gerufen. Das übernimmt immer ein anderes Crewmitglied. Vermutlich wird ausgeknobelt, wer dieses mal zu uns hoch kommen und auf Englisch Bescheid geben muss, dass die Mahlzeit fertig ist, schließlich spricht nur Yepi Englisch. Wieder gibt es Pancakes mit Toast und einem Spiegelei. Nach einer wohltuenden Dusche starteten wir gemütlich die Rückfahrt. Da wir nicht wie viele andere Touris direkt zum Flughafen müssen, sondern erst noch zwei Tage in einem tollen Hotel relaxen, haben wir keinen Zeitdruck. Entsprechend gemütlich lässt es die Crew angehen und wir schippern in gemächlichem Tempo zurück Richtung Kumai. Auf dem Weg dorthin dreht das Boot auf einmal: Yepi meint, ein weiteres Krokodil gesehen zu haben. Und tatsächlich: im seichten Wasser liegt ein riesiges Fritzle und sonnt sich. Wahnsinn, wie er diese Entdeckungen immer macht. Bevor wir Kumai erreichen, bekommen wir tatsächlich nochmal ein kleines Mittagessen: Nasi Goreng, das Nationalgericht Indonesiens. Nach vier Stunden Fahrt legen wir dann schließlich im Hafen an. Ein wahnsinnig toller Trip und das Highlight unserer bisherigen Reise geht leider zu Ende.

Fazit:

  • Die Tour war bei weitem nicht so touristisch überlaufen, wir wir es erwartet hätten. Positiv ist auch hervorzuheben, dass keine asiatischen Touristen unterwegs waren.
  • Niemand ist an Bord seekrank geworden – wider Erwarten.
  • Die Verpflegung war deutlich besser als erwartet.
  • Die Befürchtungen, eine private Tour mit eigener Crew an Bord könnte unangenehm werden, wurden nicht bestätigt.
  • Wir hätten gut noch zwei weitere Tage in dieser tollen Umgebung verbringen können.

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