Da sind wir nun, in Surabaya. Mit einem völlig wackeligen Flug ging es von Pangkalan Bun zurück nach Java. Wieso, fragt man sich? Leider ist Pangkalan Bun auf Borneo nur aus drei indonesischen Städten zu erreichen. Da wir unbedingt die Klotoktour machen wollten, hatten wir unsere Reise um dieses Event herum gebaut. Deshalb nun auch Surabaya.

Doch wie schon Jakarta ist Surabaya eine riesen Metropole und nicht auf Touristen ausgelegt. Aber von Anfang an. Am Flughafen in Surabaya dreht man erstmal richtig durch. Hunderte Männer quatschen einen an, ob man ein Taxi brauche. Wir haben alle Varianten der Höflichkeit und der Ignoranz versucht – selbst wenn man sie ignoriert laufen sie weiter neben einem her. Einen Grab zum Hotel zu bekommen war ein Ding der Unmöglichkeit. Daher mussten wir ausnahmsweise aufs Taxi zurückgreifen. Der Fahrer brachte uns ins unser luxuriöses Hotel, für das man sich fast schon etwas schämt. Wir wohnen in einer riesigen Anlage aus Bungalows mit einem zentralen, riesengroßen Pool. Das Beste an der Sache: der Kinderbereich ist ganz weit weg von den Liegen und die typischen asiatischen Nervkinder konnten auch noch nicht gespottet werden. Allerdings scheint es ein Hotel zu sein, in das sich westliche Männer mit asiatischen jungen Frauen zurückziehen…

Samstags wagten wir erneut den Versuch, eine indonesische Großstadt zu erkunden. Was sich mal wieder als schwierig herausstellte. Zunächst einmal ist hier kein Mensch zu Fuß unterwegs, öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht wirklich. Also muss man sich erst eine Mitnahmemöglichkeit organisieren. Unser Ziel sollte der Blumenmarkt sein – im Reiseführer vielfach gehypt. Dort angekommen fanden wir zahlreiche Geschäfte, die sich auf den Blumen- und Pflanzenverkauf spezialisiert hatten, vor. Wie so oft verkauft jeder Laden dasselbe. Die Besichtigung war in zehn Minuten abgeschlossen. Also ging es weiter zum zweiten Ziel, der Mall. Es ist eigentlich traurig, dass westliche Einkaufszentren die Anlaufstelle aller, Einheimischer und Touristen, ist. Sagt viel darüber aus, was es in einer Stadt zu sehen gibt.

Die Mall zeigte mal wieder die zwei Gesichter der Stadt auf. Innen Glanz, Protz und teure Marken und außen die Armut. Absurderweise fühlen wir uns in den Malls sicherer und geschützter, vielleicht auch einfach heimischer, als vor den Türen. Draußen wird man angestarrt, angehupt, aus dem Auto angequatscht. Und in der Mall scheint dies alles mit einmal nichtig zu sein.

Wir waren in der größten Mall der Stadt gelandet. Über vier Häuser und sechs Stockwerke komplett verwirrend. Außerdem gibt es nichts, was es nicht gibt. Man fragt sich, wer sich das alles leisten kann. Wie jedes Wochenende strömen die Menschen in die Einkaufszentren. Man sollte also schauen, spätestens gegen 16 Uhr wieder aus der Mall zu verschwinden, sonst wird es kuschelig und laut. Auf der Suche nach einem vernünftigen Supermarkt scheiterten wir. Daher machten wir uns auf, einen zu finden. Wir tappten kilometerweit zu Fuß durch Surabaya, ohne Erfolg. Nach drei Stunden Fußmarsch kehrten wir erneut in die erste Mall zurück – um hier letztlich doch einen riesigen Supermarkt zu finden. Richtig gut.

Abends im Hotel platzten wir noch in einen 17. Geburtstag, der ähnlich pompös einer Hochzeit gefeiert wurde. Asiaten… Ein Erlebnis der gleichen Kategorie erwartete uns am nächsten Morgen. Wir hatten uns extra den Sonntag als Entspannungstag am Pool ausgesucht, da wir nachts eine Tour auf einen Vulkan geplant hatten. Den Pool hörte man an diesem Morgen schon bis zum Zimmer. Die Hotel Angestellten waren wuselig zu Gange, die bevorstehende SONNTÄGLICHE Hochzeit neben dem Pool vorzubereiten. Über Lautsprecher lief Musik, neben dem Pool wurde eine Bühne aufgebaut und auch sonst wurde alles rund ums Gelände geschmückt. Wir wagten uns trotzdem an den Pool – großen Spaß machte das bei der höllischen Lautstärke aber nicht. Die ersten Gäste kamen auch tatsächlich schon um 10 Uhr. Als der Moderator übers Mikrofon los legte war der Tag gelaufen.

Nur wenige Stunden später wurden wir um 23.30 Uhr am Hotel abgeholt. Wir hatten eine Vulkan Tour bei Sonnenaufgang gebucht. Wir wollten auf den Bromo, der auf 2400m Höhe liegt. Er zählt als aktivster und landschaftlich spektakulärster Vulkan der Insel Java. Wir wurden also abgeholt. Der Vulkan ist 90km von Surabaya entfernt – veranschlagte Fahrzeit: 3 Stunden. Nachdem sich unser Guide nach unserer Nationalität erkundigt hatte war es aber auch schon genug mit Smalltalk. „Good Night“. Er versicherte uns, sanft zu fahren. Und schon schossen wir von Schlagloch zu Schlagloch. Wer hier schlafen kann ist mir ein Rätsel. Als er dann auch noch anfing, die Lieder seiner CD mitzusingen, war die Ruhe sowieso gelaufen. Erstaunlicherweise war der Verkehr um diese Uhrzeit besser als tagsüber. Was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Der Guide muss früher mal Rennfahrer gewesen sein, so wie er durch die Straßen schoss. Immer mehr gingen die Straßen bergauf und wurden kurviger. Das war auch sein Startschuss, sich abzuschnallen, damit er sich sportlicher übers Lenkrad lehnen und in die Kurven schauen konnte. Eine Stunde schossen wir wie die Gestörten die engen Serpentinen hoch. Wohlgemerkt bei Stockdunkelheit und beschlagener Scheibe, aus der er selbst nichts mehr sehen konnte. Glücklicherweise blieben abermals alle Reiseteilnehmer unverletzt und auch die befürchtete Reiseübelkeit blieb aus. Mit wackeligen Beinen jedoch stiegen wir um 2 Uhr aus dem Auto. Es war schon recht kalt da oben, daher hatten wir alles, was wir noch an sauberer Kleidung besitzen, auch an. Allerdings übertrieben es die Einheimischen, die sich auf den Straßen aufhielten, mal wieder komplett. Mit Daunenjacken, Mützen, Handschuhen und in Decken eingewickelt wimmerten sie. Selbst für die Frostbeule der Reisegruppe übertrieben.

Wir waren noch nicht einmal einen Meter vom Auto entfernt, schon stand ein Straßenverkäufer mit seinem Bauchladen vor uns. Mützen, Schals und Handschuhe hatte er im Angebot. Zunächst scheuchten wir ihn weg, so einen Touri Quatsch braucht doch keiner. Doch als es dann zunehmend kälter wurde, kamen wir reumütig angekrochen und legten uns eine „Bromo-Wollmütze“ für unschlagbare 2 Euro zu – Dank guter Verhandlungskünste. Ich war der festen Überzeugung, wir hätten Partnerlookmützen in grau erworben. Ich sollte eines Besseren belehrt werden.

Der Guide erklärte uns, dass der Jeep, mit dem wir weiterfahren würden, erst um halb 3 komme, weshalb wir noch etwas warten müssten. Was gibt es schöneres, als nachts bei Kälte und Dunkelheit an einer Straße zu stehen und zu warten. Der Jeep kam tatsächlich und wir machten uns auf Richtung dem Aussichtspunkt Penanjakan auf dem gleichnamigen Berg. Von den fast 2800m Höhe hat man den Bromo, weitere Vulkane und die Wolkendecke ideal im Blick. Es ging also los mit dem Jeep, steil die Serpentinen hoch, Jeep an Jeep. Das Ganze hatte etwas von einem Flugsimulator mit der Themenwelt Mondlandschaft. Wir hatten schon größte Befürchtungen bezüglich einer Touri Invasion.

Oben angekommen – es war gerade mal 3.30 Uhr – machten wir uns mit unserem Guide auf in Richtung Aussichtspunkt. Vorher kehrten wir allerdings noch in einen „Coffeeshop“, wie er es nannte, ein. Das sind ganz viele kleine Holzhütten auf dem Berg, in denen es Bänke und sogar kleine Lagerfeuer gibt. Hier warten die Touristen, bis sie Richtung Aussichtspunkt laufen. Schließlich ist es viel zu kalt und windig vor der Hütte. Der Plan war, um 4.45 Uhr loszugehen. Da saßen wir also, frierend, müde und mit wenig Gesprächsstoff für eine so lange Zeit mit unserem Guide. Er organisierte uns erstmal zwei warme Tee und ein paar frittierte Bananen – was man halt so braucht. Er erklärte uns, dass er die Europäer vom Aussehen her nicht auseinanderhalten könne. Ein Glück, dass ein Teil der Reisegruppe extra seine Warnlichtjacke dabei hatte, sodass ihm dies erleichtert würde. Er klärte uns auf, dass es drei Aussichtspunkte gebe, sein Favorit sei der höchst gelegene, zu dem man etwas „Trekking“ machen müsse. Also ging es für uns den sandigen und vor allem rutschigen Hügel hoch. Das Problem da oben ist, dass es so sehr windet, dass das ganze Sand ständig aufgewirbelt und in die Augen geblasen wird. Daher ist es ratsam, einen Schal oder in Buff-Tuch bis über die Augen zu ziehen. Oben angekommen breitet unser Guide eine Plane auf dem Boden aus. Auf dieser verharren wir, bis langsam um 5.30 Uhr die Sonne aufgeht. Einige Sandkörner in Nase und Mund später erstrahlt der Himmel in hellen Gelbtönen. Der Tag beginnt.

Die Wolken hängen über den Vulkanen. Witzigerweise hatten wir immer den falschen Vulkan als Bromo bezeichnet. Der Bromo ist der Vulkan ganz links unten, der Kleinste und Unscheinbarste von allen. Der große, mächtig aus der Wolkendecke herausragende Vulkan heißt Semeru und ist ebenfalls noch aktiv. Er ist der höchste Vulkan Indonesiens.

Die Menschenmasse neben uns erwacht auch so langsam und beginnt, sich in jeglicher Pose am Abhang zu positionieren. Wir warten noch, bis die ersten Sonnenstrahlen auf unseren Aussichtspunkt fallen und tun es ihnen gleich. Mit der Sonne wird es auch gleich etwas wärmer. Hier stellte ein Teil der Reisegruppe dann auch endgültig fest, dass wir keine zwei grauen Mützen erworben hatten, sondern eine Graue und eine wunderschöne Rosane. Richtiger Jackpot. Allerdings waren wir extrem froh um dieses Gadget. Der Wind in Kombination mit dem Sand wären sonst noch unangenehmer gewesen. Nachdem alles im Kasten war machten wir uns auf den Rückweg zum Jeep.

Nächster Programmpunkt: den Krater des Bromo besteigen. Kann ja nicht so schwer sein. Es ging also wieder den steilen Weg bergab, bis wir kurz vor dem Vulkan standen. Bevor wir los konnten, stand erst noch das obligatorische „Fotomachen mit dem Jeep“ bevor. Also erstmal schön posiert und weiter gings. Am Fuße des Vulkans ging es schon munter zu. Auch hier war nichts als dunkler Sand, der durch die vielen Leute ordentlich aufgewirbelt wurde. Es gab die Möglichkeit, zu Fuß auf den Krater zu gehen oder ein Pferd zu chartern. Die Tiere werden von jeweils einem Einheimischen den Berg hochgeführt, bis man die letzten Meter per Treppe zurücklegen muss. Absolute Tierquälerei, wie sie die Pferde samt Touris auf dem Rücken den Berg hoch trieben. Wir entschieden uns für die konventionelle Variante und marschierten hoch. Doch gar nicht so ohne wie gedacht. Ziemlich steil ging es in dem schweren Sand bergauf.

Getragen vom Geruch der Pferde erreichten wir ganz außer Puste die Treppen. Glücklicherweise gab es immer wieder Einbuchtungen, in denen man pausieren konnte. Diese wurden selbstverständlich rege genutzt. Oben angekommen hatte man einen tollen Blick auf den rauchenden Krater. Nach einer kurzen Pause kehrten wir wieder um und machten uns auf die Suche nach unserem Jeep samt Guide. Erstaunlicherweise lief er uns direkt in die Arme. Und weiter ging die wilde Fahrt zurück zum Auto. Dort kehrten wir in ein Hotel zum Frühstücken ein, ehe es mit dem Auto zurück nach Surabaya ging.

Dieses Mal wählte unser Guide eine andere Route, da er bemerkt hatte, dass die rasante Fahrweise in den engen Kurven nicht bei jedem so gut angekommen ist.

Die Bromotour war nochmal ein schönes Highlight für das Ende unseres Urlaubs. Morgen geht es zurück nach Singapur, worauf wir uns wahnsinnig freuen. Es fühlt sich ein bisschen wie die Rückkehr in die Zivilisation an.

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