Der Blinde und der Lahme

Nach dem Regen kommt die Sonne. Durchgängig 22° C, kaum Wolken und vor allem kein Regen wurden für heute angesagt. Bestes Wetter für eine Fahrradtour um den Tegernsee. Aber kaum hatten die ersten Teilnehmer der Gruppe die Augen geöffnet, erhielten die Planungen einen herben Dämpfer. Ein Bremsenstich eines Gruppenmitglieds (lies hierzu auch Tag 2, „Obatzt Isch“) hat sich über Nacht böse entzündet. Der Fuß ist angeschwollen und es hat sich ein regelrechter Klumpfuß gebildet. Fachleute vermuten, dass hier mit unhygienischen Finger gekratzt wurde. Ähnlich wie an Tag 1, „Gasthaus Waldwinkel, wir kommen wieder“, wurde der Notfalltrupp losgeschickt und stand zur Ladenöffnung in der Apotheke Bad Endorf. Schnell wurde ein Bremsen-Notfallkit zusammen gestellt und mit Brötchen nach Hause gebracht. Eins von beiden hat geholfen und unsere Fahrradtour konnte stattfinden.

Los geht’s am Ziel unseres Ausflugs, dem Tegernseebrauhaus in Tegernsee am Tegernsee. Natürlich ist es schon bitter, wenn das Ziel der Reise mit jedem Trebbel kleiner wird. Auf der anderen Seite hielt es unsere Motivation hoch. Also nicht bummeln Gryffindors und trebbeln! Schon nach einigen Kurven an der traumhaften Uferpromenade stand für die komplette Gruppe fest: Der Tegernsee gefällt uns richtig gut! Auf den ersten Blick sogar etwas etwas besser als der Chiemsee.

Das Wasser war blauer, die Berge waren näher und die Uferdörfer beschworen noch mehr Urlaubsgefühle herauf. „Ein Glück, dass wir nicht am Wochenende hier sind“, schrillt es mehrmals von den Rasern in vorderster Front. Und tatsächlich hatten wir Glück! Die Wege waren teils sehr eng und Fußgänger hatten selbstverständlich immer Vorrang. Man möchte sich das Treiben nicht vorstellen, wenn die Promenade mit Touristen, Wandersleut und Tagesausflüglern voll gespickt ist.

Das Radeln mit Klumpfuss klappte den Umständen entsprechend gut. Einzig beim Absteigen zu diversen Fotoshootings konnten Außenstehende ein Humpeln erkennen. Gut fürs Team, dass heute kein Wandern auf der Agenda stand.

Nach ca. 3/4 der Tour setzte das erste Hungergefühl ein. Die Radmannschaft wollte kein Risiko eingehen: Am Nordzipfel des Sees lud der Biergarten „Gut Kaltenbrunn“ mit einer herrlichen Aussichtsterasse zur Pause ein. Jeder stärkte sich mit einer Käseplatte und einer kühlen Erfrischung. Ein Sprinter im Team bekam vom Trainer noch den Hinweis, doch bitte eine weitere Ladung Sonnencreme aufzutragen. Gesagt getan, schließlich widerspricht man dem Coach nicht.

Aufgrund des Fahrtwindes während der letzten Etappe musste genau diese Sonnencreme ins Auge des Radlers gelangt sein. Mit jedem weiteren Meter entzündete das Auge sich weiter, mehrmals musste zur Behandlung angehalten werden. Ohne Wasser und Spiegel ein aussichtsloses Unterfangen. Der Trupp ließ sich trotz allem nicht aufhalten und erreichte unter Tränen das Ziel.

Im Brauhaus saßen sie dann, der Blinde und der Lahme, und erfreuten sich des tollen Tages. Ein frisch gezapftes herzogliches Tegernsee Spezial und Apfelküchle mit Vanilleeis rundeten diesen ab. Auch hörten die Augen nach mehrmaligem Auswaschen, welches jeweils von der örtlichen Reinigungskraft mit 50 Cent quittiert wurde, auf zu tränen.
Ein schöner Tag ging somit zu Ende. Für das Radlerteam ist jedoch klar: Den Tegernsee sehen wir bald wieder.

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