Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Nach einem schnellen Frühstück im Hostel riefen wir uns, ganz local, einen Grab. Grab? Das ist eine App, über die man sich Fahrer organisieren kann, ähnlich der App Uber. Ist total praktisch, da sie deutlich günstiger sind als Taxifahrer. Das Ziel sollte das Semenggoh Nature Reserve sein. Es ist eines der besten Orte, um semi-wilde Orangutans zu beobachten. Sie leben hier im Regenwald, schwingen sich von Baum zu Baum und können sich selbst versorgen. 30 Orangutans leben aktuell im Nature Reserve. Einige von ihnen wurden aus Gefangenschaften gerettet, sind Waisen oder wurden in Semenggoh geboren. Die Wenigsten sind komplett wild, das heißt, die wenigsten können sich selbst ganz versorgen. Die Meisten kommen in unregelmäßigen Abständen zu den Fütterungsstellen, an denen es Bananen, Kokosnüsse oder Eier gibt. Die Fütterungen finden zweimal täglich statt. Eine Garantie, wirklich Affen zu Gesicht zu bekommen, gibt es nicht. Ranger werfen den Tieren Bananen und Kokosnüsse zu, während die Affen gemütlich an Seilen hängen.

Unser Grab-Fahrer war ein junger Bursche, der es sich zum Ziel gesetzt hatte, uns pünktlich um 9 Uhr am Reservat abzusetzen. Da wir mit Verspätung starteten und der Verkehr Stuttgart ähnliche Züge annahm, war dies lange nicht in Aussicht. Doch der patente Kerl scheute keinen Schleichweg und kein Überholmanöver, um uns sogar 15 Minuten eher ans Ziel zu bringen. Er wartete vor Ort auf uns, um uns anschließend wieder nach Kuching zu bringen.

Wir hatten mal wieder rießiges Glück. Schon bei unserer Ankunft am Headquarter hing ein großer Orangutan auf drei Meter Höhe und kaute genüsslich an den Bananen. Nach einem kurzen Regenwaldwalk zur zweiten Fütterungsstelle staunten wir ziemlich. Die Ranger hatten noch gesagt, man solle nicht enttäuscht sein, wenn nur ein Tier zur Fütterung kommen. Das sei normal. Als wir die Plattform erreichten befanden sich schon vier Affen in nächster Nähe. Und zwei weitere kamen kurze Zeit später hinterher.

Sehr interessant, dass Orangutans WIRKLICH Kokosnüsse essen. Und das witzigste ist, wie sie sie öffnen. Zuerst wird die Faserschicht um die Schale mit Händen und Füßen abgerupft. Und dann schlagen sie die Kokosnuss so lange gegen einen Baum, bis sie sich öffnet und die Milch heraus läuft. Manche sind etwas verpeilt und zu langsam, sodass die ganze Milch raus gelaufen ist, bevor sie zum Trinken ansetzen können. Die Geschickteren unter ihnen trinken den Inhalt dann ganz genüsslich aus.

Witzige Facts:

1. Bei den Affen trafen wir mehrere Touris, die zuvor schon mit uns im Bako Nationalpark waren und teilweise sogar in unserem Hostel wohnen. Da zeigt sich mal wieder, die Tourimagneten ziehen einfach.

2. In unserer neuen Unterkunft werden neue Gäste nicht mit „Herzlich willkommen“ empfangen, sondern mit „Schuhe ausziehen!“. Das gesamte Hostel ist schuhfrei.

3. Japanisch-koreanisches Essen schmeckt uns hier bisher am besten.

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