Die Zeit im Land für Asieneinsteiger ist nun schon wieder vorbei. Auf Wiedersehen, Singapur und rein ins Abenteuer Indonesien. Mit einem Grab ging es ganz entspannt an den Flughafen in Singapur. Dieser ist nicht nur riesig, sondern auch bestens organisiert. Den Check-In sowie die Gepäckaufgabe übernimmt man hier erstmal selbst. Im Innenbereich gibt es kostenlose Wasserstationen, Rutschen und sonstiges, um einem die Wartezeit zu verkürzen. Der Flieger war mal wieder bis auf den letzten Platz voll. Liegt vielleicht daran, dass in Asien gerade Sommerferien sind und daher auch viele Familien verreisen. Die Kinder sind nämlich meistens die Nervigsten im Flieger. Meistens schreien sie so lange, bis ihre Eltern ihnen Süßigkeiten geben. Dass sie schon ganz schwarze Zähne haben scheint niemanden zu stören. Während des Fluges bekamen wir ein Frühstück, gebratene Nudeln mit Gemüse. Was man sich eben so als Frühstück wünscht.


Der Anflug über Jakarta war schon sehr eindrücklich. Viel gesehen hat man aufgrund des starken Smogs nämlich nicht. Außer, dass die Stadt einfach nur riesig sein muss. Die indonesische Hauptstadt ist mit 10 Millionen Einwohnern auch die größte Stadt Südostasiens und der zweitgrößte Ballungsraum weltweit. Für meinen Geschmack verlief die Landung mal wieder mehr als holprig, aber wir erreichten den Flughafen sicher. Auch die Einreise klappte problemlos. Am Flughafen angekommen zeichnete sich mal wieder ab, wie ich es vor einigen Jahren selbst in Indonesien erlebt habe: die Menschen gucken. Viel eher, sie starren. Komisch eigentlich, dass dies selbst in der Hauptstadt so ist. Aber gut. Glücklicherweise ist die „Mitfahrerapp“ Grab auch in Indonesien angesiedelt. Wie sich herausstellen sollte, so stark, wie in keinem anderen asiatischen Land. Wir buchten uns also einen Fahrer, der uns ins Hotel bringen sollte. Für eine Stunde Autofahrt zahlten wir 9 Euro für zwei. Guter Preis.
Man merkt sehr schnell, dass man nicht mehr im sauberen, geordneten und behüteten Singapur ist. Hier gelten andere Regeln auf der Straße. Nicht nur, dass einfach tausend mal so viele Fahrzeuge unterwegs sind, sondern auch, dass sämtliche Verkehrsregeln nichtig werden. Erstes Gebot: der Stärkere gewinnt. Zweites Gebot: Hupe, wenn du überleben willst. Drittes Gebot: Fahre bis aufs Äußerste an den Vordermann heran, damit sich kein anderer dazwischen drängen kann. Getreu diesen Geboten bahnten wir uns unseren Weg in die Stadt. Dabei kamen wir oftmals durch Gegenden, bei denen wir beide hofften, dass er nicht hier an unserem Hotel anhält. Doch wir hatten Glück: das Holiday Inn Hotel befindet sich zwar direkt neben einer sehr armen Wohngegend auf der einen Seite, zur anderen Seite ist jedoch wieder Zivilisation, wie wir sie kennen. Um zum Hotel zu gelangen, muss man erst an drei Wachmännern und einem mit Stacheldrahtzaun überzogenen Tor vorbei. Warum wir so gut geschützt sind weiß keiner.

Das Zimmer ist mit Abstand das beste und größte, das wir bisher hatten. Woran man das merkt? Wir können beide gleichzeitig unsere Koffer öffnen, welch ein Luxus. Wir starteten direkt mit der Erkundungstour der Gegend. Das Ziel – das Monumen Nasional, das Denkmal für indonesische Unabhängigkeit. Nach nur wenigen Metern standen wir vor einem Einkaufszentrum, einer Mall. Man muss wissen, dass die Asiaten total auf Malls stehen und sich die Bevölkerung hier sammelt. Wir schauten uns drinnen etwas um und es ist einfach der Wahnsinn, wie immer wieder versucht wird, den Westen zu adaptieren. Sämtliche Marken, die man sich nur vorstellen kann, sind hier vertreten: von Adidas über The North Face, dem BodyShop und vielen weiteren war wirklich alles dabei. Mein Lieblingsort in der Mall: das Kinderparadies, in dem wirklich nichts unmöglich bleibt. Augrund der Größe der Mall verzettelten wir uns hier etwas, ehe die Tour draußen weiter ging.

Dabei verliefen wir uns direkt und landeten in besagter Wohngegend, durch die wir zuvor gefahren waren. Für meinen Geschmack sehr spannend und eindrucksreich. Hier leben die Menschen zwar eher spartanisch, können aber offensichtlich sehr wohl für ihren Lebensunterhalt sorgen. Die meisten haben ein kleines Geschäft bzw. einen Stand, an dem sie Essen oder sonstiges anbieten. Natürlich wurden wir hier besonders inspiziert. Nach einiger Zeit gelangten wir zurück an die Hauptstraße. Inzwischen befanden wir uns inmitten der Rush Hour, der absolute Wahnsinn. Tausende von Motorrädern, die sich ihren Weg zwischen den Autos durch bahnen. Die Autofahrer, die sich über die Motorräder aufregen und die Rikschafahrer, die sich mit ihrem Dreirad überall dort durchquetschen wollen, wo sich eine Lücke auftut. Absolutes Chaos. Dies alles sorgt für eine brutale Atmosphäre innerhalb der Stadt: es ist laut, es wird gehupt, der Smog hängt sichtlich über der Stadt, die Gerüche reichen von „Oh lecker“ bis zu „Oh Gott das ist unterträglich“.






Die Distanzen sind sehr sehr groß. Am Nationalmonument angekommen waren wir rein Kartenmäßig noch gar nicht so weit gelaufen, doch mit dem Umweg war es dann doch ganz schön weit. Leider ist das Monument montags geschlossen, wie sich herausstellte. Für uns nicht weiter schlimm, ist es doch eigentlich nur ein großer Turm im Nichts. Asiaten hingegen stehen voll auf sowas und scharten sich am Tor zum Monument. Laut Reiseführer sollte die „Altstadt“ Jakartas sehr schön sein. Also machten wir uns weiter auf den Weg dorthin. Da diese doch ein Stück entfernt war, versuchten wir uns am Rauswinken eines Taxis. Gar nicht so einfach. Der erste Kollege, der anhielt, wollte uns direkt über den Tisch ziehen und nannte einen utopischen Preis für die Fahrt. Auf unser Verhandlungsangebot stieg er nicht ein. Also ging die Suche weiter. Der nächste Gauner war nicht weit. Er nannte uns als Einstiegspreis einen noch höheren, als der Gangster zuvor. Doch immerhin ließ er mit sich handeln. Zunächst wollte er auf unser letztes Angebot nicht eingehen. Doch als wir dann weg liefen, kam er uns reumütig hinterhergelaufen und nahm es an. Gut verhandelt. Gut auch, dass wir uns fahren ließen, die Strecke war doch wirklich sehr weit. Der Verkehr war unglaublich. Wir kamen nur schleppend voran. Irgendwann wurde es auch unserem Fahrer zu blöd und er entschied sich, kurzzeitig in den Gegenverkehr zu fahren, um somit eine Abkürzung zu nehmen und weiter vorne wieder in die richtige Spur einzusteigen. Krasser Typ und beeindruckende Aktion.

In der „Altstadt“ angekommen kam es kurzzeitig zu Reizüberflutung. Unglaublich viele Menschen wuselten hier herum, tausende von fahrbaren Essensständen und Gerüche, die kein Mensch auf einmal verarbeiten kann. Auf einem großen Platz sammelte sich dann alles, was zuvor gewuselt war. Die Menschen saßen in Gruppen zusammen, aßen, und unterhielten sich. Kaum hatten wir den Platz betreten schon standen einige junge muslimische Mädchen vor uns und baten uns um ein kurzes Interview. Sie hatten von der Krankenschwesternschule die Aufgabe, Menschen auf Englisch anzusprechen, ihnen Fragen zu stellen, sie anschließend unterschreiben zu lassen und eine kurze Einschätzung bezüglich des Kenntnisstandes ihres Englischs einzuholen. Da kommen zwei helle Europäer genau richtig. Nachdem wir beantwortet hatten, wie es uns in Indonesien gefällt, wie wir es erleben und woher wir kommen mussten wir unterschreiben. Dabei machten sie „heimlich“ Bilder von uns. Eines der Mädchen haute dann doch tatsächlich noch ein paar Brocken deutsch raus, was uns ziemlich beeindruckte.

Man darf sich die Altstadt natürlich nicht wie eine Altstadt bei uns vorstellen. Dennoch schien die Gegend das Drehkreuz für die Bevölkerung Jakartas darzustellen. In einem Café machten wir bei einem kurzen Kopi, der einheimische Kaffee, Pause.

Der interessanteste Teil des Tages sollte kurz darauf folgen. Um zur Mall und somit zum Abendessen zu gelangen, winkten wir einen Rikschafahrer heraus, mit dem wir nach kurzer Verhandlung einig wurden. Der gute Mann war der Wahnsinn. Erstmal fuhr er als Geiserfahrer die übelsten Manöver, indem er versuchte, dem entgegenkommenden Verkehr auszuweichen. Dabei drückte er sich durch die kleinsten Lücken, schanzte über den Bordstein und raste, was das Zeug hielt. Kurze Zeit später reihte er sich wieder in den normalen Verkehr ein. Doch auch hier dachte er nicht daran, sich gesittet zu verhalten. Er hupte, drückte sich auf wenige Millimeter Abstand an Autos vorbei in die erste Reihe der roten Ampel, überfuhr mehrmals fast Motorradfahrer und bremste nur um haaresbreite vor den Fahrzeugen vor ihm. Witzigerweise mussten wir dann noch tanken. Das läuft wie folgt: er hält an einem Holzstand am Straßenrand, der Verkäufer füllt grüne Flüssigkeit in eine Plastikflasche ab, der Fahrer zahlt 50 Cent und die Flasche wird in die Rikscha gekippt. Fertig. Und weiter ging die wilde Fahrt. Am Ende war ich heilfroh, dass wir ohne Todesfall an der Mall ankamen. Hier meinte der Fahrer, noch kurz auf Smalltalk gehen zu müssen, erkundigte sich, woher wir kommen und ob ich schwanger sei. Danke fürs Kompliment. Zwei Handschläge später befanden wir uns in der Mall, wo wir uns erstmal gründlich die Hände desinfizierten.


In der Mall hatten wir uns nachmittags schon ein indonesisches Restaurant ausgesucht, in dem wir zu Abend essen wollten. Und es hat sich gelohnt. Sehr leckere Küche zu super Preisen.



Zitat des Tages von einem Teil der Reisegruppe: „Also in der Mall hat es mir heute am besten gefallen.“
Morgen geht es für uns mit dem Grab weiter in die Stadt Bogor, mal sehen, was uns hier erwartet.