08.30 Uhr: So sauber waren unsere Räder noch.
10.30 Uhr: So dreckig waren unsere Räder noch nie.
Aber der Reihe nach. Ein Besuch beim Bäcker im Nachbardorf ließ alle aufatmen – das Frühstück der nächsten Tage ist gesichert. Leider konnte dieses nicht auf dem eigenen Balkon verspeist werden, da die Sonne schon so brannte, dass wir nicht schon nach dem Frühstück mit einem Sonnenbrand starten wollten. Für den Nachmittag waren schwere Gewitter vorhergesagt, weshalb wir gleich nach dem Frühstück mit dem Fahrrad Richtung Chiemsee starten wollten. Etwas die Gegend erkunden und endlich den See sehen. Die Fahrräder hatten die erste Nacht in Almersham auf dem Träger am Auto verbracht. Die Reisegruppe hatte das am Vortag einstimmig beschlossen, um sie mithilfe des Regens etwas sauber zu bekommen. Gesagt getan. So sauber waren unsere Räder noch nie. Nach kurzem Aufpumpen, Ölen und Einstellen ging es dann endlich los.
Über die Felder sollten wir bei praller Sonne in 15 Kilometern am Chiemsee sein. Der Navigator der Reisegruppe lotste die ahnungslosen Mitfahrer gleich auf den ersten Metern in Richtung Wald. So weit so gut. Was uns dort allerdings erwartete, ist nur schwer nachvollziehbar. Durch den starken Regen in der Nacht hatte sich der Waldboden auf dem wir „fuhren“ zu einem Sumpf entwickelt, der alles, was nur etwas schwerer war, in sich einsog. So kämpften wir uns im ersten Gang bergauf zwischen Sumpf und nassem Gras durch den Wald. So dreckig waren unsere Räder noch nie. Man hätte ja umdrehen können…wären wir nicht zuvor ewig bergab gefahren, um in diesen Wald zu gelangen. Es halft nichts – volle Fahrt voraus. Bis ein Reiseteilnehmer stecken blieb und absteigen musste. Sandalen sind da natürlich klar von Vorteil. Und als dann auch noch die Bremsen anfingen, sich unter die Haut zu saugen, war der Tagesstart perfekt.

Es stellte sich heraus, dass die Navigation auf Mountainbikes ausgelegt war. Spätestens als uns ein Gaul entgegen kam war klar, wir müssen auf einen normalen Weg. Daher ging es genauso Offroad, wie wir in den Wald gelangt waren, auch wieder raus. Weiter ging es durch wahnsinnig idyllische Wiesen, Bauernhöfe in Richtung Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Kaum hatte man den ersten See hinter sich gelassen, stand man schon am nächsten. Überall waren bereits Badegäste unterwegs, schließlich war eine Bollenhitze. Einer der Seen entpuppte sich als „Rentnersee“ – hier gingen ausschließlich Rentner baden. Das hat schon was, Sonntags bei gutem Wetter zu entscheiden, spontan mit dem Rad an einen See zu fahren, mitten im Wald die Hosen runter lassen und baden zu gehen. Diesen Move heben wir uns für die nächsten Tage auf.

Nach einigen Hitzeattacken später erreichten wir Gstadt am Chiemsee (Oder auch „Gestadt“, wie andere sagen würden). Allerdings hauten uns die ortsansässigen Kneipen, Restaurants und Eisdielen nicht wirklich vom Hocker, weshalb wir uns nochmals in die Hitze schleppten und Fahrt Richtung Gollenshausen nahmen. Hier sollte ein tolles „Seehäusl“ direkt am See zum Einkehren sein.


Allerdings entpuppte sich das Seehäusl ebenso wie alles andere rund um den See als absoluter Tourihotspot. Da uns so viele fremde Menschen nicht geheuer waren, ging es weiter ins Ortsinnere. Und unser guter Riecher sollte belohnt werden. In einem Biergarten abseits des Trubels machten wir Rast und konnten endlich einen herrlichen Obatzter genießen.

Nach ausreichender Erfrischung kam der harte Teil der Route – der Rückweg. Gar nicht so ohne, dann nochmal 15 Kilometer zu machen. Mit Sonnenbrand im Gepäck erreichten wir mit weiteren Matscheinheiten Almertsham. Gücklicherweise noch im Trockenen.
