Unsere Schönwetter Glücksträhne sollte laut Wetterprognose mit dem heutigen Tag enden. Ab 14 Uhr waren Gewitter und der dazugehörige Starkregen angekündigt. Entsprechend wurden die Reiseaktiviäten nach vorne gelegt. Der Wecker klingelte um Viertel vor 7 Uhr, auf den üblicherweise recht trödligen Brötchenlieferservice wurde aus Zeitgründen verzichtet. Stattdessen gab es ein kleines Blitzmüsli. Genug Energie, sodass es alle Teilnehmer auch sicher bis zum Auto schafften, unterwegs folgte dann noch ein zweites Frühstück „to go“ vom Bäcker. Schließlich wollten wir um 14 Uhr mit unserem Programm durch sein, wie gesagt, der Starkregen…
Entsprechend empfahl der neue Reiseleiter für den heutigen Tag dringend eine Regenjacke. Nicht gebraucht werden hingegen unsere Wanderstöcke, schließlich „laufen wir nur ein bisschen an einem Bach herum“. Am Ende kommt noch irgendeine Hütte, Vesper brauchen wir deshalb auch nicht. Aber eine Badehose samt Badehandtuch wird empfohlen. Pfiffige Teilnehmer cremten sich sicherheitshalber auch noch den Rücken ein, das kann bei einem Badeausflug nie schaden. Schließlich soll die Sonnencreme vor dem Baden mindestens 20 Minuten einziehen! Ansonsten hielt sich die Reiseleitung bezüglich des heutigen Vorhabens bedeckt.
Wir waren kaum unterwegs, schon ging es los. Stau (+40 Minuten), Blitz, Donner, grauer Himmel und natürlich Regen. Glücklicherweise waren wir mit einer befreundeten Reisegruppe aus dem Schwarzwald verabredet, sonst hätten wir eventuell schon auf halber Strecke umgedreht. Nach zähen 80 Minuten Autofahrt erreichten wir den anvisierten Wanderparkplatz bei Garmisch Patenkirchen. Fröhlich wurde sich mit der weiteren schwäbischen Gruppe begrüßt: Hallöle!
Das Wetter soll sich in den Bergen angeblich immer sehr schnell ändern. Auf jeden Fall war in Garmisch bestes Wetter und unsere Erzählungen von Gewitter wurden mit leichtem Stirnrunzeln unserer heutigen Weggefährten zur Kenntnis genommen. „Wie dem auch immer“, wir freuten uns über die Sonne und machten uns auch umgehend auf den Weg. Die nun zwei Reiseführer vorne weg, die zwei Gepäckesel hinterher.

Nach 10 Minuten erreichte die Gruppe den eigentlichen Startpunkt unseres heutigen Ausflugs. „Höllentalklamm“ stand auf dem Schild. Aha. Das Klima änderte sich schlagartig, gefühlt wurde es direkt drei Grad kälter, die Luft ist frisch und klar bei jedem Atemzug. Entgegen der angekündigten Reisebeschreibung ging es jedoch recht schnell und recht kontinuierlich bergauf. Nach fünf Minuten war von der Sonnencreme auf dem Rücken wahrscheinlich nichts mehr übrig.


In Serpentinen schlängelte man sich immer in Sichtweite vom türkis-blauen Hammersbach nach oben. Die Lücke zwischen den Gepäckeseln und den Reiseführern wurde immer größer. Teile der Gruppe empfanden die Wanderroute als deutlich angenehmer, als unser Familienwanderweg am Walchensee. Andere dachten sich: „Gut“, dass wir die Stöcke im Auto haben.
Nach zahlreichen Verschnaufpausen erreichten wir endlich die Hütte. Dachten wir. Eingangshütte stand auf dem Dach der Hütte. Hier geht es scheinbar erst los, klingelte es dem Esel im Kopf. Das Bild der eiskalten Erfrischung zerplatzte bei ihm schlagartig. 5 € Wegzoll wurden zusätzlich verlangt. Danach wurde es aber spektakulär, das Geld hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es präsentierte sich eine eindrucksvolle Landschaft, welche die unglaublichen Kräfte der Natur offenbarte. Es folgten ein ca. 1 km langer verschlungener Weg über Brücken, Stege und Tunnel in mitten von 150 Meter hohen Felswänden des Zugspitzmassivs. Die Hammersbach tobt schäumend über Felsvorsprünge und wird dabei von zahlreichen Wasserfällen gespeist.
Die von der Reiseleitung empfohlenen Regenjacken zahlten sich nun ebenfalls aus, schützten sie die Bergsteiger gut vor dem herunterprasselnden Gebirgswasser. Es bleibt ein Geheimnis der Reiseleitung, ob diese Voraussicht auch so beabsichtigt war.







Um 13 Uhr erreichte die durchnässte Gruppe den Ausgang der Klamm. Theoretisch könnte man nun noch weiter zur Hütte aufsteigen. Von dieser gibt es scheinbar auch eine Querverbindung zu einer Gondel. Alles in allem ein Unterfangen von noch mehreren Stunden. Zu riskant bei dem gemeldeten Gewitter. Also machte man Pause, bevor es den selben Weg zurück ging. Jetzt ein Vesper, wäre natürlich klasse…
Der befreundete Gepäckesel rettete uns und zauberte aus seinem Rucksack ein Bergsteigermenü für jeden von uns: Bio Apfel mit Gipfelbier. Ein Traum.

Die Pause verflog im Nu, jeder hätte gerne noch etwas länger im schönen Felsmassiv verweilt. Da wir aber auch nicht vom Starkregen durch die Klamm gespült werden wollten, ging es im Sauseschritt wieder zurück. Bergrunter war die Strecke schnell gemeistert und um Punkt 14 Uhr erreichten wir die Eingangshütte der Klamm. Nichts zu sehen von Gewitterwolken. Also nutzen wir die Gunst der Stunde für eine weitere Pause und ergatterten den besten Platz der Hütte. Rücken an Rücken auf einer Bank mit Blick ins Tal. Es war traumhaft. Und damit auch noch nicht genug. Nun war es auch endlich soweit: Teilnehmer der Gruppe bekamen den lang ersehnten ersten Kaiserschmarrn dieses Urlaubes. Und es war „der beste Kaiserschmarrn seines Lebens“. Laut der ansässigen Kaiserschmarrn Experten muss dies wahrscheinlich an den karamellisierten Einzelstückchen liegen. Eventuell überflügelte aber auch einfach nur die Vorfreude nach so vielen Anläufen gepaart mit einem herrlichen Panorama.

Nach der vorzüglichen Mahlzeit ging es dann aber auch recht zügig weiter bergab. Zwar hatten wir die schlimmste Passage schon hinter uns, aber wir müssen den Wettergott auch nicht herausfordern. Und das war auch gut so. Kaum setzen wir unseren Fuß aus dem Tal, setzte auch schon die große Dusche ein. Da hatten wir wohl alles richtig gemacht.

Keine 10 Minuten später, wir waren noch nicht am Auto, war von Regenwolken wieder nichts zu sehen. Das Wetter ist in den Bergen tatsächlich schnell.
Wenn das so ist, können wir ja noch spontan etwas unternehmen. Und wer hätte es gedacht, heraus kam ein weiterer See für unsere Seen Sammlung: Mit einem kühlen Bier vom örtlichen Bierautomaten ausgestattet ging es zum nahe liegenden Eibsee (oft auch Albsee genannt), direkt am Fuße der Zugspitze. Wir waren kaum am See angekommen, schon regnete es wieder ordentlich. Regenjacken waren natürlich im Auto, schließlich war ja eben noch super Wetter. Wir hatten uns kaum richtig untergestellt, schon hörte es auch wieder auf. Und nun bot sich uns ein toller Anblick. Der Regen hatte fast alle Touris rund um den Eibsee/Albsee weggespült. Zusätzlich dampften die am gegenüberliegenden Ufer stehende Bäume wieder das Regenwasser aus. Ein äußerst mystischer und entspannender Anblick.




Blöd nur, das wir unsere Badeausrüstung einmal komplett durch die Klamm getragen haben und das diese jetzt wohlbehütet im Kofferaum liegt. Naja nicht so schlimm, wir wurden heute ja schon ein paar Mal nass.
Nach gut zwei Stunden setzte so langsam der Hunger ein. Nun hieß es ein Restaurant zu finden, mit welchem alle Teilnehmer leben können. Und wir fanden eine sehr gute Lösung. Eine Bio Brauerei mit mehreren veganen Gerichte auf der Karte. Da war für jeden etwas dabei. Ein toller Abschluss für einen wunderschönen und ereignisreichen Tag.
