Der Zauberstab sucht den Zauberer

Um 08:00 Uhr schallte es erstmals „Guten Morgen Campingplatz“ aus unserem Kofferraum. Mit großer Spannung wurde die erste Nacht im Auto erwartet und sie verlief unerwartet gut. Das Bett ist sehr gemütlich und die komplette Van Besatzung hat sehr gut geschlafen. Auch das nächtliche Toilettenmanöver im Dunkeln hat unfallfrei geklappt. Die Camper Mannschaft kann sich nun bedenkenlos auf die kommenden 14 Nächte freuen. Recht zügig ging es nun an die Frühstücksvorbereitungen. Wie es sich für richtige Camper gehört, natürlich im Freien.

Nach dem Frühstück ging es duschen, bevor sich die Camping Crew zur Lagebesprechung zusammenfand: Eine weitere Nacht auf dem Campingplatz, Stirling, Loch Lomond oder ein Parkplatz Nähe Glasgow standen zur Debatte. Das Team entschied sich aufgrund der kurzen Distanz für Glasgow. Die Freiheit des Campens ist schon etwas Schönes.

Vor Abreise mussten die Tanks noch gefüllt bzw. entleert werden. Die Teams waren schnell gebildet. Die Wasserschlepper vom Vortag füllten die Frischwasserreserven auf, während der Fäkalientrupp sich um seine „Geschäfte“ kümmerte. Alle Teams meisterten ihre Aufgabe mit Bravour und schon konnte es los gehen in Richtung Glasgow.

Nachdem sich die neue Fahrerin auf dem Campingplatz etwas aufgewärmt hat, ging der wilde Ritt los. Neben dem berühmten Linksverkehr hat die britische Straßenführung noch einiges mehr zu bieten. Schlaglöcher, getarnte Bremsschwellen oder unser Favorit: zweispurige, aneinander gereihte Doppelkreisel, welche die Einheimischen auch einfach mit etwas Anlauf gerade aus überfahren. Aufgrund der ungewohnten Verkehrsführung konnte deswegen auch nicht immer den Empfehlungen des Navis gefolgt werden. Im Zweifel folgte man immer dem freundlichen Fahrer voraus und korrigiert dies wieder mit einem clever eingesetzten U-Turn. Nach 30 schweißtreibenden Minuten erreichten die Camper stolz und zufrieden ihren Zielparkplatz. Mit dem Doppeldeckerbus (natürlich oben und vorne bei den Strebern) ging es in 30 Minuten hinein in Schottlands größte Stadt.

Kaum angekommen, hieß es erst einmal eine Kleinigkeit snacken, bevor wir die Stadt erkunden. Wir suchten uns ein kleines schickes Café in einem Innenhof aus, landeten aber versehentlich im spanischen Tapas Restaurant. Auch nicht schlimm, kann man ja auch gut snacken.

Gestärkt ging es dann durch die Gassen Glasgows hin zur Cathedral in East End. Die Kathedrale war wie üblich wieder recht schnell mit einem kurzen „das ist sie?“ besichtigt. Hinter der Kathedrale erstreckt sich über einen grünen Hügel die große, aus dem 19 Jh. stammende Nekropole. Eine Ansammlung von vielen kunstvollen viktorianischen Grabmälern bedeutender Bürger Glasgows.

Auf dem Rückweg zum Zentrum wollten einige Teilnehmer noch spontan die University of Strathglyde besichtigen. Schöne Gänge und beeindruckende Klassenzimmer erfreuten die Uni Fans. Andere nutzen stattdessen die Gunst der Stunde für eine kleine Pipipause.

Nach dem Kulturprogramm ging es über zum Shopping im Zentrum. Recht schnell teilte sich die Gruppe auf, Fashion Fans vergnügten sich in den zahlreichen Modegeschäften, andere gönnten sich eine kleine Whiskyberatung im Fachgeschäft. Für kommende schöne Campingabende wurde vorsorglich eine kleine Verkostungsauswahl gekauft. Beim Bezahlen empfahl der nette Verkäufer das nur 5 Minuten entfernte Pot Still, eine Whiskybar, welche man als Whisky-Fan unbedingt gesehen haben soll.

Die Gruppe vereinigte sich wieder, der Packesel wurde beladen und gemeinsam schlenderte man wieder durch die Gassen. 5 Minuten später stolperte man zufällig am Pot Still vorbei…

Die Bar war tatsächlich sehr beeindruckend und begeisterte sogar die Nicht-Whisky-Trinker der Gruppe. Die Auswahl und Beratung erinnerte etwas an das Zauberstabfachgeschäft Ollivanders aus der Winkelgasse.

Nach einer super Beratung (wie immer haben wir nur die Hälfte verstanden) wurde sich für einen Old Pulteney, ein „maritimer“ Whisky ganz aus dem Norden Schottlands, entschieden. Andere wurden bei der überschaubaren Auswahl nicht fündig und wählten den üblichen Sauvignon Blanc. Den schottischen Barkeepern ist es wichtig, dass auf keinen Fall zu wenig in ein Glas eingeschenkt wird. Aus diesem Grund werden die Biergläser auch ohne Schaum bis zum Anschlag gefüllt. Alle anderen Getränke werden immer mit einem Messbecher abgefüllt. Das beinhaltet selbstredend auch den Wein. Dabei wird der Messbecher bis zum Überlauf mit Wein gefüllt, das Weinglas drüber gestülpt und mit viel Schwung umgedreht. Das Weinglas ist anschließend ordentlich gefüllt. Teile der Gruppe behaupten sogar felsenfest, dass der Messbecher auf eine halbe Flasche Wein genormt ist.

Nach der kleinen Kulturpause ging es weiter nach Glasgow West End. Das West End erinnert mit seinen trendigen Bars und Cafés und dem ungezwungenen Schick etwas an Berlin Kreuzberg. Zahlreiche tolle Restaurants laden zum Verweilen ein. Am Ende entschieden wir  uns für das Stravaigin. Neben einer kreativen asiatischen Küche wurden auch schottische Gerichte angeboten. Entsprechend wurde auch gewählt: Einmal indisch und einmal Haggis Neeps and Tatties, das schottische Nationalgericht. Letzteres war ein richtiges Schmankerl, wer „Leverknöpp“ mag wird, sich auch an Haggis erfreuen.

Nach dem Essen machten wir uns auf nach Hause. Wir entschieden uns gegen den Bus und für den Verdauungsspaziergang. Nach 1h idyllischer Wanderung am Kanal entlang erreichten wir wie immer müde und erschöpft unser neues mobiles Zuhause. Unser Parkplatz war in der Zwischenzeit komplett leer, wir sind die Nacht wohl für uns.

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