„Habt ihr das Loch schon gesehen?“

Erstaunlicherweise war auch diese Nacht im Camper mehr als gut. Trotz großer Befürchtungen einzelner Reisender konnte die Nacht ruhig und ohne Störenfriede von außen verbracht werden. Der über Nacht einsetzende Regen machte das ganze nur umso gemütlicher. Immer wieder interessant, wie kalt es nachts doch im Camper werden kann. Bei geöffnetem Dachfenster ein herrliches Schlaferlebnis.

Nach einem äußerst gemütlichen Frühstück und doch gar nicht so viel Regen wie angekündigt, ging es gegen 11 Uhr los in Richtung lokalem Tesco. Immer wieder herrlich, in ausländischen Supermärkten zu schmökern. Auch wenn man sie eigentlich schon kennt. Vor der Abfahrt vom Parkplatz quatsche uns noch ein Local an. Das passiert hier relativ oft. Die Menschen sind super nett und interessieren sich dafür, wer man ist, woher man kommt und wo es noch hin geht. So auch dieser Dude. Er fragte, ob wir schon das Loch hier um die Ecke gesehen hätten. Ein paar Leitungen später war klar, er meint den örtlichen See. Nein, hatten wir noch nicht!

Nach gefühlt einigen Stunden ging es mit einem erneut voll gepackten Einkaufswagen zurück zum Roadsurfer. Immer, wenn man dieses Auto fährt, fühlt man sich wie die beiden Gangster aus „Kevin allein zu Haus“, die in ihrem Kastenwagen durch die Gegend fahren.

Ein kleines Highlight gab es dann während der Fahrt doch noch: auf der Strecke lag eine kurze Unterführung, die durchquert werden musste. 2,80m war als mögliche Höhe angegeben. Nach kurzem Beratschlagen, ob der Roadsurfer durch passen könnte oder nicht, entschied sich die Mehrheit fürs klare Ja. Gesagt, getan. Gestriffen hatte es jedenfalls nicht am Auto. Doch echte Füchse machten sich weiter Gedanken darüber und schauten kurzerhand im Vertrag nach, wie hoch der Wagen denn eigentlich ist. Und siehe da, es konnte eine rechnerische Lücke aufgedeckt werden: 3,10m ist der Roadsurfer hoch. Komisch und gleichzeitig glücklich, dass das dann doch nochmal gut ging.

Einen kurzen Fahrerwechsel später sollte die wilde Fahrt an den Loch Lomond los gehen. Eigentlich nur 45 Minuten entfernt laut Navi. Spoiler: Die 45 Minuten fühlten sich allerdings deutlich länger an. Der größte See Großbritanniens verspricht am Westufer viel Tourismus, am Ostufer jedoch deutlich mehr Entspannung. Daher steuerte die Reisegruppe natürlich Richtung Ostufer, zum Campingplatz Cashel Campsite. Zunächst führte der Weg quer durch die Stadt, die engsten Gassen und größten Kreisverkehre entlang.

In der Hoffnung, dass es bald auf eine größere Straße geht, konnte die Großstadt hinter uns gelassen werden. Doch wirklich besser wurde das Fahrerlebnis nicht. Die Straßen wurden eher noch enger, kurviger und schlechter. Dafür wurde die Landschaft ringsum umso schöner. Genau so, wie man sich Schottland vorstellt: rau, windig, grau und grüne bzw. gelbe Felder mit Schafen übersät.

Das Fahren ist allerdings schon eine ganz schöne Herausforderung – für Fahrer wie auch Beifahrer. An den ersten Seeausläufern wurde es dann direkt nochmal enger und blieb einspurig. Die schottische Amalfiküste, wie Kenner sie auch nennen. Nach 45 Minuten wildem Drive konnte der Roadsurfer dann endlich auf dem Campingplatz andocken. Direkt am See gelegen und glücklicherweise ohne Regen. Was will man mehr?

Nun hatte die Reisegruppe Zeit zur freien Verfügung. Während sich die einen mit ihrem Campingstuhl ans Wasser setzten, bewegten sich die anderen ein Stück den See entlang. Also für jeden was dabei. Das gemeinsame Kochen konnte dann wieder als gemeinsame Freizeitaktivität betrachtet werden.

Zum Abendessen wurde dann erstmals die Außenküche angeschmissen, um Lachs zu braten. Natürlich kam es, wie es kommen musste: als es los ging setzte der Regen ein. Dafür war das Essen super lecker. Schon erstaunlich, was man mit so begrenzten Möglichkeiten alles zubereiten kann.

Bei übelstem Regen musste die Reisegruppe dann leider noch zum Spülen ausrücken.

Hoffen wir mal, dass es die Mücken heute Nacht gut mit uns meinen.

Kommentar verfassen