Hey’ya!

Eine regnerische Nacht am Lake Lomond endete um 8.30 Uhr. Heute war es deutlich wärmer im Camper als sonst. Aufgrund des abendlichen Regens konnte die Dachluke nicht ganz so weit geöffnet bleiben wie sonst. Dem guten Schlaf tat es dennoch keinen Abbruch. Mit einem Frühstück mit Seeblick sollte der Tag starten. Und es war quasi schon alles vorbereitet. Doch dann machte das schottische Wetter der Reisegruppe mal wieder einen Strich durch die Rechnung: Nieselregen vom Allerfeinsten. Also wurde widerwillig alles ins Innere des Campers verfrachtet und drinnen gegessen. Auch gemütlich.

Nach der Spülaction konnte es dann so langsam Richtung Frischwasser -und Fäkalienstation gehen. Einmal über den Campingplatz gezirkelt, befand sich der Roadsurfer über dem Gulli. Frisch betankt konnte es also zum nächsten Spot gehen: Glen Coe. Dazu ging es zunächst an der Westseite des Lake Lochmond entlang. Die Straßen waren als sehr gut ausgebaut geschildert. Und dem war glücklicherweise auch so. Zumindest anfangs. Je länger die Fahrt dauert (und wir sprechen hier lediglich von 45 Minuten, gefühlte 3 Stunden), umso bescheidener wurden die Straßenbedingungen. Das hing vor allem mit der Enge und Kurvigkeit der Straßen zusammen. Am See schlängelte sich eine einspurige, ultra enge Straße entlang, die selbst mit einem Fiat 500 eng wäre. Wie soll man sich da in einem Kastenwagen erst fühlen?

Einige Nahtodeserfahrungen später wurde ein Fahrerwechsel angestrebt, um alle Mitfahrer auch sicher ans Reiseziel zu bringen. Und siehe da, die Straßen wurden wieder angenehmer und weniger gefährlich.

Das Reiseziel Glen Coe ist das berühmteste Tal Schottlands und auch eines der tollsten! So zumindest steht es im Reiseführer. Es zählt zu den westlichen Highlands. Die A82 führt über den Pass of Glen Coe und in das enge obere Tal. Schon beim Einfahren ins Tal kommt man aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Sattes grün, dicke Wolken und einige Sonnenstrahlen auf einzelne Grünstreifen – ein Traum! Immer wieder fängt es an zu nieseln. Aber keine fünf Minuten später ist wieder strahlender Sonnenschein. So richtig schönes Aprilwetter. Oder einfach: Schottlandwetter.

Mehrmals werden Zwischenstopps eingelegt, um all das überhaupt greifen zu können, was man da sieht. Massive Berge, Schafe, und grün, grün und nochmal grün. Der absolute Wahnsinn! Der Weg führt vorbei an den drei massiven Felsvorsprüngen, den Three Sisters. Hier stranden viele der zahlreichen Touriautos, um die drei Felsen abzulichten. Die Reisegruppe entschied sich jedoch, zunächst den eingeplanten Parkplatz direkt am Loch Achtriochtan anzusteuern. Dort angekommen fand sich auch direkt ein Platz mit herrlichem Blick auf die Bergkette. Sehr empfehlenswert!

Nach einem schnellen Nudelpesto konnte es dann auch endlich raus gehen: die Wanderwege entlang der Bergkette in Richtung der Three Sisters. Unglaublich schön, obwohl neben dran leider die Straße verlief. Bei deutlich besseren Temperaturen als erwartet ging der wilde Marsch los. Der ein oder andere verfluchte den Wetterbericht mal wieder und litt in seiner langen Hose.

An den drei Schwestern angekommen wurde ein kurzer Pitstop eingelegt, ehe es wieder zurück ging. Richtig herrlich, was es da alles zu sehen gab.

Am Parkplatz zurück wurde die erste Wäsche gewaschen. Ein Hoch auf Rei in der Tube. Endlich kam die Pampe mal zum Einsatz. Denn manch einer hatte sich schon über den „Kotzgeruch“ der Geschirrhandtücher beschwert. Und das will ja wirklich niemand. Kurzerhand wurde der Parkplatz zur Wäscheleine.

Während die einen die Aussicht auf den Berg mit einem Bier und Whiskey genossen, kredenzten die anderen ein Linsen Curry. Für jeden was dabei. Auffällig war heute den ganzen Tag schon, dass die Schotten einfach nette Leute sind. Man erkennt beim Wandern direkt, wer Schotte ist und wer nicht. Die Schotten grüßen ultra nett („Hey’ya“) und fragen in der Regel auch nach, woher man kommt. Die Deutschen wiederum erkennt man daran, dass sie sich gerade einmal ein „hey“ aus den Lippen pressen. So hat halt jeder seine Stärken.

Langsam wird der Verkehr der neben dem Roadsurfer liegenden Straße weniger, dafür der Wind deutlich mehr. Es schwankt ganz schön im Camper. Hoffen wir, dass dies den Insassen heute Nacht nicht übel aufstößt.

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