Erste schottische Waschung. Check.

Das Wetter in Schottland ist einfach der Oberknaller. Von Sonnenbrand bis Dusche ist alles dabei. Aber von vorne.

Wieder einmal klingelte im Urlaub der Wecker. Dieses Mal um 7.30 Uhr. Schließlich hatte die Reisegruppe große Pläne für den Tag:  Der Old Man of Storr sollte besichtigt, der Mealt Falls and Kilt Rock angeschaut und, wenn es gut lief, noch der Quiraing bestiegen werden. Aber dazu später mehr. Mit einem gemütlichen Frühstück im Camperinneren begann der Tag. Draußen war es zwar mal wieder richtig schön sonnig, aber der Wind einfach viel zu kalt. Funfact: die Campingplatz Nachbarn kamen aus Böblingen und machten erstmal eine kleine Kehrwoche mit Kutterschaufel und Kehrwisch. Ebenso tat es die Roadsurfer Camping Crew… an der schwäbischen Gründlichkeit scheint doch was dran zu sein.

Nach einem kleinen Frühstück ging die allmorgendliche Prozedur los: Spülen, Waschraum, Roadsurfer klar machen, Abwasser ablassen, Frischwasser auffüllen, Toilette entsorgen. Letzteres war dieses Mal eine ganz schöne Schinderei – die Rollen an dem Container erklärten sich dann auch von selbst. Nach getaner Arbeit konnte es gegen 10 Uhr los gehen. Erstes Ziel: Old Man of Storr. Rund 10km nördlich von Portree ragt die 50m hohe Felsnadel des Old Man of Storr empor. Ein Wanderweg führt ca. 3km hin und zurück.

Schon der Weg zum Old Man war spektakulär. Eine einspurige Straße führte vorbei an Schafherden, Kühen und ganz viel Grün. Immer wieder gab es auf der Straße Einbuchtungen, an denen der Gegenverkehr vorbei gelassen werden musste. Mehrere Fotostopps später wurde der Parkplatz erreicht. Hier war die Hölle los. Scheint wohl ein cooler Spot zu sein. Eine Parkgebühr von 6 Pfund später konnte der 30 minütige Aufstieg beginnen. Kurz wurde noch diskutiert, ob ein Rucksack dieses Mal wohl wirklich nötig sei. Die Meinungen gingen auseinander – und es wurde auf einen Rucksack (samt Regenjacke, Schirm, Getränk und Snack) verzichtet. Nachdem sich Teile der Gruppe noch mit Sonnencreme eingecremt hatten, konnte es endlich los gehen.

Los ging der doch sehr schnell sehr steile Aufstieg. Doch kaum waren die ersten Höhenmeter gemacht bot sich eine gigantische Aussicht. Mit dicken Wolken behangen hatte man beste Sicht auf das Meer, die Berge und Schafe – und das, egal wohin man schaute. Mit jedem Höhenmeter wurde sie nur noch besser. Doch dann kam der Moment: „Hätten wir nur mal die Regenjacke mitgenommen“. Es zog ganz schön dunkel zu und auch die ersten Tropfen kamen schon runter.

Inzwischen hatten auch die Rucksack Gegner bemerkt, dass die Entscheidung gegen diesen wohl eher falsch war. Schnell boten sie an, diese Entscheidung rückgängig zu machen und noch schnell aufzurüsten. Gesagt, getan. Mit frischem Elan und einer Ausrüstung an Regenjacke, Wasser und einem vermeintlichen Snack ging es los. Der sehr steile Anstieg machte vielen Wanderern zu schaffen. Immer wieder wurden Pausen eingelegt, um kurz zu verschnaufen. Ein Hoch auf die Wasserflaschen. Leider setzte bei Teilen der Reisegruppe der Hunger ein. Gut, dass der Versorgungstrupp einen Snack eingepackt hatte. Als es dann jedoch soweit war, diesen auszupacken, stellte sich heraus, dass dieser leider im Roadsurfer vergessen wurde. Danke fürs nichts.

Je höher man kam, umso besser sah man, wie weit es eigentlich noch war. Immer weiter, immer weiter war die Devise. Gute zehn Minuten vor dem finalen Felsen kam es dann, wie es kommen musste. Der Himmel wurde dunkler, die Wolken zogen schnell über die Felsformation und der Wind wurde rauer. Zeit für einen ordentlichen Schauer. Und der hatte es in sich. Es schüttete was nur ging vom Himmel. Ein Glück hatten wir die Regenjacken dabei. Auch wenn sie erst recht spät zum Einsatz kamen. Der Gipfel war schon in Sichtweite – daher hieß es, Arschbacken zusammenkneifen und weiter. Bei Sturm, Regen und wenig Sicht kam die Gruppe auf dem finalen Gipfel an. Ein herrliches Gefühl.

Die Zeit oben war knapp bemessen, schließlich wurde das Wetter nicht besser. Rückzug! Rutschige Steine und schlammige Abhänge ging es zurück. Und das Wetter wurde nicht besser. Im Gegenteil: eine Runde Hagel konnte direkt auch noch mitgenommen werden. Wenn schon, denn schon! Überlegungen, sich unterzustellen, wurden schnell zunichte gemacht. Denn alle Unterstellmöglichkeiten hinter etwas größeren Felsen waren besetzt. Also ging es weiter bergab. Inzwischen hatte sich bereits ein neuer Gebirgsbach gebildet, der aus schwarzem Schlamm bestand. Der Weg Richtung Tal zog sich ziemlich. Und die Knie dankten es nicht. Kurz vor der Rückkehr an den Parkplatz kam dann auch endlich wieder die Sonne raus – als wäre nichts gewesen.

Am Auto angekommen musste erstmal die komplett nasse Kleidung versorgt werden. Da Teile der Reisegruppe ja schon auf dem Berg um ihren Mittagssnack gebracht wurden, gab es das übrige Linsen Curry noch vor Ort. Eine gute Gelegenheit, um die nassen Klamotten zu trocken.

Einen harten Anschlag gab es um 15.30 Uhr. Hier war bereits die Whisky Tour bei Talisker gebucht. Somit wurde aus weiteren Sehenswürdigkeiten im Norden von Isle of Skye erstmal nichts, da es weiter Richtung Talisker ging. Auch hier wurden die Straßen zunehmend schmaler und die Ausbuchtungen für den Gegenverkehr zur Routine. Bei der Destillerie angekommen war schnell ein Parkplatz gefunden: direkt am Wasser gelegen. Es gab die Überlegung, hier auch die Nacht zu verbringen. Je nach dem, wie die Verkostung laufen sollte.

Manch ein Whisky Fan kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus, als sich die Reisegruppe vor der Destillerie befand. „Schau mal hier, das Bild sieht man immer, wenn es um Talisker geht.“ „Schau mal hier, die Schrift der Destillerie“. „Riech mal hier“. Die neutralen Gäste konnten dem jetzt nicht ganz so viel abgewinnen wie der Rest der Gruppe, aber gut. Sie machten das Spiel eben mit.

Um 15.30 Uhr startete die einstündige Destillerie Besichtigung inklusive Verkostung dreier Whiskys. Im Vergleich zur Whisky Expirience in Edinburgh war diese viel besser gemacht: der Guide sprach ordentliches Englisch, die Führung ging durch die Whiskey Produktion und das Ganze hatte deutlich mehr Witz und Persönlichkeit als das bisher Besuchte. Zum Schluss gab es noch drei Talisker Whiskys zur Verkostung. Währen die einen alles abfeierten, was ihnen serviert wurde, verlangten die anderen nachträglich nach einem „Driver Kit“, drei kleinen Fläschchen, die jeder Fahrer bekam, um seine Whiskys mitzunehmen. Schließlich mundeten sie nicht allen so gut, wie den Whisky Liebhabern.

Einen weiteren Whisky an der Talisker Bar einnehmend war es das dann auch schon. Um 17 Uhr hieß es: Ciao Cacao. Da stand die Reisegruppe nun, auf dem Stellplatz am Wasser. Verlangt wurden hier 10 Pfund pro Nacht. In Bar in eine Kasse geworfen. Beim Eintreffen am Roadsurfer stand bereits der Parkplatzsheriff da und fragte, ob noch nicht bezahlt sei. Dabei war sich die Gruppe noch unschlüssig, ob die Nacht überhaupt hier verbracht werden sollte. Nach kurzem Kriegsrat fiel die Entscheidung auf einen anderen Wildcamping Parkplatz, der auf dem Weg entdeckt wurde. Die noch fahrtüchtigen Teile der Gruppe starteten den Kastenwagen und ab ging es Richtung einem Stellplatz kurz vor Sligachan. Ein herrlicher Platz!

Hier gibt es genau zwei Stellplätze – und einen davon konnte der Roadsurfer ergattern. Mit herrlichem Blick und keinerlei Störenfrieden ein absolut geiler Platz. Kurzzeitig kam etwas Panik auf, da zwei Autos voller Jungs, die einen geeigneten Zeltplatz suchten, ankerten. Doch glücklicherweise war es ihnen direkt vor dem Roadsurfer zu stürmisch, sodass sie in akzeptabler Reichweite ihre Zelte aufgeschlagen haben. Mehr Ruhe für die Reisegruppe. Ein Reste Essen war schnell zubereitet. Bei herrlichem Ausblick lässt sich der Abend bestens ausklingen.

Kleiner Insidertipp zum Schluss: Der deutsche Reisepass scheint definitiv nur für Trockenheit ausgelegt zu sein. Sollte man in die missliche Lage kommen, dass er Nässe abbekommt, unbedingt darauf achten, dass der Pass nirgendwo abgelegt wird. Der deutsche Reisepass neigt nämlich dazu, seine rote Farbe der Hülle an alles abzugeben, was ihm bei Feuchtigkeit in den Weg kommt. Da helfen nur Zewawickel und abwarten!

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