Die Nacht am bislang spektakulärsten Stellplatz ging schnell vorüber. Die Reisegruppe verschlug es erst sehr spät ins Bett, da die Aussicht aufs offene Meer einfach zu gut war. Selbst um 0 Uhr war es noch ziemlich hell. Eine wirkliche Dunkelheit konnte hier bisher noch nicht mitgemacht werden. So stürmisch wie erwartet war die Nacht am Wasser definitiv nicht. Kein Vergleich zur vorherigen Nacht, in der der Camper gefühlt mehrmals umkippte.

Nach einem britischen Frühstück war das heutige Tagesziel der „Neist Point“ ganz im Westen der Insel. Der Leuchtturm, der von Dunvegan aus zu erreichen ist, liegt an den Klippen von Waterstein Head. Man sagt, der Blick reiche bis zu den Äußeren Hebriden, einer weiteren Insel. Die einstündige Fahrt dorthin führte wieder einmal durch traumhafte Straßen. Zwar wieder einspurig und auch eng, aber dafür landschaftlich kaum zu toppen. Rechts und links der Straßen grasten überall Schafe. Mal mit rosanem Punkt, dann mit blauem Streifen und manche sogar zweifarbig markiert. Immer wieder musste bzw. wollte angehalten werden, um diese aus der Nähe zu analysieren.


Je öfter man hier auf der linken Seite mit dem großen Kastenwagen fährt, umso sicherer wird man dabei. Und umso mehr Spaß macht es auch. Die einspurigen kleinen Straßen haben alle 30 Meter eine Einbuchtung, in der man dem Gegenverkehr ausweichen kann. Die Deutschen können sich von der schottischen Freundlichkeit definitv eine Scheibe abschneiden. Jeder bedankt sich mehr als freundlich beim Gegenverkehr fürs Warten. Lediglich die (anderen) Deutschen und die Inder sparen sich das.
Je mehr man fährt, umso schneller wird man auch auf den kleinen Straßen. Und mit der lässigen Handbewegung der Dankbarkeit fühlt man sich schon auch etwas wie der König auf der Straße. Da die Bordtoilette erstmals den Status rot vermeldete, musste auf weitere Besuch dieser verzichtet werden. Da die Konfirmandenblase manch einer Teilnehmer jedoch nicht bis zum Leuchtturm durchhalten konnte, war guter Rat teuer. Ein Glück, dass im beschaulichen Dorf „Glendale“ ein Gemeindehaus mit Toiletten warb. Das liesen sich Teile der Reisegruppe nicht zweimal sagen und zogen direkt die Handbremse.

Viel Fahrspaß, zahlreichen Ausweichmanövern und einigen panischen Schreien des Beifahrers später befand sich der Roadsurfer auf dem Parkplatz des Leuchtturms. Draußen peitschte mal wieder ordentlich der Wind. Glücklicherweise spielte das Wetter absolut mit – bei fast schon Sonnenschein und keinem Regen ging es raus. Die Reisegruppe entschied sich, nicht zum Leuchtturm zu tappen, sondern diesen von den Klippen aus anzuschauen. Eine absolut gute Entscheidung. Von hier aus hatte man den besten Blick auf den Turm, der ganz vorne an den Klippen stand. Ganz schön windige Angelegenheit mal wieder. Und das, wo es doch so steil die Abhänge runter ging.

Und schon wurde auch wieder der Rückweg angetreten. Ziel war dieses Mal der Glenbrittle Campsite. Es war dringend wieder einmal an der Zeit, einen Campingplatz aufzusuchen. Nicht wegen der Bordbatterie, sondern eher, weil Teile der Reisegruppe hergemobbt wurden, deren Haare sähen aus „wie ein Butterkuchen“. Die Dusche war wirklich mal wieder nötig. Aber bis dahin war es noch ein langer Weg.
Die engen Straßen mussten erneut bewältigt werden. Auf dem Rückweg lag ein süßes kleines Café, das dringend besucht werden wollte. Nach einer kleinen Suppe und einem Croissant ging die wilde, schafige Fahrt weiter. Kurz vor dem Abzweig zum Campingplatz wurde erneut die Talisker Destillerie gekreuzt. Ein guter Grund, um nochmals kurz den Anker zu werfen und sich an der Bar einen Whisky zu gönnen. Ein Glück gibt es auch Reisemitglieder, die ihre Fahrtüchtigkeit allzeit behalten. Nach dem kurzen Pitstop ging es Richtung Abzweigung zum Campingplatz. Dieser wurde heute so früh angesteuert, weil man einerseits nicht reservieren kann und andererseits ganz dringend gewaschen werden musste. Schließlich hatten Teile der Reisegruppe nur für eine Woche gepackt.
Der Weg dorthin war wieder mal herrlich. Eng, einspurig und landschaftlich toll. Eine gute halbe Stunde dauerte es, bis der am Wasser gelegene Campingplatz befahren werden konnte. Ein absoluter Geheimtipp. Toll gelegen, abseits der touristischen Flecken und ein absolut süßes Café inbegriffen. Hier kann man morgens süße Stückle und mega Kaffee bekommen. Der Stellplatz war schnell eingenommen, jetzt ging es in die Laundry. Eine riesen Waschmaschine wurde beladen und anschließend in den Trockner verfrachtet. Ein Glück können alle wieder durchatmen: die nächste Woche ist kleidungstechnisch gesichert.


Im Campingstuhl lies es sich in der Sonne ganz gut aushalten. Einzig der Wind war ganz schön kalt. So saß die Reisegruppe irgendwann mit Jacken vor dem Camper. Die Füße schafften es sogar einmal kurz ins Meer – ganz schön kalt!

Was diesen Campingplatz und generell Isle of Skye auszeichnet: es gibt zunehmend deutsche Urlauber hier. Woher die auch immer auf einmal alle kommen, sie sind da und stören. Wenn man auf einem Campingplatz schon mit einem deutschen „Hallo“ angesprochen wird und in der Talisker Destillerie an der Bar aufschnappt, dass jemand aus Feuerbach kommt, dann reicht das wirklich. Deutsche Vaterländler schön und gut, aber bitte nicht so viele in unserem Urlaub.
Nachdem der Waschprozess abgeschlossen und manch ein T-Shirt etwas kleiner als zuvor war, konnte die Kochprozedur losgehen. Auf dem Speiseplan stand heute Pastasotto. Auch super zu kochen. Und danach war es endlich soweit: die seit drei Tagen lang ersehnte Dusche! Welch herrliches Gefühl. Da konnten sogar die großen Spinnen an der Decke der Dusche einigermaßen ignoriert werden.
Den Abschluss des Tages macht ein Reh, das sich auf den Campingplatz verirrt hatte. Es graste entlang des Roadsurfers und lies sich mal so gar nicht beirren.

