Big Daddy

Heute war der zweite Nichtreisetag unseres Urlaubes. Das hieß aber noch lange nicht ausschlafen, denn kein Reisetag bedeutet meistens Ausflugstag. Auf dem Programm für heute stand Sossusvlei, eine der erwarteten Highlights unseres Trips. Für Sossusvlei soll man nämlich früh losfahren, haben sie gesagt. Wegen der Hitze. Für Sossusvlei soll man am besten auch lange luftige Sachen mitnehmen, haben sie auch gesagt. Natürlich wegen der Hitze. Selbstredend soll man auch sehr viel zu trinken mitnehmen, auch wegen der Hitze. Am besten macht man den Ausflug auch mit einem Guide von der Lodge, Kostenpunkt 300€ für die ganze Gruppe. Wir überlegten lange hin und her. Dem einen wars zu teuer, der andere hatte bedenken vor dem Safaribus. Wie üblich vor Ausflügen mit unbekannten Fahrzeugen aller Art, inspizierten wir bereits am Abend vorher besagten Safaribus. Dieser erfüllte nahezu keine der üblichen Anforderungen eines akzeptablen Fortbewegungsmittels. Der Passagierbereich bot keinerlei freie Sichtmöglich auf die Strasse. Dies war lediglich bei der separaten Fahrerkabine gegeben, bei welcher wir keine Sitzplatzgarantie haben. Alles viel zu heikel, die Gefahr von Reisekrankheit in einem solch tollkühnen Gefährt war viel zu hoch. Long story short, wir fuhren selber.

Das Höllengefährt. Wir haben leider keinerlei Informationen wie viele Passagiere die Fahrt wohlbehalten überstanden haben.

Da wir nicht bei Dunkelheit auf den namibischen Pisten unterwegs sein wollten, war die Abfahrt mit dem Sonnenaufgang auf 06:45 Uhr angesetzt. Zum Frühstück organisierten wir uns deshalb Frühstückstaschen von der Lodge.

Safari Teilnehmer ganz begeistert mit ihrer Happy Meal Tüte.

Da wir Strecke machen wollten, wurde natürlich während der Fahrt gefrühstückt. Und das Frühstück war super: Müsli, belegtes Brötchen, Ei, Obst, Nüsse, Riegel. Es war alles Notwendige dabei. Auch ein Novum während der frühen Fahrt waren die angenehmen Temperaturen im Auto. Normalerweise werden wir in unserem Cruiser mit seiner Alibi-Klimaanlagen täglich gebacken. Dieses mal hatte die Rallye Crew bis zum Ziel ihre Pullover an.

Eingang zum Sossusvlei Park.

Rund eine Stunde später erreichten wir den Parkeingang. Am Gate wurde bezahlt, danach war es noch eine weiter Stunde bis zum 2WD Parkplatz. Nur Allradfahrzeuge (4WD) können ab hier die letzten 4 km bewältigen. Für uns hieß es deswegen umsteigen in ein Shuttle, der uns bis zum finalen Parkplatz schlingerte.

Als Erstes wollten wir Big Daddy, die höchste Düne der Namib Wüste und eine der höchsten Düne weltweit (sie soll eine Höhe von 325m bis 380m erreichen) besteigen. Die Redaktion wurde gebeten, explizit zu erwähnen, dass die Düne tatsächlich sehr hoch ist.

Wie schon im ganzen Urlaub haben wir den scheinbar üblichen Dresscode verfehlt. Außer uns trug niemand weiße Wüstenschuhe von Adidas. Auch waren weiße Tennissocken oder generell kurze Hosen unüblich. Stattdessen dominierten Zipperhose, beigene Schleierhüte und Alpine Wanderstiefel.

Entsprechend der Lodge Empfehlung hatten wir ordentlich Wasser (5 Liter), lange Klamotten und Verpflegung für einen ganzen Nomadenstamm im Gepäck.

Das Gepäckkamel der Truppe stapfte los.
Der Anstieg zum Gipfel erfolgte über den Grat der Düne.

Ganze 90 Minuten brauchte die Karawane bis sie sich zum Gipfel des Big Daddy’s hochgekämpft hat. Gefühlt machte man zwei Schritte vorwärts und wurde vom Sand wieder einen Schritt zurück gezogen. Ein bisschen wie wenn man eine herrunterfahrende Rolltreppe hinauf läuft. Die immer heißer werdende Sonne war dabei ebenfalls nicht besonders hilfreich.

Regelmäßig mussten die Wanderschuhe entleert werden, da die Füße keinen Platz mehr hatten.
Gegen Ende wurden immer öfter Pausen angemeldet.
Der Gipfel belohnte mit einer traumhaften Kulisse.

Oben angekommen wurde erst einmal verschnauft, ausgeschwitzt und die Vorräte aus dem Rucksack geplündert. Einzig die langen Klamotten fanden keinen Abnehmer. Danach erfolgte die Belohnung, der Abstieg querfeld runter. Wichtigste Regel dabei: „Ja nicht hinfallen, sonst gibt es paniertes Sonnencreme-Schnitzel!“.

90 Minuten hoch, 3 Minuten runter.

Unten angekommen standen wir in einer gelben Tonpfanne, dem „Deadvlei“. Das Deadvlei ist eine Senke (vlei = Afrikaans für Pfanne bzw. Senke) welches vor ca. 900 Jahren durch neu entstandene Dünen vom Fluss abgeschnitten wurde. Vorhandene Bäume sind abgestorben und zeichnen heute als eine Art versteinerte Bäume bizarren Schatten in die Tonpfanne.

Nomaden beglückwünschen sich zum erfolgreichen Auf- und Abstieg des Big Daddy’s.
Ein beliebtes Urlaubsspiel bei Teilen der Gruppe, Schattenspringen.
Fotoshooting vor den bizarren Bäumen.
Ein weiteres beliebtes Urlaubsspiel, Tonplattenhüpfen: „Man muss Energie sparen wo man kann.“
Zurück am Parkplatz, erst einmal Schatten genießen und Schuhe entleeren.

Recht erschöpft und während der absoluten Mittagshitze erreichte die Gruppe wieder den Shuttleparkplatz. Viel Energie blieb nicht mehr, wollte man doch noch das eigentliche Ausflugsziel, das Sossusvlei, besichtigen. Mit einem Shuttle ging es zum zwei Minuten entfernten Sossusvlei. Mitten im Sossusvlei traute sich dann ein interessierter Tourist den einheimischen Shuttlefahrer zu fragen: „Wo ist denn jetzt dieses Sossusvlei?“ „Na hier!“ war die etwas verwirrte Antwort des Fahrers.

Das Sossusvlei, Touristenmagnet Namibias (bzw. für manche Leser auch „Tanzanias“).

Recht zügig besichtigten wir die Pfanne und fuhren nach ein paar Minuten noch mit denselben Fahrer zurück zu unserem Auto. Wieso jeder in Namibia vom Sossusvlei und nicht vom Deadvlei spricht, ist uns ein Rätsel.

Zurück in Sesriem, dem Eingangstor zum Sossusvlei Park, wurde an der bereits bewährten Tankstelle wieder getankt. Wir nehmen jede funktionierende Tankstelle mit, egal was die Tankuhr sagt.

Die Rückfahrt war zäh, war die ganze Gruppe von den Strapazen doch sehr erschöpft. Der Wildlife Ausguck auf dem Beifahrersitz meldete sogar Feierabend an. Viel zu müde und die Strecke kennen wir ja mittlerweile zu Genüge, Tiere gibt es hier eh nicht. Und siehe da, der Rallye Flitzer musste auf einmal bremsen, da sich uns das langersehnte erste Zebra mitten auf der Strasse ins Sichtfeld drängte.

Der Beifahrersitzt tobte vor Freude, endlich ein Zebra.

Wer meinte zu Hause in der Lodge wird sich erst einmal von den Anstrengungen des Ausflugs erholt, der kennt die Reiseregeln noch nicht. Entspannt wird erst, wenn alle Pflichtpunkte des Tages erledigt sind.

Halbzeit des Urlaubs, Zeit die Universalhosen zu waschen.
Dann war es endlich soweit, die Wüstenwanderer entspannen am Pool.
Sonnenuntergang auf der eigenen Dachterasse.

Auf dem Weg zum Lodge Restaurant war der Dialog in etwa wie folgt: „Hoffentlich gibt es wieder diesen grünen Salat von gestern!“, „Ja, und hoffentlich gibt es auch wieder Oryx Steak!“, „Ja von mir aus, aber hoffentlich gibt es wieder diese leckeren Knoblauch Kartoffeln!“, „Ja, und die grünen Knoblauch Bohnen!“ Die Vorfreude auf das Essen war einfach sehr groß. Es kam natürlich etwas anders, jeder bekam aber zumindest einen Essenswunsch erfüllt. Und es schmeckte wieder vorzüglich. Bei einem leckeren Glas Wein unter dem tollen Sternenhimmel klingt nun auch dieser aufregende Tag aus.

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