Dass die Uhren in Finnland anders laufen, war klar. Eine Stunde voraus. Dass die auf deutsche Zeitzonen eingestellten Körper das aber so aus der Bahn wirft, hätte keiner gedacht. Um 22 Uhr finnischer Zeit waren die Vorhänge im Bungalow bereits zugezogen, die Heizung etwas runter gedreht und die Wärmflasche heiß. Bei klirrender Kälte draußen und absoluter Stille mitten im Nichts verlief die Nacht verhältnismäßig gut.

Am nächsten Morgen konnte erstmal der Ausblick auf den mit Schnee bedeckten See genossen werden. Kein Wunder hat der Bungalow auch ohne Fernseher viel Charme: der Ausblick ersetzt die Kiste absolut.

Am Vormittag machte sich die Reisegruppe auf in Richtung dem „Café der Weihnachtsfrau“ – einem Café in Santa Claus Village. Doch bevor dort geankert werden konnte, musste der kleine Toyota erst noch den steilen, rutschigen Schneeberg hoch kommen, den er am Vorabend so übermütig bei Dunkelheit runter gerutscht ist. Gar nicht mal so leicht. Mit gutem Zureden und einigen Schweißperlen gelang es letztlich.

Obwohl die Reisegruppe dem Santa Claus Village eher skeptisch gegenüber stand – weil Tourinap – wurde sie Schritt für Schritt eines besseren belehrt. Da der Reisebus bereits um 10.30 Uhr ankam, ließen die restlichen Reisegruppen noch etwas auf sich warten. Somit konnte in aller Ruhe das Weihnachtsmann Office, das Weihnachtsmann Postamt und das Café der Weihnachtsfrau besucht werden.

Absolute Frechheit vom Weihnachtsmann: er darf nicht fotografiert werden. Lediglich ein von seinen Elfen geschossenes Foto darf für schlappe 30€ in gedruckter Version oder 50€ in digitaler Version erworben werden. Wir sind maßlos von dir enttäuscht, Weihnachtsmann! Wucher!

Das Café der Weihnachtsfrau hielt zwar nicht das erwartete Frühstück bereit, dafür aber warme Zimtschnecken, die gerade erst aus dem Ofen kamen. Über den Preis sprechen wir besser nicht.

Besonderes Highlight der Reisegruppe: teile der Gruppe hatten bereits Wochen im Voraus die Webcam des Santa Claus Village gestalkt und die Besucher vor Ort begutachtet. Und heute war es endlich so weit: die Reisegruppe konnte selbst live und in Farbe vor der Webcam posieren und in die Ferne winken.

Nach ausreichender Besichtigung des Dorfes ging es gegen Mittag auf die Straße, die über Posio und Ruka nach Koramoniemi führte, wo die Reisegruppe im Lomakylä Atimo, einem kleinen „Feriendorf“, einchecken sollte.

Die Fahrt dorthin zog sich wie Kaugummi. Bei 80kmh eine sehr zähe Geschichte. War manch ein Fahrer doch hoch motiviert, den kleinen Toyota etwas auszufahren. Aber: Geschwindigkeitsüberschreitungen werden in Finnland hart bestraft. Wir haben verstanden.

Die Straßen waren größten teils voller Eis und Schnee. Glücklicherweise konnte man sich an den Spurrillen orientieren, sonst hätte man die eigene Fahrbahn nur schwer erkannt. Unterwegs war so gut wie nichts los. Und das nicht nur auf den Straßen, sondern auch abseits davon. Während manche einer felsenfest davon überzeugt war, „irgendwo mal einen Bäcker zu finden“, wurde die Gruppe eines Besseren belehrt. Große Hoffnung lag auf dem „großen Ort Posio“, der sich als eine Tankstelle, ein Supermarkt und ein nicht definierbares Geschäft herausstellte. In Letzterem konnten aber tatsächlich kleine Backwaren erworben werden. Halleluja.

Weiter ging es Richtung Ruka, einem großen Skigebiet Finnlands. Von Oktober bis Mai kann man hier Ski fahren. Und entsprechend viel mehr war hier auch los. Nach einem kurzen Boxenstop ging es dann letztlich in die Unterkunft, die noch bei Tageslicht erreicht werden konnte. Wieder einmal idyllisch an einem komplett zugefrorenen und mit Schnee bedeckten See.

Ein kleiner Fauxpas passierte dann doch noch. Die Eingangstüre des Bungalows lies sich mit dem Schlüssel nicht mehr öffnen. Nix ging. Kurzerhand wurde der Nachbar um Hilfe gebeten und siehe da, einmal gegen die Türe getreten sprang sie auf. Ein Hoch auf unseren Nachbarn.