Wo ist Rudolf?

Der Morgen begann mit der gleich schönen Kulisse, wie der Abend endete. Kein Wunder braucht man hier in keiner Unterkunft einen Fernseher. Dafür hatte bisher jeder Bungalow, jede Hütte und jedes Häuschen eine eigene Sauna. Was du Finnen halt so machen.

Um 8.15 Uhr saß die Reisegruppe abfahrbereit im Auto. Das Ziel: Ylitalon Poromatkailu Ky, eine Rentierfarm, die von einer Deutschen betrieben wird. Im Vorfeld war es ziemlich schwierig, hier noch eine Tour mit dem Rentierschlitten zu ergattern. Schließlich kann man dort im Nirgendwo auch eine ganze Woche Urlaub machen, sodass keine „Sondertouren“ mit anderen Gästen unternommen werden.

Deshalb musste die Reisegruppe nochmals ein kleines Stück in entgegengesetzte Richtung fahren, um die Farm zu erreichen. Die Strecke dorthin war deutlich befahrener, als man sie für einen Sonntagmorgen vermuten würde.

Und siehe da: um 10 Uhr fuhr die Gruppe auf dem Hof vor, ehe es um 10.30 Uhr los ging. Die Deutsche Christina lebt mit ihrem Mann Manne seit vielen Jahren auf dem Hof und züchtet Rentiere (gesprochen: Renntiere). Zudem bieten sie kleine Rundfahrten mit dem Schlitten an und informieren danach über Rentiere und ihre Besonderheiten. Das Ganze dann bei heißem Beerensaft und Muffins am Feuer im Tipi.

Aber der Reihe nach. Erst ging es mit zwei ihrer zahmsten Tiere zu den Schlitten. Der mit der Flasche aufgezogene Matti tat es der Reisegruppe besonders an. Er sollte auch den Schlitten der Gruppe ziehen. Die vier Schlitten waren über Seile miteinander verbunden, sodass kein Rentier weglaufen konnte (wobei das auch nicht schlimm wäre). Die wilde Fahrt ging durch den nahe gelegenen Wald. Immer wieder versuchte Rentier Jan, das den Schlitten hinter Matti anführte, diesen zu überholen. Laut Seilordnung aber einfach nicht möglich. Trotzdem hinderte es ihn nicht, mehrere Versuche zu unternehmen.

Nach der Fahrt bei herrlichem Wetter ging es ins vorgeheizte Zelt. Dort gab es erstmal was zwischen die Zähne, während Christina ganz viel Wissen vermittelte. Interessant: fast jedes Rentier in Lappland gehört jemandem. Es gibt kaum welche, die Besitzerlos sind.

Einmal im Jahr stoßen Rentiere ihre Geweihe ab. Wer also mal in Lappland im Wald unterwegs ist, sollte die Augen offen halten: es müsste dort nur so vor Geweihen wimmeln. Jeder Teilnehmer bekam eine Reindeer Driiving License ausgehändigt. Nach dem kurzen Umtrunk und zahlreichen roten Backen später ging es ins Rentiergehege. Dort bekam jeder Teilnehmer Moos in die Hand, was die Rentiere als Leckerlis abfeiern.

Das Programm war eigentlich auf 1,5h ausgelegt. Doch das interessierte die Besitzer wenig. Nach 2,5h ging es so langsam zurück auf den Parkplatz. Begleitet von Matti, der einfach nebenher tappte. Ein wirklich gelungener Trip, der absolut zu empfehlen ist. Fernab von Massentourismus ist hier alles super liebevoll gestaltet und auch den Tieren geht es bestens.

Inzwischen war es laut Thermometer auf 5 Grad plus angestiegen. Scheinbar so warm, dass der Schnee auf den Straßen ordentlich zu schmelzen begann. Matsch und Sulz lagen auf den Straßen, was es extrem unangenehm u fahren machte. Die 2,5-stündige Fahrt zurück nach Rovaniemi war somit beschwerlicher als erwartet.

Dort angekommen ging es zunächst zur Unterkunft „Nova Galaxy Village“. Dort gibt es kleine Glasbungalows, aus denen man in den Sternenhimmel sehen kann. Zudem hat auch hier jede Hütte eine eigene Sauna, die das Personal extra 3 Stunden im Voraus für einen befeuert. Die Blicke waren legendär, als die Reisegruppe mitteilte, dass daran kein Interesse bestehe. Eine Dusche gibt es im Bungalow nicht. Wer duschen möchte, kann dies auf „finnische Art“ tun. Nämlich in der Sauna einheizen lassen, und dann heißes Wasser, das vom Holz beheizt wird, mit kaltem Wasser in einem Eimer mischen. Den Eimer leert man sich dann über den Kopf. Aus aktuellem Anlass wird heute auf die Dusche verzichtet.

Im Bungalow gibt’s eine kleine Wohnmobil-Toilette und ganz viel Smart Home, das nicht jedem Reiseteilnehmer gefällt. Das Argument für die Hütte ist und bleibt der Ausblick .

Nachdem das Gepäck mit einem Schneemobil in den Bungalow geliefert wurde, ging es für die Reisegruppe erneut Richtung Weihnachtsmanndorf. Der beste Flammlachs ever wollte erneut verspeist werden. Dort angekommen wies der Inhaber wieder einen Platz zu. Dieses Mal mit den Worten „Your second time, right?“. Man kennt sich. Oder vielleicht liegt es auch daran, dass der Rest der Gäste aus Asien kommt. Wer weiß.

Nach einem erneut grandiosen Lachs on Point ging es zu Fuß nochmal durchs Weihnachtsmanndorf. Zurück in der Unterkunft steht nun die Jagd nach Polarlichtern an. Wir dürfen gespannt sein.

Achja: wer noch ein Fettnäpchen bei einem Rentierzüchter mitnehmen will – einfach mal fragen, wie viele Rentiere er besitzt.