Zu schön um wahr zu sein

…Und wir waren sehr gespannt. Glücklicherweise hatten Teile der Reisegruppe (wenn auch erst sehr spät) die „Aurora Reach“-App runtergeladen. Eine App, die anzeigt, wie hoch die Chancen auf Aurora Borealis, auf Polarlichter sind. Man kann darin seinen Ort angeben und bekommt dann gemeldet, zu welcher Uhrzeit die Chancen wie hoch stehen. Dafür gibt es Richtwerte, die alle zusammenspielen müssen, um die Chance zu erhöhen. Sollte jemand in der gleichen Stadt etwas gesichtet haben, kann er dies ebenfalls in die App eintragen und somit andere darauf hinweisen.

Laut Aurora App sollte die Wahrscheinlichkeit auf Polarlichter am gestrigen Abend ab 20.30 Uhr ganz gut sein. Noch besser gegen 22 Uhr. Und sehr gut gegen 23 Uhr. So die Info Stand 19 Uhr. Immer wieder korrigierte sich die App und gab andere Prognosen ab. Nachdem die Reisegruppe sich in ihrer Astronautenkapsel eingefunden hatte und im Bett lag (weitere Optionen, sich irgendwo aufzuhalten, gab es nicht – der Boden schwankte übrigens enorm…), wurden alle Lichter im Inneren ausgemacht. Schließlich wollte man beste Sicht auf den Himmel haben. In der Vorstellung der Reisenden musste der Himmel ziemlich grün werden, dann seien Polarlichter da. Doch die Realität lehrte etwas anderes. Gegen 21.45 Uhr bemerkte der Sheriff innerhalb der Gruppe leichte Veränderungen am Himmel. Der Hilfssheriff hatte dies nicht gespottet. Man kann dabei auch nicht von grünen LIchtern sprechen, sondern von einem sporadisch leicht erhellten Himmel.

Da die Reisegruppe die gesamte Reise auf diesen Moment hin gefiebert hatte, musste es schnell gehen. Raus aus der Weltraumkapsel, rein in die Schneeschuhe, Mütze auf und ab gehts. Der Rest der Campbesucher war wohl nicht auf der Jagd – es interessierte sonst keinen. Und gleich der erste Schuss mit dem iPhone saß.

Verrückterweise sehen die Lichter über die Kamera ziemlich anders aus als in Wirklichkeit. Wenn man aber erst mal weiß, wonach man suchen muss, geht es auch deutlich einfacher. Die hellen Schlieren am Himmel verschwinden allerdings genauso schnell wieder, wie sie erschienen sind – man muss also schnell hinter der Kamera sein.

Vor lauter Freude wurde schnell vergessen, dass es ohne Handschuhe eigentlich sau kalt war. In allen Himmelsrichtungen erschienen die Polarlichter. Zwar relativ „klein“, aber dafür sehr vielfältig. Da nun auch der ein oder andere Campbesucher durch die herumrennende Reisegruppe aufmerksam wurde, kamen vereinzelt ein paar Asiaten aus ihren Kapseln, schauten einmal komisch in die Luft, entdeckten nichts und verzogen sich wieder.

Selbstverständlich meldete auch die Reisegruppe ihre Sichtungen in der Aurora App. Nach gut einer Stunde beschloss man, nun genug gesehen zu haben. Und auch die App teilte mit, dass es das für diesen Abend gewesen sein musste. Durchgefroren, aber sehr glücklich, ging die Reisegruppe in ihre Weltraumkapsel.

Da die Glasfronten der Schlafkugel offen waren, bekam man natürlich auch die aufgehende Sonne mit. Manch einer dachte, es sei 8 Uhr, Zeit zu frühstücken. Doch ein Blick auf die Uhr nahm die Illusion. Erst 6 Uhr. Also hieß es warten, bis man um 8 Uhr im Camp eigenen Restaurant frühstücken gehen konnte. Das erste Frühstück, um das man sich nicht selbst kümmern musste.

Und auch das war wieder mal sehr gemütlich. In einer kleinen Hütte stand ein Hotelmensch am offenen Feuer und kümmerte sich um Rührei und Bacon. Alles andere konnte man sich selbst nehmen. Ein Glück, dass die Reisegruppe eher Team früher Vogel ist. Kurz darauf kam eine Horde Asiaten, die leider erstmal kein Platz darin fanden.

Ohne die Bestellung aufgegeben zu haben, brachte der Koch einen Teller Rührei an den Tisch. Super Sache, mag doch keiner aus der Reisegruppe sowas zum Frühstück. Um den guten Mann nicht ganz zu beleidigen, versuchte sich man einer daran – und fand sogar Gefallen daran. Kann allerdings auch daran liegen, dass die Mahlzeiten der Reisegruppe bisher überwiegend süß verliefen. Man sehnte sich quasi nach einem Salzstein.

Früher als gedacht konnten die Zelte abgebrochen werden. Für heute stand eine Tour mit dem Huskyschlitten auf dem Programm. Im Vaattunki Wilderness Resort sollte der Spaß veranstaltet werden. Mit dem Auto gelangte man in 30 Minuten von Rovaniemi dorthin. Sehr idyllisch gelegen, fernab der Straße.

Um 11.40 Uhr sollte man sich am Treffpunkt einfinden. Dort wurde man erstmal schick eingekleidet. Overall und riesige Schuhe wurden verteilt. Weil „die Hunde ja gerne spielen, an den Klamotten ziehen können und überall ihr Geschäft verrichten.“ Okay, gekauft. Im neuen Outfit ging es dann zu den Hundekäfigen. Wer dachte, die Touranbieter sperren einfach ein paar Huskys in Ställe und spannen sie für die Touristen vor die Schlitten, der hat sich getäuscht. Das ganze Jahr über wird mit den Hunden trainiert, dass sie Schlitten fahren können. Fast täglich werden sie vor den Schlitten gespannt und drehen ihre Runden. Sie leben in Zwingern im Freien und können bis zu -50 Grad aushalten. Wichtiger Unterschied: das Resort arbeitet mit Alaska Huskys, nicht mit Sibirischen (das sind die mit den blauen Augen). Die aus Alaska seien deutlich leichter zu trainieren.

Nach der Kurzunterweisung Hundeschlitten wurde die Gruppe geteilt. Die Reisegruppe sollte zunächst im Tipi Platz nehmen und ihr Huskywissen auffrischen. Erst danach ging es auf die Schlitten. Die Rollen waren von Beginn an klar verteilt. Die 5km weite Runde wurde nochmals unterteilt, sodass Fahrer und Passagier tauschen konnten. Sofern sie wollten. Glück für den Fahrer der Reisegruppe.

Die Hunde folgen dem vordersten Schlitten. Die Aufgabe des Fahrers ist es, hinten auf dem Schlitten zu stehen und ggf. zu bremsen, sollte der Schlitten näher als 3 Meter an den Vorderschlitten kommen. Alles Weitere regelten die Hunde selbst. Die Aufgabe des Passagiers war es, sich ruhig zu verhalten und zu genießen. Bleibt die Frage offen, wer es hier schwerer hatte.

Die Strecke führte über ein offenes Schneefeld, die Sonne schien und die Hunde rannten. Kein Unfall, keine Panne und kein Abdriften der Hunde. Leider ging die Fahrt viel zu schnell vorbei. Nach der Rückkehr gab es ausreichend Zeit, um die Hunde zu kraulen und jeden einmal zu begrüßen. Ein weiteres überragendes Erlebnis!

Nach den vielen Eindrücken ging es nun nach Rovaniemi City. Schließlich hatte die Reisegruppe außer dem Weihnachtsmanndorf noch nichts davon zu Gesicht bekommen. Auch wenn die Erwartungen daran nicht sonderlich hoch waren. Dort angekommen bot sich ein ähnliches Bild wie in vielen der sogenannten „Orte“. Trist, merkwürdige Atmosphäre und Bauten wie aus der Sowjetunion. Der Anker wurde geworfen und ab ging’s in die, wir nennen es „Fußgängerzone“. Vorbei am City Office von Santa, in die nächst beste Mall. So wirklich der Kracher war das alles nicht. Da es heute noch nicht viel zu essen gab, lies sich die Reisegruppe von Tripadvisor beraten und fand ein super Restaurant. Hätte man aufgrund des Stadtbildes so nicht erwartet. Endlich, der lang ersehnte, frische Salat. Natürlich wieder mit Lachs, was auch sonst.

Gestärkt ging es Richtung letzter Unterkunft. Eine kleinen Ferienwohnung in der Nähe des Flughafens. Kurz das Gepäck rein geworfen, ging es weiter zum Flughafen, um den Mietwagen abzugeben. Mit dem Taxi ging es dann wieder zurück zur Unterkunft. Voll nett von dem Taxifahrer, dass man nicht vorne sitzen durfte. Da kann er froh sein, dass die Strecke nur so kurz war.

Die letzte Amtshandlung des Tages: Koffer packen. Gar nicht so leicht, die dicken Klamotten und Schuhe wieder ordentlich in den Koffer zu bekommen. Morgen früh geht es dann über Helsinki nach Kopenhagen. Zimtschnecken, wir kommen!