Auf den Spuren der Soca

Die erste Nacht in Slowenien war sehr gut. Kühl und ruhig, wie man es sich wünscht. Es blieb erstaunlich lange angenehm kühl im Camper. Dachte man noch, dies würde ein eher angenehmer Tag werden, was die Temperaturen betrifft, so irrte man sich. Doch von vorn.

Nach dem Aufstehen gab es heute eine Premiere. Statt Brötchen (und auch mangels Brötchen) gab es für alle Teilnehmer der Reisegruppe ein gutes „Mu“. Mu soll Abwechslung in den Speiseplan bringen und die Darmflora der Reisegruppe anregen. Schließlich hangelt man sich hier nur von Brötchen über Kekse hin zu Schlachtplatten. Bereits vor dem Frühstück war unklar, wo dieses von wem eingenommen wurde. Hatten die nervigen Wespen am Vorabend doch einigen Teilnehmern der Reisegruppe das Draußensitzen gehörig vermiest. Doch mit viel Gewedel, Autan und Fluchen konnte das Frühstück gemeinsam im Freien eingenommen werden.

Obwohl etwas Bewölkung angekündigt war, ließ sich die Sonne kein Stück davon beirren, zeitnah auf den Camper herunterzubrennen. Da half auch die herausgefahrene Markise nur wenig. Schade, denn Teile der Reisegruppe hatten sich zur Aufgabe gemacht, den Camper aufzuräumen und umzuorganisieren. „Ich leb da auch und ich mag Ordnung“. Gesagt, getan. Der Camper war schnell leer geräumt, das Umorganisieren dauerte jedoch etwas länger. Nachdem jeder Gegenstand mit „Brauchst du das zeitnah noch“ abgefragt wurde, wanderte der meiste Kram in die hinterste Schranktür. Während andere an den letzten Seiten ihres Buches klebten, befanden sich andere in den Katakomben des Roadsurfers.

Da der heutige Tagesordnungspunkt eine kleine „Wanderung“ entlang des Flusses Soca sein sollte, mit dem Ziel, die Stadt Soca, machte man sich nach all den Erledigungen langsam startklar. Mit viel Sonnencreme, Autan und Wasser bewaffnet ging es los.

Der Soca Wanderweg führte entlang des Flusses, mal näher dran und mal etwas weiter weg. Was alle Stellen gemeinsam hatten: es war meist schattig, obwohl es sich trotzdem extrem heiß anfühlte. Immer wieder konnte man an die Felsen vor laufen, um das türkisfarbene Wasser zu begutachten. Mal plätscherte es nur vor sich hin, mal war es als reißender Fluss ziemlich gefährlich. Einfach herrlich anzuschauen.

Nach ca. 1,5 Stunden erreichte die Reisegruppe Soca. Man hatte sich den kleinen Ort ähnlich des zuvor sehr touristischen Bovec vorgestellt: viele kleine Cafés und Restaurants, eine Eisdiele, viele Wanderer und viele Möglichkeiten zu flanieren. In Soca angekommen (man musste sich erstmal vergewissern, dass man den Ort überhaupt erreicht hatte), kam dann die Ernüchterung. Eine Kirche, ein Rathaus (?) und ein Minimarkt. Der Witz daran: der Supermarkt hat eine eigene Bar, die in den Markt integriert ist. Gibts nicht? Gibts doch! Scheint hier ein weit verbreitetes Konzept zu sein. Verkaufen und zapfen in einem.

Daher musste die Reisegruppe natürlich einkehren. Und natürlich mangels Alternative. Während die einen sich über ein Lasko aus der Flasche freuten, suchten andere verzweifelt nach einem einigermaßen trinkbaren Kaltgetränk und landeten bei Pepsi. Ein Hoch auf die slovenische Kultur. Während des gemütlichen Sitzens interessierten sich zunehmend auch die Wespen für das kühle Blonde. Daher ereignete sich eine Premerie innerhalb der Reisegruppe. Selbst die hartgesottensten Reiseteilnehmer wurden aus der Fassung gebracht, da „die Wespe dauernd ins Ohr fliegen“ wollte. So griff man zunächst zum Autan, um den ersten Abwehrversuch zu starten. Da dieser allerdings die Gefahr mit sich brachte, sich das eigenen Getränk zu versauen, blieb nur noch die Flucht.

Nach dieser kulinarischen Höchleistung ging es für die Reisegruppe denselben Weg zurück, dieses Mal allerdigs deutlich schneller. Zurück in Campingplatznähe ging bereits die Diskussion über das heutige Abendessen los. Während die einen aus Gemütlichkeitsgründen sowie vor Sorge vor der slowenischen Küche eher für ein selbstgekochtes Essen plädierten, wollten andere sich in der slowenischen Küche verausgaben, um ihrem Motto „eat local“ gerecht zu werden. Um möglichst neutral an die Entscheidung ranzugehen, besuchte man zunächst ein slowenisches Restaurant nahe dem Campingplatz. Was keiner gesagt hatte: das Restaurant lag gefühlt auf 3000 Meter Höhe, die zunächst zu Fuß bewältigt werden mussten. Oben angekommen und drei Wasserflaschen rausgeschwitzt, fand man ein nettes Restaurant vor. Um die Speisekarte zu ergattern, um einen Blick hineinwerfen zu können, musste die Reisegruppe einkehren. Welch ein Opfer. Man fand sich also schnell vor einem Craft Beer und einem Wasser wieder. Während die einen im siebten Himmel schwebten, wussten die anderen nicht so recht, wieso sie schon wieder vor einem Getränk saßen. Nachdem man die Karte angesehen hatte, war relativ schnell klar: der schleckige Teil der Reisegruppe würde hier nicht fündig werden.

Aber kein Problem, es gab ja noch das Campingplatz Restaurant. Hier war bestimmt etwas dabei. Also tappte man auch dorthin, um sich das Menü anzuschauen. Wie von manchen erwartet, gab es hier noch weniger, als bei dem etwas gehobeneren Restaurant. Die Slowenen scheinen Gorgonzola, Wurst und Kartoffeln zu lieben. Super Sache!

Zunächst wurden am Camper erstmal die neueste Supermarkt Errungenschaft probiert: Lemon Melone. Manch einer fands gut, andere so semi.

Da sich die Reisegruppe noch offen lassen wollte, wer wann und wo essen würde, gab es verschiedene Modelle. Entweder gemeinsam im Camper oder zeitverzögert, erst zusammen essen gehen, wo jedoch nur ein Teil der Gruppe essen würde und der andere sich im Nachgang ein eigenes Gericht zubereiten würde. Man zögerte die Lösung noch heraus, ehe die Entscheidung fiel, gemeinsam am Camper zu essen. Die Spaghetti Pomodoro waren auch nicht von schlechten Eltern.