Eine weitere Nacht im Glampingzelt ging unbeschadet für alle Übernachtungsgäste zu Ende. Besonderes Highlight morgens: man kann die Vorhänge aufziehen und durch ein Fliegengitter am Zelt den Sonnenaufgang bestaunen. Schließlich hat nicht jeder Reiseteilnehmer schon einen zu Gesicht bekommen.
Zum Frühstück gab es dieses Mal ein in der Mikrowelle erhitztes Nutellaglas, natürlich mit Brot. Scheinbar hatten auch die Kellner festgestellt, dass aus dem Schokoladenblock nichts herauszuholen war. Nachdem schnell gepackt war, wurde das Gepäck wieder einmal von einem Bollerwagenfahrer abgeholt. Gegen 8.30 Uhr rollte der Koloss los.
Die Fahrt Richtung Etosha Nationalpark, in dem die nächsten beiden Nächte verbracht werden, verlief super. Zunächst durch die tolle landschaftliche Kulisse von Damaraland und anschließend auf richtig guten geteerten Straßen.


In Kohrixas und Outjo, zwei Städten auf dem Weg, wurde wieder nachgetankt. Bei ersterer war es wieder einmal extrem unangenehm. Zunächst winken einen die Tankwarte wild in die Tankstelle (es winken sicherlich mindestens 4 Personen) und weisen einen an die Zapfsäule. Das ist noch nicht das Unangenehme. Unangenehm ist, was sich um die Tankstelle abspielt. Straßenkinder, die barfuß angelaufen kommen und hoffen, etwas zu bekommen. Frauen, die irgendwas verkaufen wollen und ständig rufen. Und dann die „herumlungernden“ Männer, bei denen man nicht so genau weiß, worauf sie aus sind. Jedes Mal fühlt man sich wie der reichste Mensch und hat so ein schlechtes Gefühl, nichts zu geben. Aber, wie unser Guide Peter sagte, „man kann nicht jedem etwas geben — wenn man einmal anfängt, stürzen sich alle auf uns“.
Schon in Kohrixas wurde während des Tankvorgangs wie so oft unsere Scheibe geputzt. Ungefragt natürlich. Dieses Mal war es extrem gründlich. Nicht nur die Windschutzscheibe, sondern alle Fenster wurden fein säuberlich nass gemacht, abgezogen und sogar poliert. Glücklicherweise auch endlich unsere hintere Scheibe – aus der konnte man vor lauter Staub und Dreck nämlich nicht mehr raus schauen. Mit einem frisch gewienerten Auto ging es also weiter nach Outjo. Hier sollte bei einem deutschen Bäcker gestoppt werden.


Anschließend wurde direkt nochmal nachgetankt. Wie schon erwähnt, immer, wenn möglich tanken. Von den vier möglichen Tankstellen im Ort wählten wir die, die am unaufdringlichsten war. Wer mit 10 Mann nach uns winkt, der zählt sicher nicht in diese Kategorie. Also steuerte die Reisegruppe eine unauffällige Tankstelle an. Sie war so unauffällig und unterbeschäftigt, dass sich direkt 5 Mann um unsere „dreckigen“ Scheiben kümmerten. Schließlich hoffte jeder, der einen Putzlappen in der Hand hielt, auf ein gutes Trinkgeld. Also wurde der Wagen erneut blitzblank gemacht. Mit einem dreckigen Auto will schließlich keiner auf Pirschfahrt in den Etosha gehen.
Für die heutige Strecke war gedanklich viel mehr Zeit eingeplant. Doch die Teerstraßen machten die Fahrt relativ kurzweilig. Auch wenn es in Summe wieder gute 5 Stunden Fahrt waren. Am Anderson Gate, dem südlichen Eingang zum Etosha Nationalpark, musste sich registriert werden. Dann ging es weiter Richtung Okahandja, dem hinter dem Parkeingang befindlichen Camp.

Kurz eingecheckt hieß es, dass das Zimmer erst eine Stunde später bezogen werden könnte. Und da es erst halb zwei war, gar kein Problem. Kurzerhand ging es mit den 7 Sachen in den Park rein, um erstes Wildlife zu suchen.

Auf den Parkkarten sind verschiedene Wasserlöcher mit Hinweisen eingezeichnet, welche Tiere sich dorthin gerne verirren. Da es morgen Richtung Osten durch den Park geht, fiel die Entscheidung, noch ein nördliches Wasserloch mitzunehmen, an dem es eine hohe Löwenwahrscheinlichkeit gab. Im Park selbst darf mit 60 km/h gefahren werden. Was total Sinn macht. Einerseits sind die Straßen nicht unbedingt die besten und andererseits würde man sonst Tiere verpassen oder erschrecken. Man könnte den Etosha auch einfach Kudu-Nationalpark nennen. Die Tiere tappen nämlich einfach überall rum. Egal wo man hin schaut. Selbst wenn man mal nicht hin schaut. Überall. Sie tarnen sich auch extrem gut, egal wo.

Schnell kamen dann auch noch Streifengnus dazu. Eine große Herde.

Am ersten Zielspot, einem ausgetrockneten Wasserloch, war leider außer ein paar Oryxen nichts vorzufinden, was man noch nicht kannte. Daher ging es weiter zum „Löwenwasserloch“. Kaum dort angekommen eröffnete sich der Reisegruppe ein wahnsinniges Spektakel. Schon aus der Ferne hatte man drei Giraffen am Horizont laufen sehen, da die Landschaft sehr flach war. Je näher man der Wasserstelle kam, umso mehr konnte man beobachten. Zwei der Giraffen machten sich auf den Weg zum Wasserloch. Mit ihnen außerdem Vogelstrauße, Gnus, Oryxe, Kudus und Zebras. Die Gnus liefen in Reih und Glied Richtung Wasser, gekreuzt von einer Familie Zebras mit einem Jungen, den ständig nervenden Kudus und ein paar aufgeregten Straußen. Das Schauspiel war perfekt. Wie die Tiere in „König der Löwen“.



Doch dafür fehlt dann noch einer: der König! Zwei haltende Autos ganz nahe dem Wasserloch verrieten eine weitere Beobachtung. Langsam wurde sich herangepirscht. Und siehe da: unter einem schattigen Baum hatte sich eine Löwin niedergelassen. Während die anderen Touris irgendwann weiterfuhren, harrte die Reisegruppe aus. Schließlich hatte sie noch kein gutes Bild geschossen. Und das Warten sollte sich lohnen. Nach einiger Zeit erhob sich die Löwin und tappte zum Wasserloch. Was keiner wusste: unter dem Baum lag auch der dazu gehörige Löwe. Er genoss den Schatten noch eine Weile und machte sich dann, nach einem ordentlichen Klogang, auch auf zum Wasserloch. Einfach nur majestätisch und beeindruckend. Der König der Löwen, er hatte Durst.



Und das Spektakel ging weiter. Sobald die beiden Raubtiere sich dem Wasserloch genähert hatten, verschwanden die restlichen Tiere ziemlich schnell. Zu groß war die Angst. Dabei hatten beide Raubkatzen ziemlich volle Bäuche – wenn man das als Löwologe so sagen kann. Immer wieder wollten ein paar Oryxe ebenfalls ihren Durst stillen, doch trauten sich nicht so recht an den Löwen ran. Nach fast zwei Stunden Löwenspotting ging es dann weiter zu einem weiteren ausgetrockneten Wasserloch. Auf dem Weg dorthin fanden sich wieder einmal Giraffen vor der Linse ein.

Am Ziel angekommen war leider wieder nichts zu sehen. Auf dem Rückweg zum Camp wurden dann von Weitem nochmal zwei Löwen unter einem schattigen Baum gespottet. Es macht schon Sinn, dass man im Park nicht aus dem Auto aussteigen darf – auch nicht zum Pinkeln. Das wird eine große Herausforderung für manch einen.
Zurück im Camp wurde das Zimmer bezogen und das Restaurant aufgesucht. Bereits im Vorfeld hatten verschiedene Reisende berichtet, wie schlimm die Verhältnisse in den Etosha Camps seien. Schließlich würden sie vom Staat bewirtschaftet und dies merke man. Tatsächlich können wir nichts von dem, was im Vorfeld berichtet wurde, bestätigen. Das Zimmer ist sauber (die Ranzbude war schlimmer) und schlechter gegessen hatten wir auch schon. Die zwei Gerichte auf der Karte waren kein Knaller, aber deutlich besser als manch anderes.

Da der Etosha Nationalpark als Malariagebiet eingestuft ist, war der abendliche Dresscode lang und hell. Und da die Stechmücken Tonic Water nicht mögen und man viel davon trinken solle, wurde auch dieser Ratschlag befolgt.

Nach dem Essen ging es schnellen Schrittes zum Camp eigenen Wasserloch. Manch einer dachte, die Tiere kämen hier vor allem nachts zum trinken. Wie sich herausstellen sollte, war dem nicht so. Beinahe hätte die Reisegruppe die Tierwanderung verpasst. Das Wasserloch ist beleuchtet und mit einer Mauer vom Camp abgetrennt.

Neben zahlreichen Elefanten fanden sich auch einige Giraffen ein. Ein absolutes Highlight, wenn sie sich zum Trinken hinunterbeugen. Man wartet eigentlich nur darauf, dass es eine von ihnen mal so richtig hin legt.



