„Der Inbegriff eines Urlaubstages“

Die Nacht war, wie schon die letzten eher frisch. Was aber auch sehr gut ist. Gegen 8.30 Uhr quälte sich die Reisegruppe aufgrund aufkommenden Hungers aus den Federn. Dabei musste man ganz schön aufpassen, dass man nicht in einen Geschirrkorb tritt, den Ablagetisch umfegt oder in ein paar Schuhe stolpert. Der Camper ist inzwischen zu einer Kammer der Unordnung mutiert. Wird Zeit, dass die Reisegruppe die Zelte abbricht und alles in den Originalzustand versetzt.

Zum ausgiebigen Frühstück gab es Spiegelrührei und Laugenknoten (und natürlich durfte das allmorgendlichen Geräusch nicht fehlen, wenn ein Handy auf Kieselsteine fällt). Profis hatten heute nicht nochmal den Fehler gemacht, sich bereits in den Tagesklamotten an den Frühstückstisch zu setzen – war die Gefahr von herabfallendem Honig, Margarine oder Marmelade zu hoch. So viel Kleidung hat die Reisegruppe dann auch wieder nicht dabei. Die Tricks reichten von dreckiger Wäsche aus dem Wäschekorb reaktivieren über im Schlafi bleiben. Einer der Tricks funktionierte trotzdem nicht so richtig. Einen Teil der Reisegruppe kostete es wieder.

Nachdem der Schneeschäferhund von nebenan auch endlich wach war, ging es gemütlich ans Spülen. Mehrere Reklamationsschleifen später an der Spülstation ging es dann Richtung heutigem Programmpunkt: Seilbahn fahren und Hütten besichtigen. Und der Hausberg lud zu beidem ein.

In Windeseile wurde der halbe Kleiderschrank in den Wanderrucksack gepackt. Schließlich weiß man ja nicht, was einen auf 2000m Höhe so erwartet. Auf alle Eventualitäten vorbereitet, ging es im neu erworbenen Urlaubsoutfit los. Glücklicherweise hatte die fuchsige Reisegruppe bereits Gondeltickets im Campingplatz Shop erworben (die ohnehin günstiger waren), sodass man die lange Schlange der an der Kasse Wartenden geschickt umgehen konnte. Manch ein Golden Girl meinte, sich vor die Gruppe drängeln zu müssen, um ja noch schneller oben zu sein.

Oben angekommen merkte man schnell, dass es gar nicht so kalt war, wie erwartet. Naja, jetzt hatte man den Kleiderschrank schon dabei. Die ersten Oberwanderer stolperten direkt in die erste Hütte an der Bergstation. Dafür hatten sie sich extra in hochprofessionelle Wanderoutfits geworfen, um die 10 Meter mit ihren Stöcken dort einzukehren.

Die Reisegruppe lies sich davon nicht beirren und steuerte die Tallner Alm, ca. 20 Gehminuten von der Bergstation, an. Der Hausberg glänzt dadurch, dass man jeweils nur einmal umfallen muss, um in der nächsten Hütte zu sitzen. Hüttenliebhaber innerhalb der Reisegruppe schwärmten vom „Inbegriff eines Urlaubstages“.

Auf dem Weg zur Tallner Alm passierte man alles, was man sich nur so vorstellen kann: Leverkusen Fans, Murmeltiere, Drohnen und Kühe. Über manch einen freute man sich mehr, über andere weniger. Zum Leidwesen manch eines Reiseteilnehmers wohnt auch eine Großzahl an Bremsen in den Bergen. Um in diesem Urlaub mal nicht zum Arzt zu müssen, wurde sich daher intensiv mit Anti Brumm eingesprüht. Manch einer sprach von einem „Anti Brumm auf zwei Beinen“. Die erste Hütte war so la la. Mit Aussicht auf eine andere Hütte und wenig Sonnenstrahlen. Der Espresso: enttäuschend. Der Aperolpreis dafür herausragend: 5 Euro werden hier verlangt – man könnte sagen, quasi geschenkt.

Um nicht nur an dieser Hütte kleben zu bleiben, ging es in die 40 Minuten entfernte Hinteregg Alm. Steil den Berg hoch, über Stock und Stein, landschaftlich super schön. Aber auch sehr anstrengend.

Für all die untrainierten Teilnehmer der Reisegruppe irgendwann fast zu weit. Was eigentlich hochgradig traurig ist, endete erneut in einem Unterzuckeranfall manch eines Reiseteilnehmers (natürlich sehr zum Leid der restlichen Reisegruppe). Dachte man sich noch, man sei klüger als am Tag zuvor gewesen, da man zwei Müsliriegel dabei hatte, so sah man sich innerhalb kürzester Zeit doch sehr bedröppelt um. Hatte ein Reiseteilnehmer, der die beiden wertvollen Riegel in der Hand hielt, doch vor lauter Bemühung, den nächsten Bremsenstich zu verhindern, einen der beiden Riegel ins weite Grün bergab geworfen. Super Sache – da war es nur noch einer. Mit dem letzten Überlebensriegel kämpfte man sich weiter bergab zur Hinteregg Alm.

Von Weitem war sie schon zu sehen. Zwar gab es einige hundert Meter hinter ihr eine weitere Hütte, da jedoch der Hunger so groß war, entschied sich der hungrige Teil der Reisegruppe für eine Einkehr. Mit fatalen Folgen.

Die stark besuchte Hütte war zwar voller Besucher, dafür aber mit umso weniger Bedienpersonal ausgestattet. Das zeigte sich schon daran, dass man eine halbe Stunde warten musste, bis die eine Bedienung überhaupt mal vorbei kam. Es wurde gehadert, ob man nicht doch lieber die weiter entfernte Hütte ansteuern sollte. Aufgrund der Hungersituation war dies jedoch nicht für jeden Teilnehmer der Reisegruppe umsetzbar. Daher blieb man geduldig sitzen, lauschte den Kuhglocken oder zauberte an seinem Würfel.

Jedes Mal, wenn die Bedienung aus der Hütte bog, war die Enttäuschung in die Gesichter der Reisegruppe geschrieben. Nach 1,5h Warten kam der Kellner dann, um Bescheid zu geben, dass die Küche nun an den Gerichten der Reisegruppe sei, allerdings die Speckknödel nun aus seien. Ob auch Leberknödel okay wären. Was soll man da dann auch sagen?

Inzwischen war der Sitzbereich der Alm wie leer gefegt, da kamen auch schon die Knödel und der Kaiserschmarrn. Wie die Hyänen fiel man über das Essen her. Sehr zum Leidwesen des ein oder anderen Magens. Ein inhalierter Kaiserschmarrn liegt halt schon gut im Magen.

Da nicht mehr jeder Lust hatte, noch eine weitere Hütte aufzusuchen, ging es zurück Richtung Bergstation. Der Rückweg war steiler als gedacht. Und wieder einmal offenbarte sich der maximal untrainierte Status der Reisegruppe.

An der Station angekommen, ging es mit der Gondel zurück nach unten. Es schien, als hätte das Deo manch eines Wanderers hart versagt. In einer 8 Quadratmeter engen Gondel haben dann alle etwas davon.

Zurück am Camper ging das große Aufräumen und Umpacken los. Denn morgen wird wieder Road gesurft!

Mit einer Pizza vom Campingplatz Restaurant ging der Abend zu Ende.