Die letzte Nacht auf dem Campingplatz Passeier ging zu Ende. Und der Morgen startete deutlich kühler, als die vergangenen Tage. Es war fast schon frisch. Umso besser, um den Camper für die Weiterreise startklar zu machen. Nach einem letzten Frühstück wurden Küchenutensilien verstaut, Klamotten aufgeräumt und alles, was klappern könnte, befestigt.


Der Roadsurfer war ready fürs Weiterfahren. Fast zumindest. Eine Sache war noch zu erledigen: ein kurzer Refresh. Abwasser entleeren, Frischwasser auffüllen und das Highlight: Toilette leeren. Bei letzterer Aktivität musste man sich schwer beherrschen, das Frühstück im Magen zu lassen. So eklig hatte die Reisegruppe dies aus Schottland gar nicht in Erinnerung gehabt. Glück für denjenigen, der nicht mit der Schulter „in der Chemietoilette hängen blieb“.


Nach dem Auschecken ging es los in Richtung Meran und dann weiter Richtung Gardasee. Kurz nach Meran bog der Roadsurfer allerdings nochmal kurzfristig ab. Das Ziel: ein Campingladen. Man hatte sich den Hintern die letzten Tage auf dem harten Stuhl lange genug platt gesessen. So kann ja keiner campen. Mit vereintem Knowhow ging es ans Testen.


Schnell war klar, welches der Modelle für die Reisegruppe geeignet war. Überraschenderweise entschieden sich alle Teilnehmer der Reisegruppe zu einem Invest in ihr Gesäß. Und schwupp die wupp war man im Besitz zweier bequemer Liegen und eines Fußteils. Der Campingurlaub kann starten. Gut, dass die 0711-Liege es zuhause aufgrund von Platzproblemen nicht in den Camper geschafft hatte. Und das Beste an alldem: auf den zweiten Stuhl gabs 20 Prozent. Wiiiiiir sind Schwaben!

Auf der Autostrada ging es lange Zeit durch Weinreben, tolle Landschaft und viele dubbelig fahrende Italienerautos. Noch schnell die Maut abgedrückt, cruiste man recht schnell über die Serpentien runter nach Bardolino.

Am „La Rocca“ Campingplatz ankerte die Reisegruppe. Laut dem Rezeptionisten gab es „nur noch einen freien Platz“. Wie sehr man ihm Glauben schenken kann, ist fraglich. Der „einzig freie Platz“ liegt am Ende des Campingplatzes ohne großen Durchgangsverkehr, was schon mal sehr gut ist. Der Roadsurfer wurde in der Parzelle eingeparkt und schon wurde in Rekordgeschwindigkeit aufgebaut. Markise raus, Tisch aufbauen, neue Stühle präsentieren, den Esstisch in Beschlag nehmen.

Und, zum Amusement der restlichen Reisegruppe, wurde erstmals eine Wäscheleine fachmännisch gespannt. Man will schließlich nicht auffallen ohne eine.


Da es am Gardasee deutlich heißer ist als in der Meraner Ecke, musste eine Siesta abgehalten werden. In den neuen Stühlen, die sogar in die Horizontale gekippt werden können, ließ es sich einigermaßen aushalten.


Nachdem die Ruhepause vorüber war bzw. hart beendet wurde, machte sich die Reisegruppe zu Fuß auf in Richtung Bardolino. Keine zwei Kilometer entfernt konnte man an der Uferpromenade dorthin laufen. Die Sonne brannte wie verrückt.

Bardolino scheint etwas mit Singapur gemeinsam zu haben: nichts ist erlaubt. Man darf nicht in Badekleidung rumlaufen, keine Enten füttern und nicht schwimmen. Das Einzige, was man darf: Hundehaufen wegmachen – oder seinen Hund wegschippen.

In Bardolino angekommen, meldeten erstmals Reiseteilnehmer eine Hungerattacke an, die bisher dadurch noch nicht aufgefallen waren. Daher stolperte die Gruppe direkt ins zweitbeste Restaurant, um ein kostenloses Vorspeisengedeck abzustauben. „Ein paar Nüsse reichen, dann bin ich wieder da.“ So opferte sich ein Teilnehmer der Reisegruppe und bestellte einen Aperol. Denn dazu gab es die kostenlose Knabberplatte. Dass Andere sich unerwarteterweise ein Bitburger zu trinken bestellten, bespaßte die Reisegruppe.


Frisch gestärkt ging es auf Erkundungstour durch Bardolino. Kleine italienische Gässchen, überall Kellner, die einen ins Restaurant ziehen wollen und viele Touriläden. Eigentlich alles, was man von einem touristischen Städtchen erwartet.

Da langsam Hunger aufkam, ging die Suche nach einem geeigneten Restaurant los. Man wollte allerdings nicht in einen Tourischuppen, was die Sache erheblich schwieriger machte. Und leider war die Auswahl alternativlos: es wurde ein Tourischuppen. Laut, hektisch, kulinarisch gar nix. So lautete das Fazit des Abendessens. Nicht einmal der Wein konnte was. Schade Italien.
Um trotzdem noch mit einem kleinen Highlight zurückzulaufen, wurde kurzerhand in der Eisdiele Halt gemacht. Was vielversprechend aussah, enttäuschte leider auch auf ganzer Linie. Manchmal gibt es wohl solche Tage.

Während die Rentnerreisegruppe sich auf den Rückweg zum Campingplatz machte, kamen massenweise Jugendliche entgegen, die Bardolino unsicher machten. So ändern sich die Zeiten. Fazit des heutigen Tages: sowohl der Campingplatz als auch der Gardasee platzt nur so vor lauter Touristen. Eindeutig zu viele Menschen für die eher ländliches gewohnte Reisegruppe.


