Cividale gefällt

Nachdem auch die letzten Moskitos aus dem Camper beseitigt wurden, war die Nacht sehr ruhig. Obwohl die Stechmücken auch nicht noch mehr Schaden hätten anrichten können. Schließlich wurde die Reisegruppe bereits am Tag über schon mehrmals aufgefressen. Und auch am Morgen, als man sich aus dem Camper begab, lauerten die Viecher nur auf ihr Frühstück. Wie sich später herausstellen sollte, lieben sie schattige Plätze und meiden Sonne. Und der momentane Standort des Roadsurfers befindet sich im Schatten eines Baumes, den sowohl Camper als scheinbar auch Moskitos sehr schätzen.

Der am Vortag groß angekündigte Brötchenservice machte sich am Morgen etwas widerwillig mit dem Fahrrad auf. Eine gute halbe Stunde später radelte er zurück auf den Campingplatz, verschwitzt, aber mit Baguette an Bord. Frühstück vor dem Camper ist einfach herrlich. Mit eigener Marmelade und Honig – beste.

Teilen der Reisegruppe wurde heute ein entspannter Tag versprochen. „Nur mal kurz ins Städtchen radeln, den Rest der Zeit können wir vor dem Camper chillen und lesen.“ Bereits nach dem Frühstück ging der Entspannungsmodus an. Selbst das Spülen war dieses Mal (so sagt man zumindest) gar nicht mal so schlimm. Mit Aussicht spült es sich doch schon fast wie von selbst. Und erstmals wurde heute auch das gute Rei in der Tube in die Pflicht genommen. Schließlich war man am Vorabend mit dem stinkenden Welpen kollidiert, der ordentlich Schlamm auf die Hosen brachte.

Da der Himmel sehr bewölkt war, brannte die Sonne nicht so oben runter wie die letzten Tage. Das machte es auch deutlich angenehmer, sich mit dem Fahrrad fortzubewegen. Bevor es Richtung Cividale del Friuli gehen konnte, holte man sich erst noch ein paar Tipps bei den Campingplatzbesitzern ein. Die besten Cafés, die besten Pasticcerias und die Must Sees des Ortes. Und schon konnte es los gehen.

Durch Weinreben und an süßen italienischen Häuschen vorbei dauerte die Fahrt keine 20 Minuten.

Sie führte vorbei am morgendlichen Bäcker und sorgte dafür, dass Teile der Reisegruppe vor lauter Gier direkt dort andockten, um sich die letzten italienischen Gebäckstücke zu sichern, ehe die Pasticceria um 12.30 Uhr schloss. Natürlich waren die Augen mal wieder sehr groß. Geschickt wurde das wertvolle Gut transportiert.

Schnell waren die Räder abgestellt und die Reisegruppe zu Fuß unterwegs. Alle Teilnehmer waren sich einig: hier ist es richtig cool! Kleine Gassen, coole Restaurants und ganz viel italienisches Flair. Und das Beste daran: nicht so viele Touris wie in Bombardino. Oder war es Bardolino?

In der ersten Empfehlung der Campingplatzbesitzer wurde direkt Halt gemacht: Pasticceria Zuckerfee. Schade für all diejenigen, die sich bereits in der erstbesten Pasticceria die Einkaufstüten vollgemacht und auch schon zur Hälfte verdrückt hatten. Denn in der Zuckerfee gab es natürlich auch herrlichstes Kleingebäck. Ganz sein lassen konnten es Teile der Reisegruppe dann doch nicht und drückten sich on top noch eine Crema Catalana rein. Und die Espressi durften natürlich auch nicht fehlen. Einfach gut hier.

Nach dieser Stärkung ging es durch die Stadt. Groß war sie nicht, dafür aber wirklich süß. Schade nur, dass die Reisegruppe zur Siesta angereist war. So hatten leider die meisten Geschäfte geschlossen. Erneute Öffnung: 16 Uhr. Das tat der Begeisterung jedoch keinen Abbruch. Langsam kam auch die Sonne wieder durch die Wolken, was die ganze Angelegenheit sehr schwül machte.

Ein besonderes Wahrzeichen von „Cividale“, wie die Einheimischen sagen, ist die „Ponte del Diavolo“, die wirklich malerisch auf die Stadt zuläuft. Die schönere große Schwester von Tübingen quasi. Unter der Brücke schlängelt sich der Fluss Natisone in grün und blau durch.

Nachdem die Brücke besichtigt war, ging es einen Weg durch die Gassen. Auch hier wieder: süße Häuser, toll angelegte Gärten und ultra viel dolce Vita.

Da inzwischen auch die restliche Reisegruppe Hunger angemeldet hatte, machte man sich auf die Suche nach einer geeigneten Lokalität für einen Snack. Da die Spelunke an der Ecke nur belegte Sandwiches ohne Rand anbot, fackelte man nicht lange und stolperte ins empfohlene Restaurant. Dem unfreundlichen Kellner zum Trotz, wurden Kaltgetränke und ein „Frico“ bestellt. Frico ist ein Käse-Kartoffel-Fladen, der hier als absolute Spezialität gilt. Getreu dem Motto „eat local“ musste es also ein Frico sein. Weitere friauliche Spezialität: Polenta. Und so vereinten sich auf dem Teller zwei der drei friaul-julisch venetischer Köstlichkeiten. Die Dritte sollte heute auch noch auf den Teller kommen.

Mit einer fetten Portion Käse im Magen machte man sich auf in Richtung Heimathügel. Die Rückfahrt war anstrengender als erwartet, waren die Beine teilweise sehr müde. Oben angekommen wurde noch ein bisschen gelesen, ehe es wieder zum Abendessen los ging. Erneut mit dem Fahrrad. Die Reisegruppe hatte sich dagengen entschieden, nochmals den Bauernhof vom Vorabend zu besuchen (im Nachhinein war der Gruppe nicht klar, weshalb). Stattdessen ging es in eine nahe gelegene Trattoria. Dachte man zumindest.

Wie sich herausstellte, befand man sich nicht in der zuvor akribisch sondierten Trattoria, sondern in einem anderen italienischen Restaurant. Dies fiel leider erst auf, als die Karte schon auf dem Tisch lag und die Getränke eingeschenkt waren. Da es Teilen der Reisegruppe zu unangenehm war, wieder zu gehen, blieb der Trupp. Und wieder einmal entpuppte sich das Restaurant als Reinfall. Und zwar auf ganzer Linie. Während die einen auf der Karte zunächst nichts fanden (sie wurde ja, wie bereits erwähnt, im Vorfeld schon sondiert und für nicht gut befunden), wagten sich andere an die große Schlachtplatte ran, auf der auch die dritte Spezialität der Region, eine spezielle Wurst, inbegriffen war. So kamen die Gnocchi pomodoro und die Schlachtplatte. Was davon ekliger schmeckte konnte man nicht sagen. Wer in Italien nicht einmal eine Tomatensoße zubereiten kann, dem ist echt nicht mehr zu helfen. Und die große Schlachtplatte schmeckte alt und aufgewärmt. Ein absoluter Reinfall.

Während die einen tapfer eine Gabel nach der anderen reinschoben, sahen andere gar nicht ein, ein solches Gericht zu essen. Auf Nachfrage der Kellnerin, ob es gut war, musste dies leider verneint werden. MIt dieser Rückmeldung schämten sich Teile der Reisegruppe so sehr, dass man schnell aufbrechen musste. Schnellster Restaurantbesuch ever. Man weinte noch dem Bauernhof hinterher und radelte dann zackig zurück auf den Hügel.

Dort angekommen wurden die letzten Sonnenstrahlen eingefangen, ehe man sich wieder von den Mücken auffressen lies.