Von Moschdmeggln und Birkenstöcken

Heute war es mal wieder so weit: Abreisetag. Das heißt anstatt ausschlafen klingelt der Wecker, zum Frühtsück gibt es maximal ein heißes Getränk und auch ansonsten wird nicht gebummelt. Das Team wird immer routinierter, dieses mal wurde bereits um 9 Uhr der Tritt eingefahren, neuer Urlaubsrekord!

Wir verließen das Socca Tal in Richtung Norden. Über eine schöne Panormastraße ging es stetig bergauf. Irgendwann realisierte es auch der letzte an Bord, dass wir uns unwissentlich einen kleinen Pass slovenischer Straßenbauart eingehandelt hatten. Im Nachhinein erfuhren wir, dass es sich um den Vrsic Pass, der mit 50 Serpentinen höchste und größte Straßenpass Sloveniens handelte. Nicht für alle an Board war die Überquerung eine Freude. Leitplanken waren hier selten zu finden und viele Serpentinen waren für ein besseres Fahrgefühl mit Kopfsteinplfaster ausgebaut. Faster jeder Kurve folgte eine energische Schimpftriade vom Beifahrersitz. Folgend ein paar jugendfreie Auszüge: „Das Timmelsjoch rutsch ich im Vergleich auf einer Arschbacke runter“, „Och wir bauen eine Straße breit genug für ein Auto und lassen dann einfach zwei drauf fahren“, „Die Radfahrer hier tun mir schon richtig leid. Ach nee eigentlich nicht. Im Gegensatz zu mir machen die das ja freiwilig“ und natürlich der Klassiker: „Fahr mal bitte weiter links, hier geht’s runter!“.

Erholungspause für den Beifahrer. Obwohl das Fahrzeug schon längst steht, konnten die verkrampften Finger noch nicht geöffnet werden.

Um 12:00 Uhr erreichte der Trupp das heutige Ziel, die slovenische Hauptstadt Ljubljana.

Das Campingresort für die heutige Nacht. Gut das wir heute Morgen noch beim Service waren

Kaum eingeparkt machten sich die neugierigen Touristen auch direkt auf in die Stadt. Nach 40 Minuten Fußweg durch Plattenbau Wohnblöcke erreichte man die Altstadt rund um den Fluß Ljubljanica. Schlagartig ändert sich das Stadtbild hin zu wunderschön. Beide Seiten des Flußes sind gesäumt mit Restaurants, Cafés und Bars. Dem ein oder anderen fällt es schwer nicht direkt den Anker zu werfen.

Flaniermeile. Erstmal nur gucken, nicht anhalten.

Die Gruppe war schon recht lange auf den Beinen, weshalb erst einmal ein kleiner Mittagssnack her musste. Da wir nicht genau wussten was wir snacken wollten, wurde das altbewährte Ausschlussverfahren angewandt. Das Ausschlussverfahren bestand im Überprüfen nahezu aller ausgehängten Speisekarten in Ljubljana. Neben den eigentlichen Gerichten auf der Karte wurde auch deren Kombinatorik bewertet. So waren zum Beispiel Restaurants welche beides, Burger und Pizza anboten als suspekt eingestuft und somit von der Auswahl raus. Ebenfalls zählten alle Restaurants welche Sandwiches oder Taccos in irgendeiner Form auf der Karte haben ebenfalls als suspekt. Solche Restaurants können ja nichts gescheites sein!
Zuviele Touristen sind ein Zeichen für Massenabfertigung und werden ebenfalls gemieten. Die angesteurten Asiaten machten ebenfalls keinen guten Eindruck, schließlich hatten sie nicht einmal gebratenen Reis auf der Karte. Für etwas süßes war es noch zu früh, schließlich wollte man ja noch später ein Eis probieren. Ach ja, und die slowenische Küche ist etwas zu fleischlastig. Es lief mal wieder alles auf den alt bewährten Italiener hinaus. In einer letzten verzweifelten Extra Runde durch eine Seitenstraße trug – dem Hergott sei Dank – ein Kellner gerade ein lecker dufteten Seebarsch auf einem Gemüsebett heraus. Ohne überhaupt die Karte zu studieren, checkte das Team in einem mehr oder weniger lokalen Restaurant ein.

Odyssee durch Ljubljana.

Gestärkt und gut gelaunt konnte sich nun auf die Stadt konzentriert werden. In einem benachbarteten Kaffee gab es erst einen herrlich sauren Espresso, danach folgte das wohlverdiente Eis.

1,80€ die Kugel. Fair sagen die Kenner.

Für 3,50€ kann man mit der Zahnradbahn zur Burg von Ljubljana fahren. Da wir das Geld bereits in die zwei Kugel Eis investiert hatten entschieden wir uns für den Aufstieg zu Fuß. Das Airscape Rückensystem des Rucksacks hatte wieder sehr viel zu tun.

Blick von der Burg auf die Stadt.
Touristen Nachschub mit der Zahnradbahn. Für uns das Zeichen wieder schnell nach unten zu lauffen.

Nach der Bergwanderung wurde nun ausgiebig am Fluss flaniert.

Pause in einer der zahlrreichen Bars an der Prommenande.

Von unserem Tisch hatten wir einen herrlichen Blick auf die vorbeiziehenden Passanten. Gut versteckt hinter der Sonnenbrille wurde beobachtet, dass die meisten Einheimischen doch aussehen wie „Moschdmeggl“, die erkennt man direkt. Moschd ist der schwäbische Apfelwein, Meggl könnte eine familieninterne Erfindung sein und wie das Ganze auf Slovenien passt, keine Ahnung…

Weiterhin beobachtete die Style Polizei ganz raffiniert, dass auffallend viele „Birkenstöcke“, welche sich seit diesem Jahr scheinbar vom bequemen Hausschuh zum bequemen Sommerschuh gemausert haben, unterwegs waren. Und Tatsache, der meistgetragene Schuh in Ljubljana sind die Birkenstöcke. Gar nicht so dumm bei dem heißen Wetter. In bequemen Sneakers ist es zu heiß, in luftigen Schuhen fehlt der Komfort. Ein Aperol weiter reifte eine Idee heran…

Nachdem auch der letzte Winkel der Altstadt erkundet war, ging es wieder auf die Suche zum Abendessen. Da wir schon fast alle Restaurants der Stadt kannten, lief die Suche nun deutlich zügiger ab. An der Promenade fanden wir tatsächlich ein Restaurant, welches Spaghetti Pomodoro und Kranjska Klobasa, eine slowenische Wurstspezialität, anbot. Hier wurde nun nicht lange gefackelt und schnell an einen freien Tisch gesetzt.

Klappte dann doch noch: Eat local

Wir hatten uns kaum hingesetzt, da fing es auch schon sehr überraschend und recht heftig an zu regnen. Um unsere nicht imprägnierten neuen Schuhe zu schützen, packten wir kurzerhand wieder unsere Sneakers aus dem Rucksack aus. Der ein oder andere vom Nachbartisch schaute etwas irritiert zu.

Kurze und heftige Abkühlung. Nichts für unsere neuen Schuhe.

Nach dem Essen ging es zurück zu unserem Resort. Kaum angekommen wurden wir von einem netten Slowenen auf dem Motorroller abgepasst. 25€ die Nacht, nur Barzahlung. Zur Bestätigung hat er uns noch ein Bild von Marco, dem Besitzer des Platzes auf seinem Handy gezeigt. Wir haben natürlich gutgläubig bezahlt, in der Hoffnung, dass alles schon seine Richtigkeit hat.

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