Der große Tag und somit der eigentliche Grund für unsere Reise stand nun endlich auf dem Programm: die kirchliche Hochzeit von Philipp und Michaela. Da der Trauzeuge bei der Begrüßung der Gäste unterstützen soll, trafen wir schon früher als der Rest an der Church of the Holy Spirit ein. Dieses Mal mit Klimaanlage in der Kirche. Für alle Anzugträger eine absolute Erleichterung bei der Hitze.


Pünktlich um 11.30 Uhr startete die Zeremonie. Für unsereins doch eher von der Kategorie ungewöhnlich. Vor dem Altar standen der Bräutigam und hinter ihm seine drei „Best Men“, also der Trauzeuge und noch zwei weitere vom Bräutigam Erwählte. In Freistoßerwartungshaltung schauten sie gespannt Richtung Eingangstüre. Mit dem Einsetzen der Musik kamen die ersten „Bridesmaids“ in die Kirche geschwebt. In rosafarbenen Kleidern, entsprechend der Krawatten der Best Men, kamen sie dem Altar immer näher. Zeit, für den ersten Best Man die Dame abzuholen und auf ihren Platz zu geleiten, nämlich vor dem Altar neben dem Platz der Braut. Die Choreographie gelang bestens – schließlich hatten wir sie einige Tage zuvor ja auch geübt. Und dann war der Moment gekommen: der Brautvater führte die Braut zum Altar: in einem wahnsinnig tollen weißen Kleid mit riesiger Schleppe und einem Schleier über dem Gesicht.


Der Priester begann den Gottesdienst, der an sich sehr ähnlich zu katholischen Gottesdiensten in Deutschland war. Einziger Unterschied: bei uns trägt der Priester keine Birkenstocksandalen. Und es wurden immer wieder Durchsagen per Mikrofon gemacht, wann man sitzen und wann man stehen soll. Immer wieder wurden Lesungen gehalten, gesungen und gebetet. Dann kam das Ehegelübde. Und schließlich das Anstecken der Ringe. Gott sei Dank hatte der Trauzeuge gut auf die Ringe aufgepasst, sodass auch dieser Programmpunkt reibungslos von statten gehen konnte.
Nach dem Segen machte sich das Brautpaar auf den Weg vor die Kirche. In Deutschland wären nun alle hinterher, um zu gratulieren. Nicht so in Singapur. Direkt nach dem Ausmarsch kam das Brautpaar zurück, um Fotos zu machen. Eine Dame rief auf, wer nun fürs Posieren nach vorne kommen dürfe, dann wurden Bilder geschossen und die nächsten waren dran. So war sicher gestellt, dass jeder einmal auf einem Foto zu sehen ist. Im Anschluss an die Kirche ging es in den Gemeinderaum (bestimmt wird der in Singapur auch so genannt), wo es ein gemeinsames Mittagessen für alle gab. Asiatisch natürlich.


Nachdem alle gesättigt waren, ging jeder seines Weges, um sich noch etwas auszuruhen. Schließlich ging die Feier am Abend in einem Hotel weiter. Also machten auch wir uns auf Richtung Mittagsschlaf, um nur wenig später zur Feierlocation zu fahren.
In einem riesen großen Holiday Inn Hotel fand auf einer Etage die Feier statt. Da wir recht früh vor Ort waren, konnten wir noch beobachten, wie die Hotelangestellten den Raum vorbereiteten und Kriegsrat hielten. Mindestens 30 Angestellte wuselten umher, um alles perfekt zu machen. Um 19.45 Uhr fiel dann der Startschuss. Unter pompöser Musik liefen zunächst die Bridesmaids mit den Best Men in den Saal ein, dann das Brautpaar. Der Moderator der Hochzeit holte das Brautpaar direkt auf die Bühne und sofort wurde die Torte angeschnitten. Anschließend fand auch gleich schon der Hochzeitstanz und die Rede des Bräutigams statt. Erst dann konnte sich das Paar etwas entspannen. Mit Betonung auf „etwas“.

Nach dem ersten Gang verabschiedete sich das Brautpaar schon wieder, um sich umzuziehen. Dadurch verpassten sie Gang zwei – die Muschelsuppe. Kluger Schachzug.
Nach einem erneuten Einmarsch ging es wieder direkt auf die Bühne, um dort den Champagnerbrunnen zu eröffnen. Dabei öffnet der Bräutigam die Flasche und übergießt einen Turm aus Gläsern mit Champagner. Anschließend trinkt das Brautpaar überkreuz jeweils ein Glas.

Und schon ging es weiter – die engste Familie und die Trauzeugen wurden auf die Bühne gebeten, um auf das Brautpaar anzustoßen. Danach leerte sich die Bühne langsam und nur einer blieb stehen: der Trauzeuge. Zeit für die Rede, die auch auf zwei Leinwänden im Saal übertragen wurde. Auf der Bühne mit Mikro im Licht der Scheinwerfer gab er seine lange geprobte Rede zum Besten. „Good evening ladies and gentlemen“. Ich glaube, wir können es beide schon nicht mehr hören und waren froh, dass es witzig und ohne Zwischenfälle über die Bühne gebracht wurde. Die Mühe und Aufregung hatte sich gelohnt. Weiter ging es mit den Reden der Trauzeugin und des Brautvaters, ehe der nächste Gang serviert wurde.


Serviert wurde dieser jedoch nur für die Gäste – das Brautpaar ging erneut leer aus. Denn während alle aßen, mussten die Armen von Tisch zu Tisch gehen, um sich mit den Gästen fotografieren zu lassen. Erst zum Nachtisch stiegen sie wieder mit ein.
Eine tolle Idee war, dass auf den Leinwänden ständig Bilder von der Hochzeit letztes Jahr übertragen wurden. Und auch eine Fotobox bescherte den Gästen tolle Erinnerungen.
Ab 22 Uhr war die Tanzfläche eröffnet. Für genau zwei Stunden. In Singapur enden Hochzeiten für gewöhnlich schon um 23 Uhr. Wer bis 0 Uhr weiterfeiern möchte, legt extra drauf. Um Punkt 12 gingen die Lichter an und der Moderator verabschiedete die Gäste in die Nacht. Wer nicht schnell genug war, dem wurde bereits der Tisch vor den Füßen weggeklappt.
Somit ging für uns ein eindrucksvoller und spannender Hochzeitstag zu Ende.