Die erste Nacht in Banff endete exakt wie am vorherigen Morgen um 5.30 Uhr. Wieder einmal war die Menge und Dicke der Hotelkissen mehr als gut gemeint. Da auch dieses Hotel kein Frühstück im Angebot hat, fiel die Wahl auf einen am Vortag ausgewählten Bäcker. Pünktlich um 8 Uhr, in gewohnt deutscher Manier, waren wir die ersten Kunden. Auch hier erschlugen einen im ersten Moment die Preise – 31 Kanadische Dollar für 6 süße Stücke – nicht ohne.
Gut gestärkt ging es Richtung Lake Louise im Banff Nationalpark. Dieser gilt als einer der bekanntesten und schönsten in ganz Kanada. Da der Bow Valley Trail schon am Vortag total schön war, fiel die Entscheidung erneut gegen den stark befahrenen Trans-Canada-Highway. Und diese sollte sich wieder bewähren. Kaum was los, tolle Landschaft und entspanntes Fahren. Obwohl die Reisegruppe in absoluter Habachtstellung war, um einen Bären aufzuspüren, blieb dieser Wunsch (Achtung, Spoiler) für den heutigen Tag unerfüllt. Dafür gab es einen leichten Vorgeschmack auf das Wildlife, indem zwei Elche gesichtet wurden, die gemütlich die Straße überquerten. Sofort bildete sich eine Traube an Autos, die die Straßenüberquerung beobachtete. Daraus ergibt sich folgende Faustregel: einen Bär, den bereits jemand anderes erspäht hat, kann man gar nicht verfehlen, wenn man sich an Autoansammlungen orientiert.

Gegen 10 Uhr erreichten wir Lake Louise, was schon relativ gut besucht war. Eine Parkgebühr von 13 Dollar später standen wir vor dem beeindruckenden Naturspektakel von Lake Louise. Türkisblaues Wasser, umgeben von schneebedeckten Bergen, die sich im Blau spiegelten. Gefühlt waren schon sehr viele Touristen am Start. Wie sich später herausstellen sollte, war dies noch wenig. Nach den obligatorischen Bildern entschieden wir uns, den Lake Agnes Trail zu starten. Dieser führt 7,7 Kilometer seitlich des Lake Louise aufwärts. Man kann bis zum Endziel, dem Lake Agnes Tea House, wandern oder aber nur den Lake Mirror mitnehmen. Rund 400 Höhenmeter werden dabei erklommen. Über Wurzeln und Steine ging es stets bergauf, was den ein oder anderen ganz schön ins Schwitzen brachte. Aber was tut man im Urlaub nicht alles. Nach 1,5 Stunden erreichten wir Lake Mirror und entschieden uns, hier umzudrehen. Der An- und Abstieg bis dahin reichte schon aus, um die Knie zu Pudding werden zu lassen.



Im Anschluss daran stand eigentlich Lake Moraine auf dem Programm, der nur zwei Kilometer von Lake Louise entfernt liegt. Jedoch waren die Parkplätze hier schon (seitdem wir morgens kamen) belegt, sodass niemandem mehr die Zufahrt gewährt wurde. Daher traten wir den Rückweg durch den Bow Valley Trail an. Nach einem kurzen Espresso in einem dort gelegenen Café steuerten wir auf eine weitere Menschentraube zu. Überall parkten Autos auf dem Seitenstreifen, während ihre Besitzer in einer Reihe mit Blick Richtung Wald standen. Der angeblich dort gesehene Schwarzbär tauchte leider nicht nochmal auf. So blieb es bei einer Elchbeobachtung für diesen Tag.
Zurück in Banff ging es nach einem kurzen Abstecher in den Supermarkt noch zu den Vermilion Lakes, den drei Seen, die quasi gegenüber unserer Unterkunft liegen. Auch hier bot sich ein tolles Naturspektakel, da sich Wolken und Berge im Wasser spiegelten. Mit einem überraschend leckeren Abendesse im hoteleigenen Bistro Juniper endet dieser beeindruckende Tag.
Das Ausmaß der Schnaken Angriffe während der Wanderung wird wohl erst morgen früh in vollem Umfang zu beschreiben sein.

