„Sehr leicht“

Neuer Tag, neue Action. Was bietet sich nach einer fast 70 km langen Fahrradtour an? Richtig, eine Wanderung. Schließlich sollen die Speckpolster aus dem Homeoffice ja abtrainiert werden. Wenn das nach diesem Urlaub nicht der Fall ist, dann weiß ich auch nicht… Das heutige Ziel hieß Jochberg. Gelegen auf 1.500m. „Sehr leichte Tour“, hieß es. „Familienfreundlich“, hieß es. Nichts davon sollte stimmen. Mal wieder viel zu spät startete die Reisegruppe Richtung Parkplatz an den Serpentinen kurz vor dem Walchensee. Von hier aus sollte die „1,5-stündige“ Wanderung bis zur Jocheralm auf dem Jochberg dauern. Keine fünf Minuten nach Beginn des Aufstiegs hatten die ersten Teilnehmer mit Kreislaufproblemen zu kämpfen. Es ging gefühlte 100 Grad Steigung bergauf.

Glücklicherweise waren alle Reiseteilnehmer mit Wanderstöcken ausgestattet, die den Aufstieg um einiges erleichterten – auch wenn es dennoch sau anstrengend war. Immer wieder überholten andere Wanderer die stark angeschlagene Reisegruppe. Sogar Wanderer mit Neugeborenem machten den Überholer. Welch bitterer Moment. Nach mehreren Pausen, in denen den Körpern eine kurze Regeneration gegönnt wurde, ging es weiter steil bergauf. Ein Ende überhaupt nicht in Sicht. Schließlich wurde ein Boxenstopp fürs Vesper eingelegt. Einen ersten Blick gab es dabei auf den Kochelsee.

Weiter ging der Anstieg Richtung Gipfelkreuz. Nach einer gefühlten Ewigkeit musste die Entscheidung getroffen werden, ob man direkt zur Alm abzweigen oder noch bis zum Gipfel kraxeln möchte. Selbstverständlich entschied sich die Reisegruppe für Zweiteres. Schließlich „kann man ja nicht so weit hoch laufen, um sich dann nicht zu belohnen“. Gesagt, getan. Der Berg musste förmlich hochgekrabbelt werden, so steil ging es hoch. „Sehr leicht“, sollte die Route sein – nur nochmal zur Erinnerung. Immer wieder konnte man einen Blick auf den Kochelsee erhaschen.

Das einzig Positive an der Route war, dass sie durch einen Wald führte und die Sonne somit noch nicht auf die Wanderer runter pratzeln konnte. Doch das sollte sich schon bald ändern. Einige Überholer später ging es raus aus dem Wald. Auch hier konnte wieder die Entscheidung getroffen werden: direkt zur Hütte oder hoch auf den Gipfel. Selbstverständlichkeit fiel auch hier die Wahl auf den Gipfel. Schließlich „kann man ja nicht so kurz vor dem Ziel aufgeben“. Gesagt, getan. Zahlreiche gefährliche Geröllschichten später befand sich der Trupp am Gipfelkreuz des Jochbergs. Die Sonne knallte nur so runter und ungefähr alle Wanderer, die uns zuvor überholt hatten, sammelten sich um den Gipfel.

Der Blick von oben war wirklich beeindruckend. Man konnte sowohl den Walchensee als auch den Kochelsee sehen. Tolles Panorama. Eine ganze Weile wurde oben verweilt, ehe es runter Richtung Alm ging.

Ein Glück waren die Wanderstöcke am Start, sodass der erste Abstieg relativ kniefreundlich von Statten ging. An der Hütte angekommen erschlug einen erst mal die laute Geräuschkulisse. Ein Bus der bayerischen Landfrauen musste vor einiger Zeit angekommen sein – und das, obwohl es hieß, man könne lediglich zu Fuß zu der Hütte gelangen. Vermutlich waren sie auch der Grund dafür, warum der Kaiserschmarrn gerade erst ausverkauft war – unglaublich! Also mussten Wurstsalat und Kuchen herhalten, ehe es wieder abwärts ging.

Für den Rückweg fiel die Entscheidung darauf, nicht denselben Weg abzusteigen, da dieser sehr knieunfrendlich war. Stattdessen ging es die Serpentinen zum Walchensee hinunter, an dem man dann noch ein Stück am Ufer zu Fuß zurücklegen musste. Jedoch musste man dafür erst einmal nach unten gelangen. Über anstrengendes Geröll ging es bergab. Wieder mal ein Glück, dass die Wanderstöcke am Start waren – sonst wäre das nicht gegangen.

Nach Ewigkeiten erreichte die Gruppe die Promenade. Fix und fertig – und weit entfernt von „1,5 Stunden Wanderung“.

Die letzten Kilometer ging es am Ufer entlang bis zur Serpentinenstraße, die dann noch bewältigt werden musste. Somit ging eine „sehr leichte“ Wanderung nach Stunden zu Ende. Gekrönt wurde diese mit einer Zecke, die sich in einem Reisemitglied festgesogen hatte.

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