Wir sind dann mal Roadsurfen!

Eine weitere Nacht im indisch betriebenen Brooks Hotel ging vorüber – heiß, laut und kurz. Die Zimmer sind so hellhörig, dass man dauernd den Eindruck hatte, es steht jemand neben dem eigenen Bett. Da glücklicherweise der „frühe“ Frühstücksslot von 8.30 Uhr frei war, ging es zeitiger als am Vortag zum Essen.

Dieses Mal konnten sich alle beherrschen und endlich mal ein Frühstück wählen, das ihnen auch schmeckt: bei den einen landete erneut der Nutellatoast auf dem Teller, bei den anderen Eggs Benedict. Um 11 Uhr stand der Check-Out an. Gegen 12 Uhr sollte der Bus Richtung Camper Abholestelle gehen. Nach einem Pitstop in einem (wieder mal indischen) Café, ging es mit einem Bandtourbus ins 30 Minuten entfernte Industriegebiet. Hier sollte die Abholstelle des Roadsurfers sein. Mit den Koffern durchs Industriegebiet laufend erreichten wir schnell die Homebase des Roadsurfers. Richtig lässiger Laden! In aller Ruhe konnten wir unseren Roadsurfer inspizieren und alles erkunden. So manch ein Hebel und Schalter war da dann doch noch unklar. Ein richtig cooles Teil ist der Camper auf jeden Fall!

Nach einigen Erklärungen befand sich die Reisegruppe schließlich vor dem Roadsurfer Hauptquartier, ready to go. Würde sich nur mal diese blöde Handbremse lösen…. Nach weiteren Erklärungen konnte die wilde Fahrt dann endlich los gehen. Und zwar direkt mit einer geschmeidigen Linkskurve. Ein Glück wurde nur ein winziges Stück Bordstein mitgenommen. Nach wenigen Probemetern ging es für den wagemuten Fahrer direkt auf die Autobahn. Was allerdings nicht das Schlechteste sein muss. Einfach den anderen Trottlern hinterher fahren. Kritisch wurde es dann erst wieder im Kreisverkehr des Todes. Solche Kreisverkehr hat noch keiner zu Gesicht bekommen. Mit Ampeln und hunderten Abzweigemöglichkeiten. Kein Wunder, fährt man da mal falsch ab. Doch keine Panik, das Navi lotste dennoch ohne Probleme zum nahe gelegenen Tesco. Ein Traum für jeden ausländischen Supermarktliebhaber. Da kann sich locker stundenlang aufgehalten werden.

Die erste Amtshandlung der Reisegruppe war etwas, was sie in der Heimat nicht mal von hinten anschauen würde: ein Duftbaum kaufen. Schließlich stank das Auto während der Fahrt so sehr nach Gülle (was definitiv aus der Nasszelle kam), dass hier etwas dagegen unternommen werden musste. Ewigkeiten später befand sich die Reisegruppe mit vollen Speichern wieder auf der Autobahn in Richtung Glasgow.

Der Fahrer gewann zunehmend an Sicherheit und Erfahrung. Keine Stunde später konnte der erste Campingplatz angesteuert werden. Nachdem zunächst der falsche Weg eingeschlagen wurde („Hilfe, jetzt läuft auch noch ne Schulklasse hinter dem Auto“) und dadurch der Rückwärtsgang getestet werden konnte („Hilfe, noch mehr Schüler“) gelangte der Roadsurfer samt Insassen auf den Red Deer Village Holiday Park. Glücklicherweise war es erst 16 Uhr – um 17 Uhr schloss die Anmeldung für den Campingplatz. Die freundliche Rezeptionistin des stark überteuerten Campingplatzes bot alles, was man von Schottland erwarten durfte: einen Dialekt, der seines Gleichen suchte. Wirklich was verstehen konnte man bei ihrer Aussprache definitiv nicht. Da wurde es schon schwierig zu erfahren, wo genau der Frischwassertank aufgefüllt werden konnte.

Nach einer Extrarunde über den Campingplatz konnte im zweiten Anlauf dann auch die Frischwassserstelle gefunden werden. Der Roadsurfer hat einen Wasserbehälter, mit dem der Frischwassertank gefüllt werden kann. Nach Adam Riese müsste man diesen zehnmal laden, um den Roadsurfer zu befüllen. Nicht jedoch, wenn die Befüllstelle andauernd überläuft. Da muss der Camper schon deutlich öfter laufen. Gesagt, getan!

Nachdem der Tank dann wirklich übergelaufen ist, weil voll, konnte es endlich an Stellplatz 12 gehen. Manch einer beschwerte sich, dass dieser „direkt neben den Mülltonnen“ war. Andere lobten die Abgeschiedenheit von all den anderen Camping Bewohnern. Zunächst mussten die Keile unter dem Roadsurfer angebracht werden, um ein möglichst ebenes und wohliges Schlaferlebnis zu ermöglichen. Nachdem auch dies geschafft war, konnte das große Auspacken los gehen.

 

Die Küchenutensilien wurden schnell eingeräumt, die Einkäufe verstaut und die Klamotten umsortiert. Relativ schnell war der Roadsurfer fully loaded. Während sich manch einer schon in seinem gemütlichen Campingstuhl mit einem Bier wähnte, entdeckten andere eine Dreckspur im Camper. Dieser musste auf den Grund gegangen werden… Und der Verdächtige schien schnell gefunden. „Hast du Scheiße am Schuh, hast du Scheiße am Schuh“ hat es in diesem Fall gut getroffen. Denn der genaue Beobachter konnte feststellen, dass große Teile des Campingplatzes mit Vogelkacke besäht waren. Und gekonnte Camper trugen diese direkt und ungefiltert in den Camper. Zeit für eine erste Grundreinigung.

Nur wenige Minuten mit kühlem Bier und Wein waren der Reisegruppe vergönnt, ehe die Ersten über Hunger klagten. Und auch das Wetter wurde rauer, sodass es die Roadsurfer nach Innen trieb. Auf dem Speiseplan stand für heute Spaghetti nach Art des Hauses. Mit begrenztem Platz und kleiner Küchenausrüstung war selbst das kein Problem.

Das Abendessen schmeckte besser denn je. Lag vielleicht auch einfach an der Gemütlichkeit des Campers. Schließlich musste sich die Reisegruppe ins Innere verdrücken, da der schottische Regen eingesetzt hatte. Bei offenen Fenstern und geschlossener Tür ließ es sich bestens Abendessen. Einziger Wehmutstropfen: das Fenster der Eingangstüre rutschte mit einem Mal aus der Verankerung. Da hatte das Panzertape an der Fensterscheibe wohl doch seine Daseinsberechtigung. Naja, wie dem auch immer….

Der Gemütlichkeit des Roadsurfers tat selbst dies keinen Abbruch. Bei Nieselregen im Freien wurde im Inneren gespült, getrunken und entspannt. Und nachdem die Toilettennutzung auch endlich erprobt wurde, musste keiner mehr vors Loch! 

Ein Kommentar

  1. eier benedictum benedactum??🤪

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