Und die Nacht hatte es tatsächlich in sich. Mehrmals wurden die schlafenden Camper durch den Wind wachgeschaukelt oder wachgepfiffen. Bis auf ein Fliegengitter an der Hecktür gab es aber keine nennenswerten Verluste. Um 07:45 Uhr klingelte erstmals in diesem Urlaub der Wecker. Um 10:45 Uhr fährt der Jacobite Steam Train alias Hogwarts Express über das berühmte Glenfinnan Viadukt. Das wollte man auf keinen Fall verpassen. Entsprechend machte der Zeitmanager der Gruppe dem „Team Gemütlich“ Beine. Gebratener Bacon? Gestrichen. Spiegelei? Gestrichen. Kaffee? Gestrichen. Nicht bummeln Gryffindors, sonst verpassen wir den Zug. Mit leckerem Mandelmilch Müsli und Fenchelttee starteten wir stattdessen in den Tag. Und die Maßnahmen zeigten ihre Wirkung. Schon um 08:30 Uhr rollte der Roadsurfer aus dem Glen Coe Tal heraus. Rekord für diesen Urlaub, dem Zeitmanager sei Dank.
Entsprechend pünktlich erreichten wir den Parkplatz des Viadukts. Trotz strömenden Regens war der Aussichtspunkt schnell gefunden und bestiegen, noch 30 Minuten bis zum Eintreffen des Zuges.

Irgendwie sah das Viadukt aber recht klein aus und die ganzen Touristen vermissten wir auch noch. Auf einmal realisierten wir, dass wir wohl den falschen Aussichtspunkt erwischt haben, poppten doch direkt über der Brücke soviele bunte Regenschirme aus dem Wald auf. Jetzt hieß es wieder „Nicht bummeln, Gryffindors“. Berg runter, gerade aus, Berg hoch. Im Eifer des Gefechts verpassten wir unglücklicherweise noch eine Abzweigung und landeten stattdessen in einem heimtückischen Schlammsumpf. Der erste Weiterspringer machte seine Sache noch ganz gut, der Zweite verschätze sich blöderweise etwas bei der Landung.

Schlimmer geht es Gott sei Dank immer. Ein cleverer asiatischer Teenager ist uns gefolgt. Irgendwie hat er es geschafft, seine Schuhe im „Loch Matsch“ zu verlieren und stand folglich etwas hilflos mit weiß bzw. braunen Socken im Matsch. Gut, dass Mutti in der Nähe war, eine unterhaltsame Rettungsaktion begann. Ohne weitere Missgeschicke schafften wir es dann noch hinauf, an eine Stelle mit einem guten Blick auf die Brücke. Die ganze Eile war etwas umsonst, die Schottische Bahn ist nicht viel pünktlicher als die Deutsche… 15 Minuten später ertönte dann aus der Ferne bereits ein Pfeifen der Dampflokomotive. Gefolgt von einem schönen Rattern tauchte sie aus den Bäumen auf und fuhr majestätisch über die Brücke. Ein atemberaubender Anblick, welcher nicht nur den Harry Potter und Zugfans der Gruppe die Sprache verschlug.


Nach diesem Erlebnis ging es zügig weiter in den Nord Westen Schottlands, dem heutigen Etappenziel, der Isle of Skye. Unterwegs lachte uns ein schöner einsamer schottischer Gasthhof an. Nach kurzer Diskussion drehten wir um und freuten uns auf eine kleine Cappuccino Pause. Der ein oder andere hoffte sogar insgeheim auf ein Scottish Egg, eine Delikatesse, welche aufgrund der bisherigen internationalen Restaurant Auswahl noch nicht probiert werden konnte.

Erstes Warnsignal war der indische Kellner zur Begrüßung, zweites Warnsignal die indische Kellnerin am Tisch, mit der Menükarte war es dann klar. Wir sind nicht in einem schottischen Landgasthaus gelandet, sondern vielmehr in einem indischen Hotel. Aber wir sind ja anpassungsfähig: aus Cappuccino wurde dann einfach Curry Lachsspieß und aus Scottish Egg ein Butter Chicken mit Reis und Naan.
Da wir aufgrund der Reisebestimmungen (keine Busfahrten (Außnahme Sitzplatz in erstr Reihe), keine Flüge (Außnahme Sitzplatz am Fenster hinter dem Flügel) und keine Wasserfahrzeuge jeglicher Art) nicht den direkten Weg mit der Fähre nehmen konnten, fuhren wir ein paar extra Meilen durch das spektakuläre Glen Shiel. Der Umweg lohnte sich, wurden wir kurz vor der Brücke zur Isle of Skye noch mit dem Eilean Donan Castle, der laut Reiseführer am meisten fotografierten Burg Schottlands, belohnt. In unserem Fotoalbum ist sie nun auch.


Nach den Schnappschüssen ging es wie immer bei historischen Gebäuden flott weiter. Direkt im Anschluss ging es dann über die Brücke auf Schottlands bekannteste Insel. Nach 10 Minuten Fahrt ertönte ein aufgeregter Aufschrei vom Spurhalteassistenten auf dem Beifahrersitz: „Highland Cows!“. Schnell wurde angehalten und ein kleiner Imbiss serviert.

Um kurz nach 5 erreichten wir dann endlich unseren anvisierten Campingplatz in Broadfoard. Ausgebucht, verdammt! Aber wir sind ja vorbereitet und haben auf unserer großen Schottlandkarte einige Campingplätze eingetragen. 40 Minuten später wurden wir auf dem Campsite in Portree vorstellig. Hier hatten wir Glück, es gab noch genau einen Stellplatz, leider aber ohne Strom. Kurz überlegten wir, ob uns nur eine Dusche 25 Pfund wert ist oder ob wir nicht doch noch eine weitere Nacht wild campen sollen. Da uns der Campingplatz aber gut gefiel, entschieden wir uns für das Bleiben. Schnell waren die Campingstühle ausgepackt. Bei der ersten Sonne des Tages und einem erfrischenden Kaltgetränk wurde der Tag ausklingen gelassen. Camperleben, beste Leben!



