Schottland mal anders

Unser vorletzter Urlaubstag war verglichen mit den vorherigen Tagen recht ungewohnt. Recht seltsam starteten wir bereits in den Tag, fehlte beim Aufwachen bereits das sonst so beruhigende Prasseln auf unserem Camper Dach. Recht verwirrt öffnete der mitgereiste Wecker die Fenstervedunklung und wurde prompt von der Sonne geblendet. Nun war auch die ganze Mannschaft wach, schnell wurden die Hecktüren geöffnet und neben Sonne und blauem Himmel begrüßten uns zusätzlich noch grasende Pferde. Ein schöner Start in den Tag.

Vor unserem Camper befand sich praktischerweise ein Tisch samt Sitzgelegenheit. Die nutzten wir wir dann zur Feier des Tages für unser Frühstück, das zweite mal draußen für diesen Urlaub.

Ohne die üblichen 5 Kleidungsschichten entdeckte so manch einer dann auch noch seine Bewegungsfreiheit wieder.

Und der Tag ging ungewohnt weiter. Bereits um 10 Uhr rollte der Roadsurfer los. Nächstes Etappenziel: die Burg und gleichnamige Stadt Stirling. Aufgrund seiner strategischen Lage am Fluss Forth spielte Stirling in den schottischen Unabhängigkeitskriegen eine sehr zentrale Rolle. Fans des Films Braveheart und des schottischen Nationalhelden William Wallace sind hier richtig.

Geparkt hatten wir abseits, neben einem Golfplatz und einem „Hundepark“. Mühsam erklommen wir über einen Waldpfad den Berg hinauf zur Burg. Der Aufstieg lohnte sich aber, hat man von der Burg doch einen prächtigen Ausblick auf das Umland samt William Wallace Monument. Einige der Gruppe waren sogar überzeugt, es handelt sich hier um Barad-dûr, dem Turm Saurons aus Mordor.

Die Burg selber wollten wir nicht besichtigen, sind Eintrittspreise bei den Oberschwaben selbstredend verpönt. Auch wimmelte der Burghof nur so von Touristen, nichts für uns Naturliebhaber. Eigentlich wollten wir nun ausgehend von der Burg die abwärtsliegende Altstadt Stirlings besichtigten. Blöderweise hatte die komplette Gruppe (!) ihre Geldbeutel im Auto vergessen. Also ging es wieder den Waldweg zurück zum Auto und dann wieder los in die Stadt.

Zurück in der Stadt wurde wieder etwas durch die Läden und Gassen gebummelt. Wie in nahezu allen kleinen Läden in Schottland waren die Böden in Selbigen oftmals leicht uneben. Sehr zum Leid von den sensiblen Shoppingfans im Team. Regelmäßig wurde über starken Seegang innerhalb der Läden geschimpft. Folge waren Orientierungslosigkeit (mehr wie sonst in fremden Städten) und Schwindelgefühl. Als Konsequenz waren die Shoppingmuffel plötzlich immer allein im Laden, während die Shoppingfans sich vor den Läden erholten. Entsprechend zügig kamen wir voran.

Ausnahme war der „Europa Music“ Laden mit einem extrem ausgeklügelten Geschäftsmodell. Mit einem extrem großen Angebot an günstigen CD’s und Schallplatten lud er sogar besagte Shoppingmuffel zum ausgiebigen Schlendern ein. Zur Bespaßung von gelangweilten Begleitpersonen wurden extra zwei schwarze Hunde zur Verfügung gestellt. Entsprechend lang hielten wir uns in dem Laden auf, am Ende sprangen drei sehr günstige gebrauchte CD’s heraus. 

Nach dem Shoppen war es mal wieder Zeit für unsere obligatorische Cappuccino/Espresso Pause. Im Anschluss wollte die Truppe noch zum Bannockborn Visitor Center südlich von Stirling.

Bei der Schlacht von Bannockborn 1314 errang das schottische Heer unter Führung von Robert the Bruce einen überraschenden Sieg gegen ein erheblich größeres englisches Heer unter Eduard II (einige Quellen berichten von einer 5-fachen Übermacht). Die Schlacht war ein entscheidender Wendepunkt im schottischen Unabhängigkeitskrieg. Das Besucherzentrum ist nahe dem ehemaligen Schlachtfeld errichtet, zahlreiche interessante Informationstafel erzählen die Geschichte, welche begeistert gelesen wurden.

Einige waren von diesem historisch besonderen Ort sehr fasziniert, andere verstanden nicht so Recht den Unterschied zu der „Hundewiese“ von heute morgen.

Nach dem Geschichtsunterricht ging es weiter Richtung Campingplatz. Unterwegs hielten wir noch bei Falkirk Wheel, das größte und einzig rotierende Schiffshebewerk der Welt, an. Stolze 24 Meter werden von dem futuristisch ausschauendem Hebewerk überwunden. Begeistert schauten die Techniker im Team zu.

Hauptnutzer des „Aufzuges“ sind witzgerweise Boote voller Touristen, welche einmal hoch fahren, umdrehen und wieder herunter fahren. Aufgrund des starken Seegangs ließen wir diese Achterbahnfahrt aber lieber aus. Morgen warten noch einige schwankende Läden in Edinburgh auf uns, da wollen wir uns keinen Ausfall aufgrund von Seekrankheit erlauben.

Nach Falkirk ging es dann ohne Unterbrechung zu unserem letzten Campingplatz des Urlaubes. Morgen Mittag müssen wir unser rollendes Zuhause leider wieder abgeben. Entsprechend unseres Familienmottos „Was gemacht ist, ist gemacht“ wurde schon viel vorbereitet. Alles, was für die nächsten Tag nicht mehr gebraucht wird, wurde bereits zurück in den Koffer gepackt. Noch ist das Team unsicher, ob die Kapazitäten reichen, nehmen die zahlreichen Whisky Gläser doch ganz schön Platz weg. Aber es gibt ja noch das Handgepäck. Ansonsten heißt es für heute nur noch, alle Vorräte aufbrauchen.

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